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Aus Forum vom 19.11.2020.
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Coronavirus Die harte Triage unbedingt vermeiden

Zwar gehen die Neuansteckungen langsam zurück, aber die Spitäler sind noch nicht aus dem Schneider. Dort steigen die Zahlen der Patienten, die zum Teil schwer an Covid 19 erkrankt sind. Etwas will man mit allen Mitteln in diesen Tagen verhindern: Die harte Triage.

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Die Verlangsamung der Neuansteckungen ist in diesen Tagen schon eine gute Nachricht. Am «Point de Presse» diesen Dienstag mit den Corona-Experten des Bundes wurde aber auch klar, dass sich die Spitäler weiter füllen.

Spitaleintritte hinken immer ein bis vier Wochen hinter den Neuansteckungen her. Eine mögliche Trendwende könne man erst in vier, fünf Wochen ablesen. «Es braucht Geduld», sagte Virginie Masserey vom BAG, denn «die Lage ist nach wie vor besorgniserregend.»

Die harte Triage – so weit darf es nicht kommen

Triage ist französisch und kommt von trier. Das bedeutet aussortieren, auslesen. Die Triage wird dann gemacht, wenn Ressourcen und Platz knapp werden. In der aktuellen Corona-Situation geht es um die Frage, was tun wir, wenn wir zu wenig Betten auf der Intensivstation haben? Wer kriegt das letzte Bett? Hart gesagt: Wo lohnt es sich, medizinisch zu investieren?

Auf der Intensivstation des La Carita-Spitals in Locarno wird ein Patient mittels Intubation beatmet.
Legende: Auf der Intensivstation des La Carita-Spitals in Locarno wird ein Patient mittels Intubation beatmet. Keystone

Dazu hat die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften Richtlinien verfasst (Zum Dokument, Link öffnet in einem neuen Fenster), als Entscheidungshilfe. Wichtiger Punkt: Je älter und gebrechlicher ein Patient ist, desto weniger Chancen hat er auf einen Platz auf der Intensivmedizin. Wenn es denn hart auf hart ginge.

Die stille Triage ist im Gange

Den Medizinethikern macht aber im Moment noch etwas anderes Sorge: Die stille Triage. Ist sie schon wieder im Gange? Im Frühjahr erhielten Pflegeheime in diversen Kantonen Post von den kantonalen Behörden. Man solle Covid-Patienten nicht ins Spital überweisen. Das System müsse geschont werden.

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Diese stille Triage hat dazu geführt, dass rund 50 Prozent aller Coronatoten im Pflegeheim zu finden waren. In der jetzigen zweiten Welle muss man differenzierter vorgehen, sind sich alle einig. Schliesst man automatisch jemanden von der medizinischen Betreuung aus, wäre das ethisch nicht vertretbar.

Die Selbst-Triage

Alte Menschen sagen ihren Angehörigen aber oft auch, sie möchten auf aufwändige medizinische Hilfe verzichten. Die Nachfrage nach Patientenverfügungen, welche die letzten Wochen vor dem Ableben regeln helfen, steigt.

Betreuung von Covid-19-Patienten im Universitätsspital Genf.
Legende: Betreuung von Covid-19-Patienten im Universitätsspital Genf. Keystone

Es gibt aber auch die anderen die sagen, ich bin lebensfroh und gesundheitlich einigermass im Schuss, und möchte gerne weiterleben, mein Leben ist schön. Wieso sollte ich mich gegen eine Intensivbetreuung im Spital entscheiden? Andere wiederum fühlen sich im Spital besser medizinisch versorgt als im Pflegeheim, dritte wiederum sprechen von Altersdiskriminierung.

Diskussion im «Forum»

Wer soll in Coronazeiten teure medizinische Hilfe erhalten, wenn es zu Engpässen kommt? Gäste und Hörerinnen und Hörer diskutierten im «Forum» auf Radio SRF 1 über heikle ethische Fragen im Umgang mit Krankheit und Tod im Zusammenhang mit Corona und berichteten aus ihrem Alltag im Spital und im Heim.

Die Gäste im «Forum» waren:

  • Bianca Schaffert, Pflegeexpertin Medizin und Notfall Spital Limmattal, Präsidentin Ethikkommission SBK (Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner) und Vizepräsidentin der Zentralen Ethikkommission (ZEK) der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW.
  • Miodrag Filipovic, ärztlicher Leiter der chirurgischen Intensivstation und stellvertretender Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Rettungs- und Schmerzmedizin des Kantonsspitals St. Gallen.

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Radio SRF 1, Sendung «Forum», 19.11.2020, 20.03 Uhr

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Dani Aeppli  (Dani Aeppli)
    Die SAMW hat ja die Richtlinien festgelegt. Wenn die harte Triage kommt, dann kommt sie. Meine Eltern (Ü70) haben sich bereits entschieden, dass sie jüngeren Menschen nicht den Platz wegnehmen wollen. Und ich finde das auch richtig. Warum sollen wir Menschen durch einen Intensivplatz eventuell noch 5 Lebensjahre schenken, wenn es Leute gibt die unter normalen Umständen noch 30 Jahre und mehr vor sich haben. Meine Richtlinien wären: dem Alter nach (Ausnahmen: Eltern mit Kindern unter 15 Jahren).
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  • Kommentar von Matthias Mauerhofer  (Matthias Mauerhofer)
    Die Corona - Krise bringt die Wahrheit immer deutlicher ans Licht!
    Kinder, welche nicht geplant, oder vielleicht sogar behindert sein könnten,... sind unerwünscht und so hat sich Gott entschieden die Kinder in dieser Corona-Krise zu schützen! Ich freue mich!
    Nun stehen wir in Gefahr bei den älteren Menschen auch entscheiden zu wollen, was lebenswert ist!
    Oh, ich wünsche euch älteren Leuten, dass Gott Sie in dieser Zeit schützt und bewahrt! Suchen Sie seine Nähe im Gebet!
    Bhüet euch Gott
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  • Kommentar von Nico Stäger  (Nico Stäger)
    Wer gegen die Corona-Massnahmen ist, kriegt im Fall einer Erkrankung kein IPS-Platz.
    Wer Auto fährt, kriegt bei einem Autounfall kein IPS-Platz.
    Wer raucht, kriegt bei eine Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankung keine Behandlung.
    Wer säuft und jemanden schlägt, kriegt keine Therapie und Behandlung.
    Wer Gleitschirm fliegt und abstürzt darf nicht in den Spital.
    ... aber Krankenkasse und Steuern sollen sie alle schön bezahlen. Schöne neue Normalität. Gratulation liebe Mitmenschen.
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