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Von Kokos bis Himbeere Glacetrends: Warum nicht jede Sorte den Sommer erlebt

Jeden Sommer gibt es neue Glacesorten. Doch wie entsteht eine neue Kreation? Und wann verschwindet sie wieder?

In der Produktion der Delica AG im zürcherischen Meilen herrscht Hochbetrieb. Das Migros-Unternehmen produziert 250 verschiedene Glacesorten – mehr als die Hälfte davon verkauft es während der Sommermonate.

Nahaufnahme von Stängeliglace in der Produktion.
Legende: Bei Delica entsteht Glace am Laufband. Von den 250 verschiedenen Glaceprodukten landen die meisten in den Regalen der Migros. ZVG / Delica

Egal ob Becher oder Cornet: Am häufigsten ist die Geschmacksrichtung Vanille. Sie ist seit jeher die unangefochtene Nummer eins im Schweizer Glacemarkt.

Eine Person in Arbeitskleidung überprüft Maschinen in einer Fabrik.
Legende: Seit 1949 wird in Meilen am Zürichsee Glace hergestellt. Trotz Automatisierung bleibt auch noch vieles Handarbeit. SRF / gutj

Trendige oder ausgefallene Sorten seien zwar auch gefragt, verschwänden aber oft nach einiger Zeit wieder aus den Tiefkühltruhen, sagt Lea Amato. Sie entwickelt seit mehr als zehn Jahren bei Delica neue Glacesorten.

Person in grauem Pullover und Haarnetz packt Produkte in Kiste.
Legende: Lea Amato bei der Präsentation der neuen Glacesorten von Delica. In diesem Jahr setzt Delica unter anderem auf ein neues Cornet mit dunkler Schokolade und Himbeeren. SRF / gutj

Der Platz in den Tiefkühlregalen ist begrenzt. Deshalb gilt die Regel: Kommt eine neue Sorte auf den Markt, muss eine andere weichen. «Wir stecken viel Herzblut in neue Sorten», sagt Amato. Doch für fast jede Glace komme irgendwann das Ende.

Weniger Platz für ausgefallene Kreationen

Früher habe Delica auch mit ausgefallenen Kreationen experimentiert – zum Beispiel Poulet-Glace. Bis in die Verkaufsregale schaffte es diese Sorte jedoch nie.

Der finanzielle Spielraum für solche Experimente sei in den vergangenen Jahren zudem kleiner geworden. «Früher gab es Platz für Ideen, die einem mitten in der Nacht gekommen sind», so Amato. Heute sei die Entwicklung neuer Produkte deutlich fokussierter und analytischer.

Entscheidend sei, den richtigen Zeitpunkt für einen Trend zu erkennen – und einzuschätzen, ob der Schweizer Markt bereit dafür ist.

Gesundheitsrichtlinien treffen auf Kindheitserinnerungen

Guter Geschmack allein reicht heute nicht mehr aus. Auch bei einem Genussprodukt wie Glace achtet die Kundschaft zunehmend auf die Inhaltsstoffe. Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie eine Glace schmeckt, sondern auch, was drinsteckt – und wie viel davon.

Die Branche hat sich diesbezüglich vor einigen Jahren selbst Richtwerte gesetzt, wie viel Zucker und Fett eine Glace höchstens enthalten soll. Besonders Kinderglacen sollen demnach weniger Kalorien enthalten. Einige Delica-Produkte erfüllen diese Kriterien jedoch noch nicht.

Gesund und lecker?

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Die Schweizer Glacebranche hat sich 2020 Ziele gesteckt, um den Zuckergehalt in Glaceprodukten zu reduzieren, ohne massgeblich deren Qualität und Geschmack zu beeinflussen.

Die Zielvorgaben umfassen unter anderem folgende Punkte:

  • Eine Portion Kinderglace soll nicht mehr als 110 kcal, 3 g gesättigte Fettsäuren und 12.5 g zugesetzten Zucker pro 100 g enthalten.
  • Über 90 Prozent aller Glacen sollen maximal 250 kcal pro Portion enthalten.

Laut Vreni Bohl, Portfolio-Managerin bei Delica, betrifft dies in erster Linie altbekannte Sorten, die schon lange auf dem Markt sind und deren Rezeptur bei der Kundschaft beliebt. «Glace ist für viele eine Kindheitserinnerung», so Bohl. An den Rezepturen dieser Klassiker, die noch vor der Einführung der Zucker- und Fettrichtwerte entstanden sind, wolle man deshalb festhalten.

Mehrere blaue Packungen Vanilleeis am Stiel mit Tierillustrationen.
Legende: Der Kult-Rahmlutscher mit Tiermotiven, wie Seehund, Affe oder Bär, wird bei Delica schon seit über 50 Jahren produziert. Die traditionelle Rezeptur erfüllt jedoch mit knapp 6 Gramm gesättigten Fettsäuren nicht die Zielwerte der Branche bei Kinderglace. zvg / delica

Hinzu kommt: Zucker und Fett sind nicht nur Geschmacksverstärker – sie verändern auch die Konsistenz und machen Glace cremiger. Bei Delica setzt man deshalb auch vermehrt auf kleinere Portionen, um den Kaloriengehalt zu reduzieren.

Tüftelei an neuen Rezepturen

Wie aufwendig Veränderungen an Rezepturen sind, zeigt sich auch bei veganer Glace. Anfangs habe pflanzliche Glace oft nach Bohnen geschmeckt, zudem sei die Konsistenz wegen des fehlenden Milchproteins weniger cremig gewesen. «Unterschiedliche Milchalternativen stellen unterschiedliche Herausforderungen», sagt Lea Amato. Inzwischen habe sich die Qualität jedoch deutlich verbessert.

Reihe von Eis am Stiel mit Vanille und weissem Streifen auf Förderband.
Legende: Neben den Klassikern produziert Delica auch vegane oder laktosefreie Glace. Diese machen aktuell rund 2 Prozent des Sortiments aus. SRF / gutj

Egal ob Mini-Cornet, veganes Kokoseis oder doch die Grosspackung Schoggi-Glace. Für diesen Sommer hofft man bei Delica vor allem auf eines: gutes Wetter. Denn davon hängt der Erfolg im Glacegeschäft schlussendlich ab.

Rendez-vous, 26.6.2026, 12:30 Uhr

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