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Album «Fra guerra e pace» Pippo Pollina: «Musik ist überall – das ist unerträglich»

Die Songs auf Pippo Pollinas neustem Album er­zäh­len von Angst, Schmerz und Ver­lust, aber auch von Hoff­nung, Liebe und Mensch­lich­keit. Etwas, das der Musiker mit sizilianischen Wurzeln und Schweizer Pass verkörpert.

Pippo Pollina

Liedermacher

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Pippo Pollina wurde 1963 in Palermo, Sizilien geboren. Er studierte Jura und am Konservatorium klassische Gitarre. In seiner Heimatstadt engagierte er sich früh in der Anti-Mafia-Bewegung. Als 1984 sein Mentor Giuseppe Fava von der Mafia ermordert wurde, verliess Pippo Pollina seine Heimat.

Er bereiste verschiedene Länder und strandete in der Schweiz, wo er sein erstes Geld als Strassenmusiker verdiente. Pollina entwickelte sich zu einem anerkannten Musiker, der zahlreiche Alben veröffentlicht hat und international durch die Welt tourt. Er gilt als einer der kreativsten Künstler der europäischen Singer-Songwriter-Szene. Seine Musik ist geprägt von Melancholie und Lebensfreude, oft mit politischen und sozialen Themen, insbesondere der Mafia, aber auch Liebe, Migration und Heimat. Als Autor hat er seine Biografie «Verse für die Freiheit» und den Kriminalroman «Der Andere» herausgebracht.

Der Liedermacher, Musiker, Sänger und Autor lebt seit vielen Jahren in Zürich. Er ist Vater von zwei erwachsenen Kindern, Julian (Faber) und Madlaina. Sie ist gemeinsam mit Nora Steiner Teil des Singer‑Songwriter-Duos Steiner & Madlaina. Seit 2012 hat Pippo Pollina auch den Schweizer Pass.

SRF: Welche Begegnung hat Ihnen gezeigt, dass Musik auch Freundschaft sein kann?

Pippo Pollina: Die Freundschaft zu Linard Bardill ist der Grund, weshalb ich Mitte der 1980er-Jahre in der Schweiz geblieben bin. Ohne diese Begegnung wäre das wahrscheinlich nicht passiert. Ich wäre weiterhin auf Reisen gegangen.

Porträt von Pippo Pollina und Linard Bardill.
Legende: Pippo Pollina (links) und Linard Bardill sind auch schon oft zusammen auf der Bühne gestanden. Pippo Pollina «Verse für die Freiheit» / Rotpunktverlag

Die Freundschaft mit Linard öffnete mir eine neue kulturelle Welt. Sie veränderte alles und machte mir eine bis dahin unbekannte Arbeitsweise verständlich. Sie war die Grundlage meines Ankommens hier.

Was bedeutet das Reisen für Ihre Musik?

Jede Reise hat ihre Farbe, ihren Geruch und ihren Sound. Jede Reise hat ihre Instrumente, ihre Melodie. Ich versuche, bei jeder Reise immer mindestens ein Musikinstrument aus dem jeweiligen Land mitzunehmen.

Ein Mann sitzt vor einer Häuserruine und spielt Gitarre.
Legende: Pippo Pollina bei Aufnahmen für das Album «Il sole che verrà» in Poggioreale, Sizilien, 2016. Pippo Pollina «Verse für die Freiheit» / Rotpunktverlag

Wenn Sie Ihre Songs in einer anderen Sprache interpretieren müssten, welche wäre es?

Spanisch. Ich liebe diese Sprache. Vor allem klingt Spanisch nach Südamerika. Ich kann relativ gut Spanisch reden – sogar mit argentinischem Akzent, sagen meine Freunde aus Südamerika. Die lateinamerikanische Musik hat mich immer begeistert. Ich bin aufgewachsen mit dieser Musik, deshalb ist sie tief in mir verwurzelt.

Was ist schwieriger: einen Text oder die Melodie für ein Lied zu schreiben?

Es gibt Lieder, bei denen ich mit dem Text anfange und später kommt die Musik dazu – oder umgekehrt. Es gibt auch Lieder, bei denen die Musik und der Text gleichzeitig kommen. Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt keine fixe Methode.

Für meine Karriere wäre es besser gewesen, nach Italien zurückzukehren. Aber ich habe die mutige Entscheidung getroffen, in der Schweiz zu bleiben.

Welches ist der mutigste Schritt in Ihrer Karriere?

2005 habe ich klare Zeichen bekommen: Für meine Karriere wäre es besser gewesen, nach Italien zurückzukehren. Meine Plattenfirma wollte das. Ich hätte einen Aufenthalt von ein paar Jahren in Rom gehabt und meine Kinder hätten dort die Schule besuchen können. Es war alles bereit – und viele Konzerte in Italien geplant. Da habe ich die mutige Entscheidung getroffen, in der Schweiz zu bleiben.

Ich wusste: Wenn ich nach Italien gehe, könnte es sein, dass ich meine tiefe Beziehung zu diesem Land und der Kulturszene verliere. Das wollte ich nicht.

Welche Bedeutung spielt Stille in Ihrem Leben und in Ihrer Musik?

Sie ist ganz wichtig. Ich höre fast keine Musik mehr. Ich halte es nicht aus, dass Musik immer und überall präsent sein muss, egal, wo man hingeht. Beim Coiffeur, in Geschäften oder im Tram läuft Musik. Das ist unerträglich, denn Musik braucht totale Aufmerksamkeit.

Ich habe einmal ein Konzert in Frankreich gegeben, bei dem ein einziger Zuschauer anwesend war.

Deshalb ist mir Stille ganz wichtig geworden. Ich höre auch im Auto keine Musik mehr. Ich will der Musik die richtige Aufmerksamkeit schenken. Wenn ich Lust darauf habe, dann widme ich der Musik meine volle Aufmerksamkeit und nichts anderem.

Wenn Sie ein Konzert für nur eine einzige Person geben müssten. Wer wäre das?

Das habe ich schon gemacht. Ich habe einmal ein Konzert in Frankreich gegeben, bei dem ein einziger Zuschauer anwesend war. Das war in Grenoble, vor 30 oder 35 Jahren, und es war eine ganz besondere Erfahrung. Die Frage war: Spiele ich oder spiele ich nicht? Ich dachte mir dann: Warum sollte ich den Zuschauer bestrafen, der den Weg auf sich genommen hat, um mich zu sehen? Deshalb habe ich gespielt.

Das Gespräch führte Mark Schindler.

Pippo Pollina im Swissmade live

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Pippo Pollina singend auf der Bühne.
Legende: Keystone/Walter Bieri

Pippo Pollina war am Samstag, 10.1.2026 zu Gast bei Marietta Tomaschett in der Sendung «Swissmade live».

Er stellte unter anderem sein neuestes Album «Fra guerra e pace» vor, auf dem er erstmals auch einen Song zusammen mit seinen Kindern Julian (Faber) und Madlaina eingespielt hat.

Radio SRF 1, Swissmade live, 10.01.2026, 14:00 Uhr ; 

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