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Gefährliches Hobby Abenteurer Andy Fitze: Ein Mann, der das Unmögliche sucht

Er hat den Tod gesehen und macht trotzdem weiter: Porträt eines Mannes, der dorthin geht, wo sich kaum jemand hintraut. Demnächst segelt er in die Arktis – mit 500 Eiern an Bord.

Wenn Andy Fitze zu einer seiner waghalsigen Expeditionen mit dem Segelschiff aufbricht, ist nichts dem Zufall überlassen. Der 58-jährige Familienvater und Unternehmer bereitet sich akribisch auf seine Abenteuer vor.

Auf der Einkaufsliste seiner nächsten Tour, stehen unter anderem 500 Eier, die auch bei hohem Wellengang nicht zerbrechen dürfen. Von den 3500 Kalorien, die jedes Crewmitglied täglich verbrennt, sind allein 800 Kalorien fürs Nichtstun. Der Körper brauche sie nur, um sich auf dem Schiff im Gleichgewicht zu halten, sagt Andy Fitze.

In dem Moment, in dem er als Skipper an Bord geht, muss der Kopf frei sein. Alles, was war, muss Fitze auf die Seite legen, um für die Crew, das Schiff und die Expedition da zu sein. «Ich habe keine Zeit mehr für etwas, das vorher noch in meinem Leben war», so Fitze.

Auf sich allein gestellt

Wenn das Segelschiff zum ersten Mal ablegt und die Küste aus den Augen verschwindet, weiss Fitze: «Jetzt gibt es keinen Hafen mehr, keine Infrastruktur, und niemand, der einem helfen kann.» Es ist der Moment, in dem er und die Crew völlig auf sich gestellt sind. Dann beginnt für Fitze das Entdecken. Trotz penibler Vorbereitung: Die Risiken bleiben.

Von Monsterwelle überrascht

Auf seiner letzten Expedition, im Sommer 2024, machte Andy Fitze Bekanntschaft mit dem Tod. Vor der norwegischen Küste geriet die sechsköpfige Crew mit einem Wikingerschiff in einen verheerenden Sturm.

Das Boot wurde von einer sogenannten Freak-Wave erfasst: einer Welle, die 15 Meter hoch in den Himmel wachsen kann. Genau so eine sei hinter der Mannschaft entstanden. Das ganze Boot habe einen Salto gemacht, und alle seien darin befestigt gewesen. «Wir mussten uns innert Sekunden lösen. Es war dunkel und wild.» Die 29-jährige Karla aus Amerika sei da nicht mehr herausgekommen.

Bei tosendem Wellengang habe er versucht, Karla zu befreien und wiederzubeleben. Unter diesen Umständen ein Ding der Unmöglichkeit. Als verantwortlicher Kapitän plagten ihn Schuldgefühle. Doch die Unterstützung von Karlas Familie und das Verständnis der Fischer auf den Färöer-Inseln, halfen Andy Fitze, das Erlebte zu verarbeiten. Die Staatsanwaltschaft vor Ort deklarierte das Ereignis rasch als Unfall.

Ein Boot für die Jugend der Färöer

Die Fischerfamilien auf den Färöer-Inseln verlieren oft Angehörige auf dem Meer. Ihre Anteilnahme war entsprechend gross. Kaum ein Fischer lernt schwimmen, weil das den Tod verlangsamen würde, erklärt Fitze. «Sie verstehen, dass man jemanden verliert, aber nicht, dass man die Person zurückbringt.»

Der Entdeckergeist als Antrieb

Was treibt einen Menschen an, solche extremen Situationen immer wieder aufzusuchen? Für Fitze ist es der Entdeckergeist. Er will nicht nur die Natur, sondern auch sich selbst immer wieder neu entdecken. «Sachen machen, bei denen andere sagen, das geht doch nicht», reizen ihn besonders.

Vom Mathematik-Nerd zum KI-Unternehmer

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Collage aus vier Passfotos eines Jungen auf Ausweisdokumenten.
Legende: Andy Fitzes Identitätskarte (links) und der Pfadiausweis. In der Pfadi hiess er Globi. ZvG Andy Fitze

Andy Fitze (58) ist als Jüngster von fünf Geschwistern in Chur GR aufgewachsen. Den Grundstein für sein Leben legte er mit 11 Jahren: Pfeiffersches Drüsenfieber, viel Zeit zu Hause – und ein alter Commodore daheim.

Fitze begann zu programmieren. Erst den Belegungsplan für das Kolonialhaus, das seine Mutter betrieb, bald darauf erste neuronale Netzwerke. Rückblickend weiss Fitze: Das war die Grundlage der Künstlichen Intelligenz (KI).

Heute ist Andy Fitze international tätiger KI-Unternehmer, strategischer Berater und Redner zu den Themen KI, Leadership und digitale Transformation.

Sein unbändiger Drang, Grenzen zu überschreiten, brachte ihm die Aufnahme in den exklusiven «The Explorers Club» von New York ein, dem weltweit nur rund 2500 Menschen angehören, darunter auch Astronauten. Er dürfe in diesem Klub zusammen mit Bertrand Piccard und ein, zwei anderen die Schweiz vertreten.

Andy Fitzes nächste Expedition

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Die Route führt von Mittelnorwegen über die Lofoten auf die sehr abgelegene und raue Insel Jan Mayen. Auf ihr liegt der Vulkan Beerenberg, einer der nördlichsten aktiven Vulkane der Welt.

Dort steht eine anstrengende Gletscherexpedition über 2200 Höhenmeter an. Weiter geht es zum Nordostgrönland-Nationalpark, dem grössten der Welt. Seine Fläche entspricht ungefähr der Grösse von Spanien und Frankreich zusammen. Dauerhaft lebt dort niemand. Von dort aus geht die Reise über Island zurück zu den Färöern, wo sich der Kreis für Andy Fitze wieder schliesst.

Am 27. Juli um 16 Uhr heisst es für Andy Fitze und seine Crew erneut «Leinen los» für ein weiteres Abenteuer in unbekannten Gefilden.

Radio SRF 1, 07.06.2026, 10:00 Uhr

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