Graue Panther – eine Lobby für die Alten

Sie waren zwar keine Partei wie etwa in Deutschland. Aber auch die Schweizer Grauen Panther kämpften in den 1980er- und 1990er-Jahren gegen soziale Probleme im Alter, gegen Ausgrenzung und Ungerechtigkeiten. Und heute?

Sitzreihen vor einem Podium, mehrere Personen mit grauen oder weissen Haaren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Grauen Panther Nordwestschweiz geben sich kämpferisch. Gesamtschweizerisch haben sie aber an Biss verloren. SRF/Monika Zumbrunn

Ein Besuch bei den Grauen Panthern in Basel: Angekündigt ist ein Podium zum Dialog zwischen den Generationen. Es geht um Erwartungen von Alt an Jung und umgekehrt. Hanspeter Meier ist Co-Präsident der Grauen Panther Nordwestschweiz. Er heisst gegen 70 Pantherinnen und Panther willkommen.

Man sieht viel ergrautes Haar in den Sitzreihen. Die meisten sind mit Begeisterung dabei. «Bei den Grauen Pantherinnen bin ich als politisches Statement», sagt eine Anwesende. Und der ältere Herr neben ihr ergänzt: «Man muss schon sehen, die Grauen Panther sind in der Nordwestschweiz präsent. Das ist sehr lobenswert.»

Gegen Altersguillotine beim Autofahren

Seit fast 30 Jahren setzen sich die Grauen Panther Nordwestschweiz für eine altersgerechte Wohnpolitik oder bezahlbare Pflegekosten ein. Aushängeschild in Basel ist Remo Gysin, früher SP-Regierungs- und Nationalrat. Der Co-Präsident der Grauen Panther Nordwestschweiz wird aktiv, wenn er sich übergangen fühlt.

Remo Gysin am Mikrofon Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der ehemalige SP-Politiker Remo Gysin (70) fühlt sich öfter aufgrund seines Alters diskriminiert. Keystone

Das komme oft vor, sagt Gysin: «Ich finde es wirklich sehr diskriminierend, dass man uns unterschiebt, mit 70 sei man nicht mehr fähig, Auto zu fahren. Dass man hier eine Altersguillotine reinhängt. Das sind Dinge, die uns auch verletzen, und die wir so nicht akzeptieren.» In solchen Momenten zeigen sich die Basler Grauen Panther kämpferisch und scheuen sich nicht, für ihre Anliegen zu demonstrieren.

«Es macht uns im Kern aus, dass wir die Gemeinschaft, das Solidarische suchen, dass wir aber auch bereit sind, die Zähne zu zeigen oder die Klauen.» Die Grauen Panther Nordwestschweiz mit ihren 900 Mitgliedern haben politischen Einfluss, sind aber eine Ausnahme: In Solothurn, Bern, Schwyz oder Zürich verstehen sich die Sektionen vor allem als Seniorenvereine, um gemeinsam die Freizeit zu geniessen.

Graue Panther als «etwas, das es einmal gab»

Vorbei sind die Zeiten, als die Zürcher Grauen Panther Anfang der 1990er-Jahre
mit einer Liste für den Nationalrat kandidierten. Die besten Zeiten der Grauen Panther seien vorbei, erklärt Karin Frick, Alters- und Trend-Forscherin beim Gottlieb-Duttweiler-Institut Rüschlikon: «Bewusst nehme ich die Grauen Panther kaum mehr wahr. Sie sind mehr etwas, das es einmal gab. Aber sie sind nicht mehr eine Vorreiterbewegung einer ganzen Generation oder einer Altersgruppe.»

Die erste Generation der Grauen Panther habe viel erreicht, so Frick, den Alten heute gehe es relativ gut. Vor allem aber habe sich das Selbstbild geändert: Alt stehe heute nicht mehr automatisch für gebrechlich: «Wenn das Selbstbewusstsein ist, ich bin leistungsfähig, bloss etwas schrumpeliger als früher. Aber eigentlich bin ich noch die gleiche wie vor zehn Jahren und interessiert an der Welt – dann stellt sich die Frage: Wofür soll ich mich in einer grossen Gruppe einsetzen?»

Die Gruppe der Alten sei halt sehr heterogen, sagt Frick. Die Versuche, eine Dachorganisation der Grauen Panther Schweiz zu gründen, scheiterten denn auch in der Vergangenheit. Es gibt zwar verschiedene gesamt-schweizerische Altersorganisationen – von der Pro Senectute bis zum Seniorenrat.

Aber diese verstehen sich nicht als eigentliche politische Lobby, sondern bieten Dienstleistungen an oder beraten die Behörden im Hintergrund. Die Krallen der Grauen Panther in Basel passen da nicht ins Bild. Kommt hinzu, dass auch die politischen Parteien die älteren Semester entdeckt haben, vermehrt auf Senioren-Sektionen setzen und eigene Senioren-Listen für die Nationalratswahl führen.

Immer mehr ältere Menschen mit Einfluss

Gysin, der kämpferische Graue Panther aus Basel, lässt sich trotzdem nicht beeindrucken: «Es braucht die Vertretung der älteren Leute in unserer Gesellschaft. Es braucht unsere Stimme, das auf den Tisch klopfen und sagen, seht mal, das wollen wir. Es kann niemand anderes für die Älteren sprechen, als sie selbst.»

Für eine breite Lobby-Bewegung mag es dennoch nicht reichen, muss es vielleicht auch nicht: Denn der Anteil der älteren Menschen in der Gesellschaft wächst –
und damit auch deren Einfluss auf die Politik.