Wie halten es die Parteien mit der Wissenschaft?

Viele Polit-Themen haben einen Bezug zur Wissenschaft: Gentechnik, Klimawandel, Datenschutz, Biodiversität und so weiter. Doch wie wichtig ist die Wissenschaft eigentlich den Politikern? Das wollten die Akademien der Wissenschaften Schweiz und der Nationalfonds wissen. Ein Online-Tool hilft dabei.

Die Annahme der SVP-Einwanderungsinitiative war für viele Forscherinnen und Forscher ein Schock. Nur wenige hatten mit einem Ja gerechnet; entsprechend zurückhaltend waren die Forschungsorganisationen im Abstimmungskampf unterwegs gewesen.

Seit diesem Schock ist eine Politisierung des Forschungsplatzes Schweiz zu beobachten. Jüngstes Beispiel: die Website «ScienceDebate», lanciert von den Akademien der Wissenschaften Schweiz und dem Nationalfonds, in Zusammenarbeit mit Smartvote.

Eine Person hält Reagenzgläser in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: ScienceDebate soll dem Wähler zeigen, welcher Kandidat der Wissenschaft zugeneigt ist und welcher nicht. Imago

Online-Tool schafft Abhilfe

Auf dieser Website sollen sich Bürgerinnen und Bürger eine Meinung dazu bilden können, wie Parteien und Politiker zur Wissenschaft stehen – und dann entsprechend abstimmen. «Es ist absolut wesentlich, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in den politischen Entscheidungsprozess einfliessen», sagt Thierry Courvoisier, der Präsident der Akademien. Er wünscht sich im Parlament eine stärkere Lobby für die Wissenschaft.

Das neue Online-Tool basiert hauptsächlich auf Fragen, die im üblichen Smartvote-Fragebogen vorkommen und mit Wissenschaft zu tun haben. Zu diesen Fragen kann man sich auf der Website die Positionen der sieben grössten Parteien anschauen, auf Ebene des Bundes oder der einzelnen Kantone. Auch die Positionen der Kandidaten kann man einsehen. Ausserdem gibt es auf der Website Stellungnahmen der Parteipräsidentinnen und Präsidenten zu den Fragen zu lesen.

DIE Wissenschaftspartei gibt es nicht

Insgesamt sind die Resultate nicht besonders überraschend. Zum Beispiel bei der Frage, ob die CO2-Abgabe als Massnahme gegen den Klimawandel auf Benzin und Diesel ausgeweitet werden soll. Hier sagen Politiker der FDP und SVP im Durchschnitt nein, Grüne, Grünliberale und SP sagen ja, die Resultate der anderen Parteien sind nicht eindeutig.

Interessant ist indes, wie die Akademien zu dieser Frage stehen: «Für uns gibt es eine sehr klare wissenschaftliche Antwort», sagt Marcel Falk, der Sprecher der Akademien. Nämlich: «Ja, diese Ausweitung ist nötig – für das Klima und mittel- bis langfristig auch für die Wirtschaft.» Für die Akademien sind FDP und SVP bei der CO2-Abgabe also quasi unwissenschaftlich unterwegs.

Bei anderen Fragen sieht es dann allerdings wieder anders aus. Bei der Gentechnik etwa wäre laut den Akademien die FDP die wissenschaftsfreundlichste Partei. Denn sie spricht sich gegen eine Verlängerung des Gentechnik-Moratoriums aus. Es gibt also nicht die eine Wissenschaftspartei. Das Bild ist differenziert. Und die Akademien geben explizit keine Wahlempfehlung ab.

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