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Agrarinitiativen - gehen sie zu weit oder sind sie angemessen?
Aus Forum vom 20.05.2021.
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Volksabstimmung vom 13. Juni Agrarinitiativen – zu extrem oder genau richtig?

Die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative spalten Parteien und Bauern. Gehen die Initiativen zu weit oder sind sie angemessen?

Am 13. Juni 2021 stimmt die Schweiz über zwei Agrarvorlagen ab: Die Initiative «für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» und die Initiative «für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide». Mit der Trinkwasser- und der Pestizidinitiative wollen zwei Bürgergruppen erreichen, dass die Produktion von Nahrungsmitteln der Umwelt weniger schadet. Ansetzen wollen beide bei den Pflanzenschutzmitteln.

Das wollen die zwei Agrarinitiativen

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Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass nur noch jene Bäuerinnen und Bauern Subventionen erhalten, die auf Pestizide, vorbeugend oder systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten. Auch die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung soll nur unter diesen Bedingungen Geld vom Bund erhalten.

Die Pestizid-Initiative verlangt ein Verbot synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft. Verboten werden soll auch der Import von Lebensmitteln, die mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln hergestellt wurden oder die solche enthalten.

«Sauberes Trinkwasser ist ein Grundrecht»

Im Sommer 2019 sorgte ein Bericht des Bundesamts für Umwelt (Bafu) für Aufsehen. Er zeigte: Mehr als eine Million Schweizer trinkt Wasser aus «gefährdeten» Quellen. Das Grundwasser ist laut dem Bericht «nachhaltig und verbreitet» mit Dünger und Pestiziden belastet, die «mehrheitlich aus der Landwirtschaft stammen».

Derzeit zerstören wir mit Steuergeldern unsere Biodiversität.
Autor: Franziska HerrenInitiantin Trinkwasserinitiative

Genau das empört die Initianten der Trinkwasserinitiative: «Derzeit zerstören wir mit Steuergeldern unsere Biodiversität», sagt Initiantin Franziska Herren. Der grosse Pestizideinsatz, zu viel Antibiotika in der Tierhaltung und zu viel Gülle auf den Feldern gefährde unser Trinkwasser sowie Umwelt, Tiere und Pflanzen. Die Befürworter der Vorlage finden es stossend, dass diese Gesundheitsrisiken und Umweltschäden via Subventionen mit Milliarden Steuergeldern finanziert werden.

Die Initiative verlangt deshalb, dass nur noch jene Bäuerinnen und Bauern Subventionen erhalten, die auf den Einsatz von Pestiziden, systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten.

Im Seewasserwerk Lengg in Zürich werden pro Tag rund 250'000 Kubikmeter Trinkwasser aufbereitet.
Legende: Im Seewasserwerk Lengg in Zürich werden pro Tag rund 250'000 Kubikmeter Trinkwasser aufbereitet. Das Wasser läuft durch Sand und Aktivkohlefilter und wird mit Ozon behandelt. Keystone

«Trinkwasser ist gut geschützt und trinkbar»

Für die Gegner geht die Initiative viel zu weit und ist gar kontraproduktiv. Sie habe zur Folge, dass weniger Lebensmittel im Inland produziert und mehr aus dem Ausland importiert würden. Dies würde zu negativen Folgen für die Umwelt in den betroffenen Ländern führen. Deshalb falle die Ökobilanz der Initiative unter dem Strich negativ aus, so der Bauernverband.

Unter dem Strich fällt die Ökobilanz der Trinkwasserinitiative negativ aus.
Autor: Bauernverband

Die Initiativ-Gegner betonen, das Trinkwasser in der Schweiz könne man «bedenkenlos» trinken. Zudem sei kürzlich eine Gesetzesänderung ausgearbeitet worden, die den Anliegen der Initianten Rechnung tragen.

Pestizidinitiative: Verbot von synthetischen Pestiziden

Die Initiative «für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» hat ein ähnliches Ziel, wählt aber einen anderen Weg. Sie will den Einsatz von synthetischen Pestiziden verbieten, und zwar im Inland wie auch für importierte Produkte.

Gemäss Befürwortern vergiften jedes Jahr 2’000 Tonnen Pestizide unser Grund- und Trinkwasser. Seit 20 Jahren verteilten sich diese Stoffe überall - auch in unserem Körper und jenem unserer Kinder. Dies schade der Gesundheit, der Biodiversität und zerstöre die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig, so die Initianten.

«Kein politisch erwirktes Bioland»

Die Pestizidinitiative wolle die Schweiz bei Lebensmitteln «zum politisch erwirkten Bioland» machen, kritisiert hingegen der Bauernverband. Viele Produkte würden aus dem Sortiment verschwinden, die im Ausland nicht nach Biostandards hergestellt werden. Bereits heute habe der Bund strenge Regeln für die Verwendung von Pestiziden, sagen die Gegner der Initiative.

Gäste in der Sendung «Forum» auf Radio SRF 1:

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  • Priska Wismer-Felder, Bäuerin und Nationalrätin, «Die Mitte» Luzern
  • Regina Fuhrer-Wyss, Bio-Bäuerin und Grossrätin, SP Kanton Bern

Radio SRF 1, Sendung «Forum», 20.5.2021, 20 Uhr

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Judith Haug  (JIrma)
    Ich finde diese Initiativen völlig einseitig gegen die Landwirtschaft ausgerichtet. Es gibt viele andere Dinge die unsere Gewässer um einiges Mehr belasten, zum Beispiel : Hormone, Medikamente, Reinigungsmittel, Gummiabrieb, Sonnencreme,Antibrumm....
    Freundliche Grüsse
    Judith Haug
  • Kommentar von Judith Haug  (JIrma)
    Was bedeutet denn das für Leute die nicht Bauern sind und zum Beispiel ein paar Pferde halten? Müssen diese dann die Pferde mit Heu aus dem eigenen Garten ernähren? Müsste dann eigentlich so sein, sonst wäre es nicht fair.
    Freundliche Grüsse
    Judith Haug
  • Kommentar von Manuela Bürki  (Manuelabürki)
    Die Studie des Agroscopes ist zum Schluss gekommen, dass die Umweltbelastung im Ausland steigen würde. Wenn wir mehr Nahrungsmittel aus dem Ausland importieren, ist der/die Schweizer/in wahrscheinlich nicht gesünder, als ohne die Initiativen, da er die Pestizide einfach statt aus dem Wasser aus der Nahrung aufnehmen würde. Ausserdem frage ich mich, ob es nicht heuchlerisch ist, das Ausland mehr zu belasten, nur damit die Schweiz von sich sagen kann, dass sie keine Pestizide verwendet.