Wenn Andy Fitze zu einer seiner waghalsigen Expeditionen mit dem Segelschiff aufbricht, ist nichts dem Zufall überlassen. Der 58-jährige Familienvater und Unternehmer bereitet sich akribisch auf seine Abenteuer vor.
Auf der Einkaufsliste seiner nächsten Tour, stehen unter anderem 500 Eier, die auch bei hohem Wellengang nicht zerbrechen dürfen. Von den 3500 Kalorien, die jedes Crewmitglied täglich verbrennt, sind allein 800 Kalorien fürs Nichtstun. Der Körper brauche sie nur, um sich auf dem Schiff im Gleichgewicht zu halten, sagt Andy Fitze.
In dem Moment, in dem er als Skipper an Bord geht, muss der Kopf frei sein. Alles, was war, muss Fitze auf die Seite legen, um für die Crew, das Schiff und die Expedition da zu sein. «Ich habe keine Zeit mehr für etwas, das vorher noch in meinem Leben war», so Fitze.
Auf sich allein gestellt
Wenn das Segelschiff zum ersten Mal ablegt und die Küste aus den Augen verschwindet, weiss Fitze: «Jetzt gibt es keinen Hafen mehr, keine Infrastruktur, und niemand, der einem helfen kann.» Es ist der Moment, in dem er und die Crew völlig auf sich gestellt sind. Dann beginnt für Fitze das Entdecken. Trotz penibler Vorbereitung: Die Risiken bleiben.
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Bild 1 von 9. Das offene Wikingerboot aus Holz hat keinerlei Komfort. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild Saeny Blaser.
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Bild 2 von 9. Die Crew hat Überlebensanzüge dabei. An Land sind sie relativ rasch angezogen. Auf dem offenen Meer hingegen dauert das Anziehen rund 20 Minuten. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild: Saeny Blaser.
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Bild 3 von 9. Mit diesem Segelschiff waren Andy Fitze und seine Crew in der Arktis unterwegs. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild: Kevin Derungs.
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Bild 4 von 9. Svalbard ist eine kalte, abgelegene Inselgruppe in der Arktis und gehört zu Norwegen. Sie ist bekannt für ihre extreme Natur, wenig Einwohner und – Eisbären. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Foto: Saeny Blaser.
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Bild 5 von 9. Zum Schutz vor den Raubtieren ist die Mannschaft mit Gewehren und Pistolen ausgestattet. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild: Kevin Derungs.
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Bild 6 von 9. Selbst im Sommer braucht es warme Kleidung. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild Andrea Kummer.
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Bild 7 von 9. Eindrucksvolle Landschaften auf der Svalbard-Expedition. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild: Kevin Derungs.
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Bild 8 von 9. Die Arktis aus der Vogelperspektive. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild: Kevin Derungs.
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Bild 9 von 9. Das Segelschiff muss auch für die nächste Expedition eistauglich sein. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild: Kevin Derungs.
Von Monsterwelle überrascht
Auf seiner letzten Expedition, im Sommer 2024, machte Andy Fitze Bekanntschaft mit dem Tod. Vor der norwegischen Küste geriet die sechsköpfige Crew mit einem Wikingerschiff in einen verheerenden Sturm.
Das Boot wurde von einer sogenannten Freak-Wave erfasst: einer Welle, die 15 Meter hoch in den Himmel wachsen kann. Genau so eine sei hinter der Mannschaft entstanden. Das ganze Boot habe einen Salto gemacht, und alle seien darin befestigt gewesen. «Wir mussten uns innert Sekunden lösen. Es war dunkel und wild.» Die 29-jährige Karla aus Amerika sei da nicht mehr herausgekommen.
Bei tosendem Wellengang habe er versucht, Karla zu befreien und wiederzubeleben. Unter diesen Umständen ein Ding der Unmöglichkeit. Als verantwortlicher Kapitän plagten ihn Schuldgefühle. Doch die Unterstützung von Karlas Familie und das Verständnis der Fischer auf den Färöer-Inseln, halfen Andy Fitze, das Erlebte zu verarbeiten. Die Staatsanwaltschaft vor Ort deklarierte das Ereignis rasch als Unfall.
Ein Boot für die Jugend der Färöer
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Bild 1 von 4. Die Expedition mit dem Wikingerschiff hatte eine besondere Bedeutung für die Färöer-Inseln. Ein Jahr zuvor traf Andy Fitze per Zufall einen alten Mann, der das Holzschiff 25 Jahre zuvor letztmals gesegelt hat. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild: Saeny Blaser.
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Bild 2 von 4. Andy Fitze initiierte das Projekt, um das historische Boot zu erhalten und die Jugend der Inseln dafür zu begeistern. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild: Saeny Blaser.
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Bild 3 von 4. 550 Kinder und Jugendliche kamen zusammen, um die viertägige Expedition über einen Live-Tracker zu verfolgen. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild: Saeny Blaser.
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Bild 4 von 4. Als die Nachricht vom Unfall die Inseln erreichte, herrschte tiefe Bestürzung. Das norwegische Staatsfernsehen unterbrach sein Programm für eine Live-Übertragung. Die Schulen auf den Färöer-Inseln setzten die Flaggen auf Halbmast. Bildquelle: zVg Andy Fitze, Bild Saeny Blaser.
Die Fischerfamilien auf den Färöer-Inseln verlieren oft Angehörige auf dem Meer. Ihre Anteilnahme war entsprechend gross. Kaum ein Fischer lernt schwimmen, weil das den Tod verlangsamen würde, erklärt Fitze. «Sie verstehen, dass man jemanden verliert, aber nicht, dass man die Person zurückbringt.»
Der Entdeckergeist als Antrieb
Was treibt einen Menschen an, solche extremen Situationen immer wieder aufzusuchen? Für Fitze ist es der Entdeckergeist. Er will nicht nur die Natur, sondern auch sich selbst immer wieder neu entdecken. «Sachen machen, bei denen andere sagen, das geht doch nicht», reizen ihn besonders.
Sein unbändiger Drang, Grenzen zu überschreiten, brachte ihm die Aufnahme in den exklusiven «The Explorers Club» von New York ein, dem weltweit nur rund 2500 Menschen angehören, darunter auch Astronauten. Er dürfe in diesem Klub zusammen mit Bertrand Piccard und ein, zwei anderen die Schweiz vertreten.
Am 27. Juli um 16 Uhr heisst es für Andy Fitze und seine Crew erneut «Leinen los» für ein weiteres Abenteuer in unbekannten Gefilden.