Eine kleine Grünfläche mit Blumen, eine brennende Kerze und dahinter ein imposanter Grabstein. Für ein solches Grab entscheiden sich in der Schweiz immer weniger Leute. Rund 60 Prozent wählen ein Gemeinschaftsgrab ohne Grabstein, schätzt Adrian Hauser, Bestatter im luzernischen Willisau und Vizepräsident vom Schweizerischen Verband für Bestattungsdienste. Stirbt der Grabstein aus? «In den letzten zehn bis zwanzig Jahren ist die Anzahl an Grabsteine stark zurückgegangen», sagt Hauser.
Angehörige wohnen heute oft weiter weg und können das Grab nicht regelmässig pflegen.
Gemäss dem Bestatter hätten viele Leute gerne ein Einzelgrab mit Grabstein, nur fehlt ihnen die Zeit das Grab zu pflegen. Im Sommer beispielsweise müsse man sich fast täglich um die Pflanzen am Grab kümmern. «Angehörige wohnen heute oft weiter weg und können das Grab nicht regelmässig pflegen», sagt Hauser. Dazu kommen die Kosten. Ein Einzelgrab ist, verglichen mit anderen Optionen, wie dem Gemeinschaftsgrab, ein teures Grab.
Beim Thema Grabsteine scheiden sich die Geister. Auf der SRF1-Facebookseite argumentiert eine Nutzerin, dass sie nach ihrem Tod niemandem zumuten möchte, sich um ihr Grab kümmern zu müssen. Sie möchte lieber ein Gemeinschaftsgrab, als ein vernachlässigtes Einzelgrab. Eine andere Nutzerin hingegen würde es bedauern, wenn es keine Grabsteine mehr geben würde. Grabsteine gehören zu unserer Kultur, findet sie. Ein Grabstein sei ein Denkmal.
Da es immer weniger Grabsteine gibt, werden die Grünflächen auf den Friedhöfen immer grösser. «Dort, wo es früher reihenweise Grabsteine hatte, sind nun riesige, freie Wiesen», sagt Bestatter Adrian Hauser. Friedhöfe würden immer mehr zu Begegnungszonen: «Die Grenzen von Friedhof und Park verschwimmen.»
Wildbienenhotel als Grabmal
Auch in der Stadt Zürich haben sich in den letzten zwanzig Jahren immer weniger Leute für ein Grab mit Grabstein entschieden, sagt Meret Tobler. Sie ist Kunsthistorikerin und leitet die Fachstelle Grabmalkultur der Stadt Zürich. Sie bewilligt etwa 700 bis 800 Grabsteingesuche pro Jahr - auch ungewöhnliche. «Letztens habe ich die Anfrage bekommen, statt eines Grabsteins ein Wildbienenhotel auf dem Friedhof aufzustellen», sagt Tobler.
Man kann seine Urne zum Beispiel unter einem Birnbaum begraben lassen.
Meret Tobler glaubt nicht, dass der Grabstein aussterben wird, sondern, dass es neue Formen geben wird. «Ich hoffe, dass wir wegkommen von Reihengräbern und freiere Grabanlagen zulassen», sagt sie. Bereits heute gebe es kreative Ansätze, wie Themenmietgräber. «Man kann seine Urne zum Beispiel unter einem Birnbaum begraben lassen», sagt Tobler. Um den Baum herum liegen Platten, graviert mit den Namen der Verstorbenen. Denkbar seien auch Grabmäler, wo sich eine Gruppe selbst zusammenschliesst, wie ein Fussballverein oder eine Wohngemeinschaft.