Die Chefin einer Modeagentur fuhr im Porsche im 600-Seelen-Dorf Lüterkofen im Kanton Solothurn vor – mit dem Ziel, die damals 14-jährige Ronja Furrer in die Modemetropole Paris zu bringen.
Doch statt eines perfekt gestylten Mädchens stand Ronja mit einem selbst geschnitten, rot gefärbten Vokuhila vor ihr. Die Reaktion der Agenturchefin war unmissverständlich: «Wie siehst du denn aus? Wir haben dich ein wenig anders erwartet.»
Grossvater meldet Ronja bei Wettbewerb an
Den entscheidenden Anstoss für ihre Modelkarriere gab Ronja Furrers Grossvater. «Er war Maler und hat immer wieder Fotos von uns gemacht, um sie abzumalen», erinnert sich die 34-Jährige in der Talk-Sendung «Persönlich» auf Radio SRF 1.
Ich wurde ins kalte Wasser geworfen.
Als er auf das Inserat eines Modelwettbewerbs stiess, ergriff er die Chance: Er schickte eines der Fotos ein. Ronja erfuhr erst davon, als sich eine Agentin bei ihr meldete.
Eigentlich wollte die gebürtige Solothurnerin sich eine Lehrstelle im Detailhandel suchen. Auf Drängen der Agentin willigte Ronja doch noch ein: «Wenn ich zurückdenke, habe ich nicht viel überlegt – ich habe es einfach gemacht.»
Im Massenschlag mit zehn fremden Mädchen
Mit gerade einmal 14 Jahren wagte Ronja Furrer den Schritt nach Paris. Dort teilte sie sich ein kleines Modelapartment mit zehn anderen Mädchen – und war auf sich allein gestellt. «Ich wurde ins kalte Wasser geworfen und musste meinen eigenen Weg finden. Du bist eine Einzelkämpferin in diesem Business.»
So lernte Ronja Furrer schnell, sich im harten Modelbusiness zu behaupten. «Als ich nach Paris kam, sagten mir die Leute immer, ich sei zu ‹fest›», erinnert sich Ronja Furrer. Mit der Zeit habe sie gelernt, dass das Teil des Jobs sei und diese Kommentare nicht persönlich gemeint seien.
Eigene Modelagentur gegründet
Inzwischen hat sich der Sprung ins kalte Wasser ausgezahlt: Ronja Furrer steht als Topmodel für internationale Marken vor der Kamera oder auf dem Laufsteg und war bereits auf unzähligen Magazin-Covern zu sehen.
Im Jahr 2020 hat sie gemeinsam mit ihrer Modelkollegin Jenny Bachmann eine eigene Agentur gegründet und sich damit einen Traum erfüllt. Ihr Wunsch ist es, angehende Models besser auf ihrem Weg zu begleiten.
Inzwischen lebt Ronja Furrer in New York, wo sie auch ihren Mann kennenlernte. Das Topmodel und der amerikanische Kreativdirektor Jack Becht heirateten im Sommer 2023. Doch das Paar kommt trotz internationalem Erfolg immer wieder gerne zurück ins solothurnische Lüterkofen.
Ferien und Geburtstage mit ihrer Patchwork-Familie zu verbringen, liegen der gebürtigen Solothurnerin am Herzen. «Weil ich so früh weg bin, habe ich stark den Drang, die Familie zu sehen und sie zusammenzuhalten.»
Schicksalsschlag macht das Topmodel stärker
Hinter dem Glamour und der beeindruckenden Karriere steckt auch eine bewegende Geschichte. Zwei Jahre nachdem Ronja Furrer nach Paris zog, nahm sich ihr Grossvater das Leben. «Es brauchte viel Zeit, um ihm das zu vergeben», sagt sie heute.
Ihr Grossvater sei ein stolzer Mann gewesen: Er wollte niemandem zur Last fallen und verhindern, dass seine Enkelkinder ihn anders in Erinnerung hätten.
In Ronja Furrers Herzen nimmt er einen besonderen Platz ein: War er es doch, der den Anstoss für ihre Karriere als Model gab. Für die Begegnungen, die Reisen und die vielen unvergesslichen Momente sei sie extrem dankbar: «Dank meinem Grosspapi bin ich da, wo ich heute bin.»