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Leben auf der Insel Mainau Vom Schlosskind zum Unternehmer: So lebt es sich als Graf

Björn Graf Bernadotte ist der prägende Kopf der Insel Mainau. Begegnung mit einem Adelsspross, dem das Stillsitzen stets schwer fiel.

In einem Schloss auf einer Insel gross zu werden: Das klingt für viele wie ein Märchen. Für Björn Graf Bernadotte af Wisborg war es Realität. Als Sohn von Lennart Graf Bernadotte verbrachte er seine Kindheit auf einem blühenden Paradies im Bodensee. «Aufwachsen auf der Insel Mainau ist schon echt cool», meint der Graf.

Seine Kindheit verbrachte er mit vier Geschwistern im Schloss mit rund 100 Zimmern. Das idyllische Zuhause bot dem jungen Grafen Raum für manche Abenteuer.

Der 50-Jährige erinnert sich an einen besonders waghalsigen Streich: «Ich habe mir gedacht, wenn ich aufs Dach klettere und von aussen ans Fenster meiner Schwester klopfe, erschreckt sie sich bestimmt.» Das Vorhaben hat funktioniert. Einen Rüffel der Eltern gab es trotzdem.

Björn Graf Bernadotte erinnert sich an seinen Vater als humorvollen Menschen. In einem schneereichen Winter band er einen Schlitten ans Auto und zog die Kinder darauf durch den Park. «Unsere Mutter und der Kinderarzt standen oben im Schloss und haben herausgeschaut. Als wir dann heraufkamen, gab es echt Ärger.»

Ein Adelstitel verpflichtet

Die Kindheit auf der Insel Mainau brachte aber auch royale Pflichten mit sich. Schon als Siebenjähriger musste Björn Graf Bernadotte an Empfängen und Preisverleihungen im Schloss teilnehmen. Das lange Stillsitzen fiel dem jungen Grafen schwer.

Gleichzeitig haben ihm die Eltern schon früh mitgegeben, dass der Adelstitel ein Geschenk ist: «Wenn man auf der Mainau aufwächst und ein solches Erbe antreten darf, hat das mit viel Verantwortung zu tun. Man kann Dinge bewegen, die andere Leute vielleicht nicht bewegen können.»

Wir haben die Möglichkeit, etwas von dem zurückzugeben, was wir geschenkt bekommen haben.
Autor: Björn Graf Bernadotte Unternehmer und Stiftungsvorstand

Das Zuhause der Bernadottes ist eines der beliebtesten Ausflugsziele Europas. Rund eine Million Besuchende strömen jährlich auf die Mainau, um die Blütenpracht zu bestaunen. Die gesamte Anlage ist etwa so gross wie die Berner Altstadt.

Die Parkanlage ist seit 1974 im Besitz der Lennart-Bernadotte-Stiftung. Um das touristische Geschäft kümmert sich die Mainau GmbH, die Björn Graf Bernadotte gemeinsam mit Michael Roensch leitet.

Porträt-Aufnahme von Björn Graf Bernadotte, umgeben von Blumen und mit Hut auf dem Kopf auf der Insel Mainau.
Legende: Björn Graf Bernadotte ist ein Blumen-Fan: Besonders gerne mag er Orchideen. Insel Mainau/ Peter Allgaier

Als studierter Sozialpädagoge rief der Graf zudem ein Projekt ins Leben, das lernschwache Jugendliche ins Arbeitsleben integriert. «Wir haben da eine Möglichkeit, etwas von dem zurückzugeben, was wir geschenkt bekommen haben.»

Auf der Jagd und in der Küche

Wenn der Trubel auf der Insel zu viel wird, nimmt sich der Graf eine Auszeit. Als leidenschaftlicher Jäger schätzt er die Ruhe der Natur. «Morgens draussen zu sitzen, den Sonnenaufgang zu bewundern und zu erleben, wie die Vögel zu zwitschern beginnen, ist unheimlich beeindruckend.»

Das erlegte Wild verwertet der 50-Jährige am liebsten selbst: Seine zweite Passion ist das Kochen. Der Unternehmer nimmt sich gerne ausgiebig Zeit, um am Samstagmorgen auf dem Markt einzukaufen.

Björns Mutter, Gräfin Sonja Bernadotte, hat zwar ein Kochbuch geschrieben. Wirklich gerne gekocht habe sie aber nicht. «Der Titel lautete ‹Hilfe, ich muss kochen!› und das Vorwort unseres Vaters ‹Hilfe, ich muss es essen!›. Das war genau der Humor unseres Vaters», so Björn Graf Bernadotte.

Diesen Humor möchte der Graf mitnehmen, wenn es darum geht, das Erbe der Eltern in die Zukunft zu führen.

Radio SRF 1, Persönlich, 10.5.2026, 10:03 Uhr

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