Gerangel um Plätze auf der Liste der CVP Aargau

Die CVP Aargau nominierte am Mittwoch die Kandidaten für den Nationalrat: Favoritin ist Ruth Humbel, auf den Listenplätzen 2 und 3 folgen die Grossräte Ralf Bucher und Marianne Binder. Die CVP hatte bei der Nomination ein Problem: Es gab mehr Interessenten für die Liste als Plätze.

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Bildlegende: Marianne Binder-Keller (57) und Ralf Bucher (37) sollen für die CVP Aargau Stimmen holen. Keystone/zvg

Es gab schon Wahljahre, in denen die CVP nur mit Mühe und Not die Liste für den Nationalrat füllen konnte. Dieses Jahr ist es anders. 16 Plätze gibt es auf der Liste, einen mehr als 2011, weil der Aargau wegen seines Bevölkerungswachtsums einen Sitz zusätzlich erhält in der grossen Kammer.

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Bildlegende: Die 16 Nationalrats-Kandidaten der Aargauer CVP, flankiert von CVP-Präsident Christophe Darbellay. zvg

Und die Parteileitung hatte für die 16 Listenplätze die Qual der Wahl. Präsident Markus Zemp: «Wir hatten mehr Kandidatinnen und Kandidaten als Plätze. In dieser Situation waren wir seit 20 Jahren nicht.»

Auf dem ersten Listenplatz ist natürlich die bisherige Nationalrätin Ruth Humbel. Sie kandidiert auch für den Ständerat. Je nach Konstellation im zweiten Wahlgang, der für die kleine Kammer allgemein erwartet wird, könnte sie den frei werdenden Sitz von Christine Egerszegi (FDP) erobern.

Bauernverteter aus dem Freiamt

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Die CVP Aargau in Zahlen

  • NR-Wahlen: 2007: Wähleranteil 13.51 Prozent, 3 Sitze
  • NR-Wahlen 2011: Wähleranteil 10.59 Prozent, 1 Sitz
  • Grossratswahlen 2012: Wähleranteil 13.26 Prozent
  • NR-Wahlen 2015: Ziel ca. 12.6 Prozent Wähleranteil, 2 Sitze (dazu braucht es mind. 11.8 Prozent)
  • NR-Wahlen 2011: Listenverbindung mit BDP und SLB
  • NR-Wahlen 2015: Listenverbindung mit... ?

Dann wäre der Weg frei für ein neues Aargauer CVP-Gesicht im Nationalrat. Dieses könnte Ralf Bucher heissen. Der Grossrat aus dem Freiamt (Mühlau) ist die Nummer 2 auf der CVP-Liste. Als Bauer und Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbandes hat Bucher einen hohen Bekanntheitsgrad. Er kandidierte schon vor vier Jahren für den Nationalrat und erzielte damals ein sehr gutes Resultat. Dieses verhalf ihm jetzt zu Platz zwei auf der Liste.

Mit einem Sitz will sich die CVP aber nicht zufrieden geben. Sie will unbedingt einen zweiten Sitz erobern. Die Chancen stehen nicht schlecht. Vor vier Jahren verlor sie den zweiten Sitz nur hauchdünn. Und weil dieses Jahr ein Sitz mehr zu vergeben ist, stehen ihre Chance besonders gut.

Urbanes CVP-Urgestein

Favoritin für den zweiten Sitz ist Marianne Binder-Keller. Sie figuriert auf Platz 3 der CVP-Liste. Auch ihr ist zuzutrauen, dass sie im Oktober den Sprung nach Bern schafft. Den Politbetrieb dort kennt sie bestens. Sie ist ehemalige Kommunikationschefin der CVP Schweiz.

Und Marianne Binder bringt eine grosse Hausmacht mit. Sie wohnt in Baden und entstammt der traditionsreichsten CVP-Familie im Aargau, den «CVP-Kennedys aus Baden» (Aargauer Zeitung, 18.5.2014). Ihr Vater ist der ehemalige Nationalrat Anton Keller. Ihr Schwiegervater ist Julius Binder, ehemaliger CVP-Ständerat. Und ihr Mann, Andreas Binder, sass für die CVP im Grossen Rat.

«Mit Feuer und Flamme in den Wahlkampf»

Nicht genug damit: Der Politvirus ist auch schon auf den Nachwuchs übergesprungen. Marianne Binder-Kellers Sohn, Simon Binder, ist Co-Präsident der CVP der Stadt Baden.

CVP-Präsident Markus Zemp verspricht einen farbigen und lebendigen Wahlkampf. Dieser werde schon früh beginnen. «Wir setzen sehr stark auf Personen», betont er. «Wir sind in unseren Stammlanden gut vertreten. Unsere Kandidaten müssen viel machen und ehrgeizig sein.»