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Wahlkampf «Haben Sie kurz Zeit...?»

Alle vier Jahre wieder: Politiker versperren die Trottoirs und verteilen Ballone, Kugelschreiber, Gummibärchen, Kleber, Post-It, Feuerzeuge, Bonbons, Kondome undundund. Was kommt am besten an? Und sind die Artikel eigentlich auch in der Schweiz hergestellt worden?

«Bon», sagt Philippe Miauton. Der FDP-Mediensprecher hat schon viele Wahlkämpfe erlebt und an den Standaktionen Give-aways verteilt. Dabei musste er auch mitansehen, dass Flyer zehn Meter weiter im nächsten Abfalleimer landen. Darum, so Miauton, verteile er im Wallis jetzt Gipfelis: «Die landen im Bauch, und nicht auf der Strasse.»

Der Spätsommer 2015 läutet den Beginn der Standaktionen ein. Die Parteileitungen haben ihre Lager neu aufgefüllt und koordinieren sich mit ihren Kantonalsektionen. Die Politiker stehen an gut frequentierten Hotspots und sind am Verteilen. Esswaren, das zeigt die Umfrage, laufen immer gut. Daneben kommen aber auch die «Klassiker» zum Zug. Und das sind wie jedes Jahr: Kugelschreiber, Ballone, Notizblöcke und Kleber. Manche Artikel haben die Partei viel gekostet, zum Beispiel Regenschirme. Andere Give-aways sind in der Herstellung günstig gewesen: Kleber oder Bonbons.

Honig und Kondome

Einer älteren Passantin werden Flyer und Schnürsenkel verteilt.
Legende: Auch Schnürsenkel wurden schon verteilt. Keystone

Die meisten Parteien bieten diese Artikel auch auf ihrer Homepage an. Das Spektrum ist dabei riesig. Bei der BDP gibt’s Honiggläser und Kondome. Erstere werden an Messen und Standaktionen verteilt. Für die Kondome ist die Junge BDP zuständig. Das Interesse für Honiggläser und Kondome sei gross, so Nina Zosso, Generalsekretärin der BDP. Auch Thomas Jauch, CVP-Kommunikationschef, zeigt sich zufrieden. Er berichtet sogar von Sammlern aus Deutschland, die immer wieder nach Give-aways fragen.

Gibt es auch einen Verkaufsschlager bei den Werbeartikeln? Jauch überlegt kurz: «Die Buttons laufen gut.» 60 Stück der CVP-Buttons «Ich mach mich stark» kosten 79 Franken. Das ist ein stolzer Preis. Aber, so Jauch, diese Buttons stammen aus einer Schweizer Arbeitswerkstatt für Menschen mit Behinderungen.

Gummibärchen und Sparschäler sind beliebt

Aus Schweizer Produktion stammen auch die Werbeartikel der Grünen Partei, das will Miriam Behrens festhalten. Sie ist Generalsekretärin der Grünen. Einzige Ausnahme, so Behrens: Die Tasche «Bio macht schön» – die werde in Österreich hergestellt. Und was ist der Renner im Shop der Grünen? Wenn eine Anti-Atom-Demonstration angekündigt sei, werde auffallend viele Mützen der Grünen bestellt, so die Generalsekretärin. Der absolute Renner in der jüngeren Vergangenheit war aber der grüne Sparschäler. Die 4000 Stück sind längst weg. Man suche jetzt nach einem neuen Schweizer Hersteller, so Behrens.

Ähnlich wie bei der Grünen sieht es bei der SP aus. Nach Angaben von Medienchef Michael Sorg lässt die SP die meisten Produkte in der Schweiz herstellen, «auch wenn das in einzelnen Fällen teurer kommt.» Gibt es Ausnahmen? Ja, bei den Gummibärchen. Die stammen aus dem Haribo-Land Deutschland. Die Süssigkeit sei der «unbestrittene Bestseller», so Sorg. «Sie finden auch auf dem Sekretariat reissenden Absatz».

Wenig Swiss made bei der SVP

Bei der Schweizerischen Volkspartei (SVP) kommt vieles aus dem Ausland. Wenigstens der Lieferant, der kommt aus der Schweiz. Silvia Bär, vom SVP-Generalsekretariat: «Unser Schweizer Lieferant bezieht wohl die meisten Artikel aus Asien.» Die Partei hat in diesem Jahr schon Hunderte «SVP bi de Lüt»-Anlässe durchgeführt. Bär hat dabei beobachtet: «Die Handy-Putzer sind sehr beliebt.» Davon hat die SVP schon 25‘000 Exemplare verteilt.

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