Für Martin Bütikofer war Mobilität nie Mittel zum Zweck, sondern die treibende Kraft seines Lebens. 16 Jahre lang war er Direktor des Verkehrshauses in Luzern und hat es zu einem der erfolgreichsten Museen des Landes gemacht. Ende Februar ging Bütikofer in Pension.
Zur Feier seiner Pensionierung hat sich der 64-Jährige einen besonderen Traum erfüllt: Er überquerte den Atlantik mit dem Schiff von den USA nach Europa. «Ich wollte diese Distanz spüren und zur Ruhe kommen», sagt Bütikofer.
Fast neben dem Verkehrshaus aufgewachsen
Seine Faszination für Verkehrsmittel begleitet den Luzerner seit seiner Kindheit. Sein Grossvater, ein Lokführer am Brünig, und eine Märklin-Modelleisenbahn weckten früh sein Interesse an Zügen.
Bei Westwind hörte ich die Durchsagen im Verkehrshaus bis in mein Kinderzimmer.
Auch seine Eltern prägten ihn: «Ich wuchs ohne Auto auf und habe schon früh gelernt, immer den ÖV zu nutzen.» Selbst in den Winterferien reiste die fünfköpfige Familie samt Skiausrüstung mit dem Postauto ins Wallis.
Mit sieben Jahren erhielt Bütikofer eine Mitgliedskarte fürs Verkehrshaus. Von da an ist das Museum nicht mehr aus dem Alltag des jungen Luzerners wegzudenken: «Bei Westwind hörte ich die Durchsagen bis in mein Kinderzimmer. Dann stieg ich jeweils aufs Velo und radelte ins Verkehrshaus.»
Aus Bütikofer «könnte mal etwas werden»
Das Verkehrshaus der Schweiz blieb auch während Martin Bütikofers Jugend präsent: Sein erstes Geld verdiente er im Bistro des Museums. Bütikofer füllte Flaschen auf und richtete Tortenstücke an.
Sein damaliger Chef erkannte das Potenzial des jungen Zugfans. «Er sagte, wenn ich so weitermache, dann könnte aus mir mal etwas werden.»
Der Chef sollte recht behalten. Bütikofer blieb dran, studierte Elektro- und Wirtschaftsingenieurwesen und arbeitete später für den Kanton Zug, die Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee und die SBB. 2010 kehrte er an den vertrauten Ort zurück – als Direktor des Verkehrshauses der Schweiz.
Unter Bütikofers Leitung entwickelte sich das einst klassische Museum zu einem beliebten Erlebnisort. Das Verkehrshaus ist heute das meistbesuchte Museum der Schweiz.
Bütikofer betont, dass das Verkehrshaus von Mitarbeitenden lebe, die für ein Thema brennen: «Ihnen die Chance geben, sich zu entwickeln – ich glaube, das war wichtig.»
Wie aber gelang es Bütikofer, unzählige Menschen für das Verkehrshaus zu begeistern? «Indem man Emotionen schafft», sagt er. «Der Schlüssel ist, dass wir Geschichten erzählen.»
Der Pensionär will im Schlauchboot auf Walsuche
Seit seiner Pensionierung verfolgt Bütikofer das Geschehen im Verkehrshaus nur noch als Beobachter. Dafür kann er sich einer zweiten Leidenschaft, der Fotografie, widmen. «Die Fotografie ist ja nur der Versuch, einen Moment festzuhalten. Aber das Kapital sind die Bilder im Kopf und der Weg dahin.»
Am liebsten hätte der Luzerner mal einen Grauwal vor der Linse. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, möchte Bütikofer zwei Wochen auf die Azoren reisen.
Auch dieser Traum hängt – wie könnte es anders sein – eng mit Mobilität zusammen. «Mich fasziniert der Weg dahin», so Bütikofer. «Ich lese etwas, organisiere die Reise dorthin und spreche mit lokalen Leuten, um mit ihnen aufs Meer hinauszufahren.» Und so begleitet ihn seine Begeisterung für fahrende Untersätze auch in seiner Pension, wenn er im Schlauchboot in den Atlantik hinaus tuckert.