Thomas Minder (parteilos): Robin Hood der Unzufriedenen

Ein «Kämpfer mit breiter Schulter und dicker Polit-Haut»: So sieht sich Thomas Minder selbst. Der Neuhauser Unternehmer sitzt seit vier Jahren im Ständerat, ist dort Mitglied der SVP-Fraktion, politisiert aber unabhängig. Seine Chancen auf eine Wiederwahl stehen trotz Attacken gegen ihn gut.

  • Beruf: Kaufmann / Unternehmer
  • Politisch tätig seit: 2006
  • Politisches Amt: Ständerat
  • Zivilstand: ledig

Thomas Minder, Mundwasser-Produzent aus Neuhausen, kannte man national lange vor seiner Wahl 2011. Als Kämpfer gegen Abzocker und gegen die Verwässerung der Marke «Schweiz» hatte er sich einen Namen geschaffen. Unvergessen ist bis heute, wie er an der Generalversammlung der Grossbank UBS 2008 ein flammendes Plädoyer hielt. Als er schliesslich energisch auf Bankpräsident Marcel Ospel zuschritt und ihm ein Exemplar des Schweizerischen Obligationenrechts in die Hand drücken wollte, überwältigten ihn die Sicherheitskräfte.

Klare Worte - auch im Ständerat

Minders unerschrockene und bodenständige Art mag erklären, weshalb er 2011 ohne Unterstützung einer Partei den Sprung ins Stöckli schaffte. Der Managerschreck hatte - quasi im Stil von Robin Hood - den Nerv vieler Protestwählerinnen und Protestwähler getroffen. So schnappte er sich im zweiten Wahlgang den Sitz der Schaffhauser Freisinnigen. Manche unkten damals, dass es das Energiebündel in der trägen Politik nicht lange aushalten würde. Tatsächlich polterte Minder auch im Ständerat munter weiter. Und er machte sich dort nicht nur Freunde: Schon im ersten Amtsjahr bezeichnete er das Gremium als Kindergarten, wo «Tubel-Vorschläge» eingereicht würden.

Der grösste Erfolg des heute 54-Jährigen ist das überwältigende Ja des Stimmvolks zu seiner Abzocker-Initiative. Dieser Erfolg schlug sich gar in einer Auszeichnung nieder: 2014 wurde Minder zum «Schweizer des Jahres» in der Kategorie Politik gewählt. Bis heute kann er auf einen treuen Kreis von Sympathisanten zählen.

Minder für Schaffhausen oder Minder für Minder?

Kritiker in Schaffhausen werfen ihm hingegen vor, dass er im Ständerat primär seine eigenen Ziele verfolge und die Interessen des Kantons zu wenig engagiert vertrete. Polarisiert hat Minder zudem mit seinem grossen Engagement für die deutlich verworfene Ecopop-Initiative. Zuletzt sorgte er mit pointierten Äusserungen zur Frankenstärke für Schlagzeilen: Wer im Ausland einkaufe, sei unpatriotisch.

Thomas Minder muss seinen Sitz vor allem gegen den Angriff der FDP verteidigen, die mit Regierungsrat Reto Dubach einen starken Herausforderer stellt. Die Chancen auf eine Wiederwahl stehen dennoch gut.