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Die BuchKönig bloggt «Königskinder» begeistert

Die Novelle «Königskinder» von Alex Capus begeistert mich und meine «Königskinder». Wir tauchen ein in die Zeit der Französischen Revolution. Ein Kuhhirte aus Greyerz wird an den Französischen Hof befohlen. Wie es dazu kommt, das erzählt Capus stimmig. Eine wunderschöne und wahre Liebesgeschichte.

Annette König liest ihren Kindern aus Alex Capus «Königskinder» vor. Und sitzt dabei unter einem Baum im Grünen
Legende: Humorvoll, gradlinig, faktenreich Alex Capus bannt mit «Königskinder» alt und jung, Vorleserin und Zuhörer Dafür gibt's vier Kronen. SRF

Wir schreiben das Jahr 1779. Es ist Herbst. Kuhhirte Jakob Boschung, 22, steigt mit den Kühen von seiner Alp herab. Er bringt sie zum reichen Bauern Magnin. Trifft dort auf dessen schöne Tochter Marie-Françoise, 19, aus dem Greyerzerland.

Bewertung: vier Kronen

Bewertung: vier Kronen

Alex Capus schreibt in gesprochener Sprache. Die Gefühlswelten und Standesunterschiede seiner Figuren und der Zeitgeist treten so deutlich hervor.

KAWOOM. Die Liebe schlägt ein. Doch Maries Vater hat gar keine Freude daran. Dieser ärmliche Saukerl soll verschwinden. Er schickt seine Knechte los, ihm eine Abreibung zu verpassen und ihn davonzujagen. Der Plan geht auf. Jakob meldet sich als Söldner für den französischen Kriegsdienst. Viele Jahre wird er seine Marie nicht wiedersehen. Erst als er an den französischen Hof von Ludwig XVI. befohlen wird, scheint dem Liebesglück nichts mehr im Wege zu stehDaumen rauf

  • Vergnüglich. Alex Capus ist ein toller Geschichtenerzähler. Er weiss genau, was zieht und wie dies zu erzählen ist.
  • Wunderschön. Universeller kann eine Liebesgeschichte nicht sein. Da sind zwei Menschen, die sich aus Liebe beharrlich gegen alle Widerstände stellen. Schöööön.
  • Geschichtsträchtig. «Königskinder» handelt von einer bedeutsamen Zeitenwende. Der Absolutismus in Frankreich geht zu Ende. Luftballons steigen in die Luft und symbolisieren Fortschritt und Freiheit. Capus fängt diese spannende Epoche aus der Perspektive eines einfachen Kuhhirten ein. Das ist stimmig. Damit kann ich mich als Schweizerin identifizieren. Zumal auch ich von einem Bauerngeschlecht, den Königs von Wiggiswil, abstamme.
  • Apropos Muhhh: Diese Novelle ist frei von Kuhmief, Kitsch und Pathos. Und wenn etwas davon aufkommen sollte, dann wird das sofort ironisch konterkariert. Indem der Autor seine Geschichte von seinem Alter Ego Max erzählen lässt. Max und seine Frau Tina sitzen im Auto fest, eingeschneit auf dem Jaunpass. Eine lange Nacht müssen sie dort ausharren, bis die Schneeschneuze kommt und den Weg freiräumt. Und in dieser Nacht erzäht Max seiner Tina von Jakob und Marie, die da - gleich oben am Berg - einen Winter lang ihr Liebesnest in einer Melkhütte hatten.
  • Lebendige Geschichte. Jakob Boschung und Marie-Françoise hat es tatsächlich gegeben: «Gemäss den Musterungsrollen im Staatsarchiv des Kantons Freiburg hat sich Jakob Boschung aus Jaun am 8. Oktober 1779 zu acht Jahren Solddienst im Regiment Waldner verpflichtet. In der Folge war er die ganze Zeit in Cherbourg am Ärmelkanal stationiert.» Später hat er seine Marie in der Église Saint-Symphorien de Versailles geheiratet. Patin ihres ersten Kindes war Élisabeth Philippine Marie Hélène de Bourbon, die jüngste Schwester von König Ludwig XVI.

Daumen runter

«Königskinder» ist eine unterhaltsame Lektüre für ein paar vergnügliche Stunden. Danach - puff - ist die Geschichte schon wieder fort aus meinem Kopf. Grund: zu viele Plattitüden.

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«Königskinder» liegt unter einem Baum auf einer Baumwurzel. Ein Glas Milch steht daneben.
Legende: «Königskinder» unbedingt mit einem Glas frischer Milch trinken. Das verstärkt das Melkhirten-Feeling! SRF

Der Autor

Alex Capus, geboren 1961 in der Normandie, lebt in Olten. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten und Reportagen. Meine Lieblingsbücher von ihm sind: «Glaubst Du, dass es Liebe war» und «Munziger Pascha».

Das Buch: Alex Capus: «Königskinder» (2018, Hanser)

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Annette König

Annette König

SRF Literatur Redaktorin & Bloggerin

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Die Germanistin teilt in ihrem Blog «Die BuchKönig» ihre Lese-Leidenschaft mit allen, die Bücher lieben. Nebenwirkungen wie Herzklopfen, Melancholie, Heiterkeit, Verzauberung, Unbehagen und Anzeichen schwerer (Sprach)Verliebtheit sind nicht ausgeschlossen.

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