Konkurrenz für FDP: Zürcher SVP will auch Wirtschaftspartei sein

Wer ist im Kanton Zürich die Nummer 1 in Wirtschaftsfragen? Traditionell ist es die FDP. Doch die SVP will ihr diese Position streitig machen. Denn mit Wirtschaftskompetenz kann man derzeit bei der Wählerin, dem Wähler, punkten.

Wahlkampfauftakt der Zürcher FDP mit Fackelübergabe von Bundesrat Schneider-Ammann an Parteipräsident Walti. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wer behält im Kanton Zürich die Hoheit als Wirtschaftspartei? Die FDP gibt sich am Wahlkampfauftakt siegessicher. SRF

Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz, die Schwierigkeiten der Schweizer Unternehmen, sich nach dem Frankenschock im internationalen Wettbewerb zu behaupten: Diese Themen beschäftigen die Wählerinnen und Wähler. Bei den Zürcher Regierungsrats- und Kantonsratswahlen im Frühling 2015 zeigte sich das unter anderem auch im Erfolg der FDP: Nach jahrelangem Sinkflug konnte die Partei beim Wähleranteil erstmals wieder markant zulegen und gewann acht Sitze.

Zürcher SVP kritisiert «Gagawahlkampf» der Mutterpartei

Den Analytikern bei der Zürcher SVP ist dies nicht entgangen. Entsprechend richten sie sich im Nationalen Wahlkampf neu aus. Parteipräsident Alfred Heer betont immer wieder, wie kompetent der Ständeratskandidat der SVP, Hans-Ueli Vogt, in Wirtschaftsfragen sei. Er kenne die Unternehmenssteuerreform, das Aktienrecht, die Finanzmarktgesetze, die kommen sollen: «Das sind zentrale Themen, die den Finanz- und Werkplatz Zürich betreffen.» Die Fokussierung der SVP Schweiz auf die Ausländerpolitik findet Heer falsch und scheut sich nicht, dies laut zu sagen.

FDP ist überzeugt: Konstanz zahlt sich aus

Zwar hat die SVP viele Unternehmer in ihren Reihen, als Wirtschaftspartei wird sie in der Öffentlichkeit trotzdem wenig wahrgenommen. In den letzten Jahren hat sie klar andere Themen in den Vordergrund gerückt. Dies gereicht der FDP zum Vorteil.

Themen wie sichere Arbeitsplätze, Wohlstand, gute Standortbedingungen für die Unternehmen stehen schon seit Jahren im Zentrum der freisinnigen Politik, hält der Zürcher FDP-Präsident Beat Walti fest: «Diesbezüglich müssen wir uns nicht neu erfinden, das ist jetzt eine Stärke.» Eine Stärke, die sich für die Freisinnigen bei den Zürcher Wahlen im Frühling 2015 ausbezahlt hat. Und sie hofft, dass sie diesen Erfolg im Herbst wiederholen kann.

Gute Taktik oder Bumerang?

Politbeobachter Michael Hermann ist sich nicht sicher, ob die neue SVP-Strategie für die Volkspartei aufgeht. Die Idee, Wähler aus der Finanzbranche anzusprechen, die eine konservative Weltanschauung haben, sei sicher interessant, sagt Hermann gegenüber «Radio SRF». Die neue Taktik könne sich aber auch als Bumerang entpuppen und der FDP zusätzlich helfen: «Wenn die SVP sagt, das FDP-Thema sei jetzt gefragt, dann ist die FDP eben doch das Original.»