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Wirtschaft Hoffnung für Langzeit-Arbeitslose

Derzeit dürfen Sozialfirmen lediglich Ausgesteuerte oder Sozialhilfe-Empfänger anstellen. Langzeit-Arbeitslose, die noch ALV-Geld beziehen, sind ausgeschlossen. Voraussichtlich am Donnerstag werden die Weichen neu gestellt.

Langzeitarbeitslose bei Arbeitsbeginn
Legende: Zwischen 11 und 20 Franken Stundenlohn erhalten Langzeit-Arbeitslose bei der Dock-Gruppe. SRF

Im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) haben die regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) des Kantons Luzern in Zusammenarbeit mit der Sozialfirma «Dock Luzern» – einer von schweizweit zehn Betrieben der Dock-Gruppe – ein neues Instrument der Arbeitsmarkt-Integration getestet und vergangenen Frühling abgeschlossen.

Vermittlung noch vor der Aussteuerung

Ziel ist, dass Langzeit-Arbeitslose, die beim RAV zwar noch «stempeln», aber kaum Aussicht auf eine Stelle im so genannten «ersten Arbeitsmarkt» haben, noch vor der Aussteuerung an eine Sozialfirma vermittelt werden. Die Absicht ist, dass sie dort auch dann weiterarbeiten können, wenn die Zuständigkeit an die Sozialhilfe übergeht.

30 Prozent der ALV-Bezüger, die am Pilotprojekt freiwillig teilgenommen haben, haben den Sprung in den «ersten Arbeitmarkt» geschafft.

Voraussichtlich am Donnerstag wird die Aufsichtskommission für den Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung anhand der Ergebnisse aus Luzern entscheiden, ob das Instrument für die nächsten vier Jahre gesetzlich verankert wird. Daniela Merz, Geschäftsführerin der Dock-Gruppe, hofft, dass die Kommission positiv entscheiden wird. Auch Daniel Keller, der das Pilotprojekt seitens Seco begleitet, zeigt sich auf Anfrage von «ECO» optimistisch.

Bisher können Sozialfirmen von Gesetzes wegen nur Personen beschäftigen, die von der Arbeitslosenversicherung (ALV) ausgesteuert sind und Sozialhilfe erhalten. Langzeit-Arbeitslose hingegen, die noch Geld von der ALV beziehen, dürfen Sozialfirmen nicht anstellen.

Boomende Sozialindustrie

Ausgesteuerte und Sozialhilfebezüger landen nicht selten bei Sozialfirmen. Dies, weil viele Unternehmen schwächere Mitarbeiter nicht mehr beschäftigen oder einfache Tätigkeiten wegrationalisiert haben. In den letzten zehn Jahren sind vor allem in der Deutschschweiz viele solcher Betriebe entstanden.

Diese Unternehmen generieren gemäss einer Studie der Universität der italienischen Schweiz aus dem Jahr 2012 rund 40 Prozent ihres Umsatzes mit Verkäufen von Produkten und Dienstleistungen. Etwa 60 Prozent erhalten sie als Transferzahlungen für Integrations-Aufgaben von der öffentlichen Hand. Insgesamt dürften es mehrere hundert Millionen Franken sein.

Die Branche ist heterogen, finanziell unterschiedlich organisiert und datenmässig schlecht erfasst. Für Aussenstehende herrscht wenig Transparenz.

Mehr Klarheit schaffen

Daniel Schaufelberger, Dozent an der Hochschule Luzern für Soziale Arbeit und Spezialist für Arbeitsmarktintegration, fordert: Die öffentliche Hand müsse stärker darauf schauen, welchen Sozialfirmen sie welche Personen zuweise, was sie dafür zahle und wie die Qualität im Bereich Integrationsmassnahmen gemessen werde.

Mehr Klarheit über die öffentlich wenig bekannte Branche soll eine grossangelegte Studie und Umfrage der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) und der Scuola Universitaria Professionale della Svizzera Italiana (SUPSI) bringen, die derzeit am Laufen ist.

Thema bei «ECO»

Thema bei «ECO»

Grösste Sozialfirma der Schweiz ist die die Dock-Gruppe von Daniela Merz mit zehn Betrieben in der Deutschschweiz. In der Region Basel agiert die B2 Baupunkt Genossenschaft, deren Geschäftsleiter Thomas Mohler ist, mit ebenfalls zehn Firmen. Das Wirtschaftsmagazin «ECO» hat beide Unternehmen besucht.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Marion G., Emmen
    Marion aus Emmen Ich finde die Anstellung in Sozialfirmen sehr positiv. Mein Mann ist 55 Jahre alt und er hat so gut wie keine Chance auf dem 1. Arbeitsmarkt. Bisher 150 Bewerbungen geschrieben. Es kommen nur Absagen. Es ist einfach nur deprimierend, Menschen die arbeiten wollen , bekommen hoffentlich auf dem 2. Arbeitsmarkt eine Chance wieder integriert zu werden.
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Eine Schande für die Schweiz! Vor 20 Jahren nahm man etwas schwächere Arbeiter einfach noch mit und behielt sie in der Firma. Das war leider mal, heute wird jeder wegrationalisiert, der dem Boss nicht passt. Dafür aber holt er sich gleich zwei Kaderleute ins Boot. Als Endeffekt muss dann ein Arbeiter für zwei produzieren, während die im Büro jammern, dass sie nicht mehr ins Facebook dürfen! In was für einer verdrehten Welt leben wir eigentlich? Sind die Schweizer nur noch Marionetten?
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  • Kommentar von Silvia mattmann, Weisslingen
    Das Finde ich sehr gut dieses Pilotprojekt
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