Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Internationaler Tag der Witwen Laeri: «Ohne meine Kinder wäre ich vollkommen abgestürzt»

Die Liebe des Lebens verlieren – ein schwerer Schicksalsschlag. Neben Trauer und Schmerz bringt der Verlust des Ehemanns auch finanzielle Herausforderungen mit sich. Zum internationalen Tag der Witwen spricht Patrizia Laeri über ihr Leben als Witwe und gibt ihre Expertise als Finanzberaterin für Frauen weiter.

Patrizia Laeri

Wirtschaftsredaktorin und CEO von ellexx

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Patrizia Laeri ist seit über zwei Jahren verwitwet und Mutter von zwei Teenagersöhnen.
Die erfahrene Wirtschaftsredaktorin und ehemalige SRF-Moderatorin ist seit 2021 Inhaberin und CEO der Finanzplattform ellexx. Mit ihrem Unternehmen unterstützt Laeri insbesondere Frauen in Finanzfragen – und auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit.

SRF: Sie sagten, seit dem Tod Ihres Ehemanns leben Sie in einer Art Parallelwelt. Wie sieht diese aus?

Patrizia Laeri: Gerade wenn man Kinder hat, probiert man einfach zu funktionieren. Die Kinder wollen einen stark sehen und beobachten einen ganz genau. Trotzdem trauert man auch innerlich. Diese Trauer geht nicht einfach vorbei. Man lernt, besser damit umzugehen – aber die Trauer bleibt.

Wie haben Sie das geschafft?

Eltern wachsen oft extrem über sich hinaus. Ich weiss über mich, dass ich ohne meine Kinder vollkommen abgestürzt wäre.

Alleine geht es gar nicht.

Was hat Ihnen zusätzlich Kraft gegeben?

Das Umfeld, Freundinnen und die Frauennetzwerke, die für mich da waren und auch mit den Kindern halfen. Alleine geht es gar nicht. Meine Eltern konnte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht beanspruchen.

Mit Kindern ist Verheiratetsein im heutigen System immer noch die beste Absicherung.

Dieses Netzwerk mit anderen Müttern und auch meine Firma, bei der ich sinnstiftend weiterarbeiten konnte, halfen mir. Arbeiten hilft sehr beim Bewältigen von Traumata.

Neben der emotionalen Belastung kann auch die finanzielle Situation belasten. Sie unterstützen beruflich Frauen in Finanzfragen, darunter auch Witwen. In welchen schwierigen finanziellen Situationen befinden sich diese oft?

Gemeinschaftskonten können gesperrt werden. Es kann lange dauern, bis der Nachlass geregelt ist. Bei mir dauerte es über zwei Jahre. In dieser Zeit hat man keinen Zugriff auf die gemeinsamen Konten.

Es ist wichtig, über den schlimmsten Fall nachzudenken.

Auch die Lohnfortzahlung kann stocken. Witwen sind auf diese Zahlungen oft stark angewiesen, zumal Männer nach wie vor häufig mehr arbeiten und mehr verdienen. Besonders wenn man nicht verheiratet ist, können solche Situationen schnell bedrohlich werden. Mit Kindern ist die Heirat im heutigen System immer noch die beste Absicherung.

Welche vorbeugenden Massnahmen finden Sie am wichtigsten?

Immer ein eigenständiges Konto und eigene Finanzen zu haben. Das ist enorm wichtig. Um den Lebensstandard halten zu können, sollte eine Frau zudem mindestens 70 Prozent arbeiten.

Mit einer Kinderbetreuung ist das aber nicht immer möglich. Es ist darum wichtig, dieses Thema zu besprechen und über den schlimmsten Fall nachzudenken. Paare sollten klären, was sie in so einem Szenario für sich und vor allem für die Kinder möchten.

Das Gespräch führte Sandra Schiess.

SRF 1, Morgengast, 22.6.2026, 7:17 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel