In einem Schloss auf einer Insel gross zu werden: Das klingt für viele wie ein Märchen. Für Björn Graf Bernadotte af Wisborg war es Realität. Als Sohn von Lennart Graf Bernadotte verbrachte er seine Kindheit auf einem blühenden Paradies im Bodensee. «Aufwachsen auf der Insel Mainau ist schon echt cool», meint der Graf.
Seine Kindheit verbrachte er mit vier Geschwistern im Schloss mit rund 100 Zimmern. Das idyllische Zuhause bot dem jungen Grafen Raum für manche Abenteuer.
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Bild 1 von 5. Lennart Graf Bernadotte und seine Frau Sonja Gräfin Bernadotte feiern mit ihren Kindern die närrische Fasnacht im Jahr 1980. Bildquelle: Archiv Schloss Mainau.
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Bild 2 von 5. Björn Bernadotte (zweiter von unten) ist der älteste Sohn des Ehepaars. Bildquelle: Seeger Press.
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Bild 3 von 5. Die Bernadottes sind mit der schwedischen Königsfamilie verwandt. Bildquelle: Insel Mainau/Heinz-Dieter Meier.
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Bild 4 von 5. Die Insel Mainau ging 1928 durch Erbschaft von Grossherzog Friedrich II. von Baden an seine Schwester, die schwedische Königin Viktoria, über. Deren Sohn Prinz Wilhelm von Schweden übertrug 1932 die Verwaltung der Insel seinem Sohn Lennart Bernadotte. Bildquelle: Archiv Schloss Mainau.
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Bild 5 von 5. Aufgrund seiner ersten Heirat verlor Lennart Bernadotte sämtliche Titel und zog auf die Insel Mainau. Dort lebte er auch mit seiner zweiten Ehefrau Sonja Haunz und den gemeinsamen fünf Kindern, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1989. Bildquelle: Archiv Schloss Mainau.
Der 50-Jährige erinnert sich an einen besonders waghalsigen Streich: «Ich habe mir gedacht, wenn ich aufs Dach klettere und von aussen ans Fenster meiner Schwester klopfe, erschreckt sie sich bestimmt.» Das Vorhaben hat funktioniert. Einen Rüffel der Eltern gab es trotzdem.
Björn Graf Bernadotte erinnert sich an seinen Vater als humorvollen Menschen. In einem schneereichen Winter band er einen Schlitten ans Auto und zog die Kinder darauf durch den Park. «Unsere Mutter und der Kinderarzt standen oben im Schloss und haben herausgeschaut. Als wir dann heraufkamen, gab es echt Ärger.»
Ein Adelstitel verpflichtet
Die Kindheit auf der Insel Mainau brachte aber auch royale Pflichten mit sich. Schon als Siebenjähriger musste Björn Graf Bernadotte an Empfängen und Preisverleihungen im Schloss teilnehmen. Das lange Stillsitzen fiel dem jungen Grafen schwer.
Gleichzeitig haben ihm die Eltern schon früh mitgegeben, dass der Adelstitel ein Geschenk ist: «Wenn man auf der Mainau aufwächst und ein solches Erbe antreten darf, hat das mit viel Verantwortung zu tun. Man kann Dinge bewegen, die andere Leute vielleicht nicht bewegen können.»
Wir haben die Möglichkeit, etwas von dem zurückzugeben, was wir geschenkt bekommen haben.
Das Zuhause der Bernadottes ist eines der beliebtesten Ausflugsziele Europas. Rund eine Million Besuchende strömen jährlich auf die Mainau, um die Blütenpracht zu bestaunen. Die gesamte Anlage ist etwa so gross wie die Berner Altstadt.
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Bild 1 von 5. Die Insel Mainau ist die drittgrösste Insel im Bodensee und etwa so gross wie 63 Fussballfelder. Bildquelle: Insel Mainau/Peter Allgaier.
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Bild 2 von 5. Rund 70 Gärtnerinnen und Gärtner sind für die Bewirtschaftung der Parkanlage zuständig. Bildquelle: Insel Mainau/Peter Allgaier.
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Bild 3 von 5. Ein Geschenk der anderen Art: Der Schwanenbrunnen wurde zum 70. Geburtstag von Lennart Graf Bernadotte erbaut. Er gestaltete den Park zu einem Blumen- und Pflanzengarten um. Bildquelle: Insel Mainau/Peter Allgaier.
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Bild 4 von 5. Der Wachturm im Südwesten der Insel war Teil einer spätmittelalterlichen Befestigungsanlage. Das heutige Dach und die Holzverschalung kamen erst im 19. Jahrhundert hinzu. Bildquelle: Insel Mainau/Peter Allgaier.
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Bild 5 von 5. Im Palmenhaus auf der Insel Mainau wachsen über 20 verschiedene Palmenarten. Bildquelle: Insel Mainau/Peter Allgaier.
Die Parkanlage ist seit 1974 im Besitz der Lennart-Bernadotte-Stiftung. Um das touristische Geschäft kümmert sich die Mainau GmbH, die Björn Graf Bernadotte gemeinsam mit Michael Roensch leitet.
Als studierter Sozialpädagoge rief der Graf zudem ein Projekt ins Leben, das lernschwache Jugendliche ins Arbeitsleben integriert. «Wir haben da eine Möglichkeit, etwas von dem zurückzugeben, was wir geschenkt bekommen haben.»
Auf der Jagd und in der Küche
Wenn der Trubel auf der Insel zu viel wird, nimmt sich der Graf eine Auszeit. Als leidenschaftlicher Jäger schätzt er die Ruhe der Natur. «Morgens draussen zu sitzen, den Sonnenaufgang zu bewundern und zu erleben, wie die Vögel zu zwitschern beginnen, ist unheimlich beeindruckend.»
Das erlegte Wild verwertet der 50-Jährige am liebsten selbst: Seine zweite Passion ist das Kochen. Der Unternehmer nimmt sich gerne ausgiebig Zeit, um am Samstagmorgen auf dem Markt einzukaufen.
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Bild 1 von 2. Der Graf (links) hat ein Flair für gute Küche: Hier fachsimpelt er mit Schloss-Küchenchef Michael Kratt. Bildquelle: Insel Mainau/Rainer M. Hohnhaus.
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Bild 2 von 2. Als passionierter Jäger und Naturliebhaber ist Björn Graf Bernadotte überzeugt: Ein Tier selbst zu erlegen, sei die nachhaltigste Art, Fleisch zu produzieren. Bildquelle: Insel Mainau / Rainer M. Hohnhaus.
Björns Mutter, Gräfin Sonja Bernadotte, hat zwar ein Kochbuch geschrieben. Wirklich gerne gekocht habe sie aber nicht. «Der Titel lautete ‹Hilfe, ich muss kochen!› und das Vorwort unseres Vaters ‹Hilfe, ich muss es essen!›. Das war genau der Humor unseres Vaters», so Björn Graf Bernadotte.
Diesen Humor möchte der Graf mitnehmen, wenn es darum geht, das Erbe der Eltern in die Zukunft zu führen.