Im TV liegen die Austragungsorte der Olympischen Winterspiele nur einen Klick entfernt – vor Ort trennen sie grosse Distanzen. Zusätzlich herausfordernd: Die Schweiz ist mit einer so grossen Delegation vor Ort wie noch nie: 175 Personen verteilt auf vier Regionen und sieben Standorte. Wie entsteht unter diesen Bedingungen ein gemeinsamer Teamspirit? Susanne Böhlen, die Missionsleiterin von Swiss Olympic, gibt einen Einblick.
SRF: Morgen Freitag geht es los. Können Sie noch ruhig schlafen?
Susanne Böhlen: Ja, tipptopp. Es hat die ganze Nacht geschneit, und ich habe sehr gut geschlafen.
Was sind die grössten Herausforderungen in den nächsten zwei Wochen?
Ein grosser Teil unserer Arbeit im Hintergrund ist gemacht. Wir sind bereit, wir haben alles aufgebaut. Jetzt geht es darum, dass das Team gut ankommt. Dass sich alle gut einfinden und wir sie alle möglichst glücklich machen mit der Situation vor Ort. Und natürlich sollte uns das Wetter nicht einen allzu grossen Strich durch die Rechnung machen.
Es sind dezentrale Spiele. Wie schaffen Sie es da, einen olympischen Team-Spirit herzustellen?
Das ist nicht ganz einfach. Ich glaube, dass es noch nicht überall gleich gut gelingt. Es gibt gewisse Austragungsorte, wo nur eine Sportart stattfindet. Biathlon zum Beispiel.
Es gilt, einen Plan A zu haben und vielleicht noch einen zweiten Plan.
Trotzdem versuchen wir, mit gewissen Massnahmen Identität zu schaffen im Schweizer Team. Zum einen mit der Bekleidung, die überall gleich ist.
Weiter versuchen wir, die Unterkünfte ähnlich zu branden, Dekoration aufzubauen und die Leute zu begrüssen. Bei der Ankunft übergeben wir ein kleines Geschenk. Wir zeigen, dass man nicht alleine ist und es rundherum noch andere aus dem Schweizer Team gibt. Mit den Teamchefs sind wir in regelmässigem Austausch und versuchen so, den Teamgeist rüberzubringen.
Im Vorfeld dieser Spiele hat man auch viel von Verspätungen und Budgetüberschreitung gehört. Wie viel Improvisation braucht es von Ihnen, damit für die Schweizer Athletinnen und Athleten alles rund läuft?
Eine gewisse Portion Flexibilität braucht es immer bei den Olympischen Spielen: Das ist eine der Herausforderungen. Wird alles fertig? Man liest viel, aber bis jetzt ist immer alles einigermassen fertig geworden.
Wir versuchen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein bisschen wie ein Nach-Hause-Kommen sind.
Es gilt, einen Plan A zu haben und vielleicht noch einen zweiten Plan, sodass wir schlussendlich mit den bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Teams arbeiten können.
Was ist mit Extrawünschen, beispielsweise in Sachen Unterkunft oder Essen. Kann man darauf eingehen?
Wir versuchen immer, dass sich die Athletinnen und Athleten wohlfühlen. Hier haben wir sehr viele Austragungsorte, die die Teams bereits sehr gut kennen. Darum haben wir versucht, dass diejenigen, die viel in der Region sind, in den gleichen Hotels sein können. Dass man Rahmenbedingungen schafft, die ein bisschen wie ein Nach-Hause-Kommen sind. Wo wir konnten, haben wir auf Bewährtes zurückgegriffen.
Was erwartet Sie jetzt, am Tag vor dem Start?
Gleich haben wir ein Briefing mit dem Organisationskomitee zur Eröffnungsfeier, die morgen stattfindet. Das ist nicht ganz einfach mit den vier verschiedenen Austragungsorten. Wir werden die Infos bekommen, wann es für die Schweizer Teams losgeht und wie die Transporte funktionieren.
Das sind die zehnten Olympischen Spiele, die Sie betreuen. Was ist das wichtigste Utensil, das Sie immer dabei haben?
Man muss schauen, dass man immer das Ladekabel für das Handy dabei hat. Und eine Powerbank.
Das Gespräch führte Michael Brunner.