Wer nach einem stressigen oder belastenden Tag gezielt zu bestimmten Speisen greift, sucht oft mehr als nur Sättigung. Comfort Food hat laut Ernährungspsychologin Natalie Betz auch eine emotionale Funktion.
Comfort Food versus Lieblingsessen
Ein Lieblingsessen habe man einfach gern und koche und esse es deshalb öfter. Comfort Food sei meist mit Erinnerungen an die Kindheit, die Familie oder besondere Bezugspersonen verbunden.
Beim Comfort Food kommt eine nostalgische Komponente hinzu.
Diese Gerichte oder Lebensmittel vermitteln Vertrautheit und Zugehörigkeit. «Beim Comfort Food kommt eine nostalgische Komponente hinzu.» Ob die Pasta der Grossmutter, ein selbst gebackener Kuchen oder ein traditionelles Familiengericht: Oft gehe es um das Gefühl, das mit dem Essen verbunden sei.
Warum Comfort Food beruhigt
Comfort Food, das viele Kohlenhydrate und Fette enthält, liefert nicht nur Energie. Er kann auch zur Entspannung beitragen. Betz erklärt, dass im Hirn der Parasympathikus angesprochen wird. Dabei werde das Nervensystem in einen ruhigeren Zustand versetzt, was auch der Verdauung zuträglich sei.
Besonders Zucker sorgt kurzfristig für eine Ausschüttung von Glückshormonen. Werden Kohlenhydrate mit Fett und Proteinen kombiniert, steigt der Blutzucker jedoch langsamer an und fällt weniger stark wieder ab. Dadurch hält das Wohlgefühl länger an.
Die Vorlieben verändern sich im Laufe des Lebens, stellt Natalie Betz fest. Während jüngere Menschen häufiger zu süssen Lebensmitteln greifen, bevorzugen ältere Menschen laut der Ernährungspsychologin oft herzhafte Speisen.
Erinnerungen auf dem Teller
Viele Menschen verbinden ihr persönliches Comfort Food mit Familienerlebnissen. «Zwetschgen-Streuselkuchen mit einem Klacks ‹Niidle› gehört für mich zum Seelenfutter. Er erinnert mich an meine liebe Oma, die ihn so fein machte», sagt Sabine Caluori.
Eines von vielen Beispielen, das zeigt, wie eng Essen mit Erinnerungen und Emotionen verknüpft sein kann. Dabei spielen nicht nur Geschmack, sondern auch Konsistenz und Essgewohnheiten eine Rolle.
Manche Menschen bevorzugen Knuspriges, andere weiche oder cremige Speisen. Beides könne helfen, Stress abzubauen, sagt die Ernährungspsychologin.
Wann Trostessen zum Problem wird
Grundsätzlich sei Comfort Food nichts Negatives, betont Natalie Betz. Problematisch werde es erst dann, wenn Menschen regelmässig essen, um unangenehme Gefühle zu bewältigen, oder sie sich nach dem Essen schlecht fühlen.
Essen darf die Funktion von Emotionsregulation haben, aber es ist immer eine Frage des Masses.
Wer Trostessen als einzige Strategie zur Emotionsregulation nutzt, sollte genauer hinschauen. «Essen darf diese Funktion haben, aber es ist immer eine Frage des Masses», meint Betz. Hilfreich könne es sein, die eigentlichen Auslöser wie Stress, Traurigkeit oder Erschöpfung zu erkennen, um alternative Wege zu finden. «Oft sind wir uns gar nicht bewusst, was Essen in einem bestimmten Moment für eine Funktion hat», so Betz.
Dient Essen der Emotionsregulation, sollte man sich fragen, ob man isst, weil man traurig ist oder Stress hat. Bei solchen Emotionen könnten auch ein Gespräch mit einer Freundin, Bewegung oder andere Formen der Entspannung helfen.
Vor dem Griff zum Guetzli hilft ein Einchecken bei sich selbst, sagt Betz. Die Frage «Wie geht es mir jetzt gerade?» diene der Selbstreflexion und sei ein Schlüssel, um herauszufinden, ob man isst, weil man Trost benötigt.