Vor einer Woche hat Armin Koch seine Praxis in Sarnen OW geräumt. Der Schlusspunkt zeichnete sich ab: Auf das neue Tarifsystem TARDOC, das seit Anfang Jahr in Kraft ist, wollte er sich nicht mehr einlassen. «Ich werde 70, und das ist eine gute Gelegenheit, um abzuspringen», erklärt Koch.
Die letzten Tage in der Praxis waren geprägt von Aufräumarbeiten, die so manche Überraschung und Erinnerungen zutage förderten.
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Bild 1 von 6. Armin Koch behandelt eine Patientin in der Praxis in Sarnen. Im Hintergrund die Apotheke, die bereits in der Praxis des Grossvaters und des Vaters ihre Dienste leistete. Bildquelle: zVg Armin Koch, Foto: Manuela Jans.
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Bild 2 von 6. Grossvater Dr. med. Gottlieb Koch (1878-1936), Hausarzt in Grosswangen, LU. Bildquelle: zVg Armin Koch.
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Bild 3 von 6. Der Vater von Armin Koch, Dr. med. Arthur Koch (1915-1987) war Hausarzt in Hergiswil, NW. Die Leute seien früher einfach gekommen. Wenn das Wartezimmer voll war, hätten die Leute im Gang gewartet. Jene, die der Vater besser kannte – Freunde und Verwandte –, konnten in der Stube Platz nehmen und bekamen einen Martini oder einen Cynar serviert. Bildquelle: zVg Armin Koch.
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Bild 4 von 6. Durchleuchtungsapparat 1948: Die Strahlenbelastung war damals hoch. So hoch, dass sie die Kinderstunde im TV störte, wenn Armin Koch bei befreundeten Kindern vor dem Bildschirm sass, während der Vater in der Praxis Patienten durchleuchtete. Bildquelle: Keystone/Str.
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Bild 5 von 6. Vater Arthur mit Sohn Armin Koch, 1983. Der Vater hatte früher eine Klingel in der Praxis. Wenn ein «tä» erklang, hiess das, dass die Mutter ihm zur Hand musste. Ein «tä, tä, tä» bedeutete, dass die Kinder zu laut sind. Bildquelle: zVg Armin Koch.
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Bild 6 von 6. Reisen im südlichen Afrika: Das Geländefahrzeug mit Eltern- und Kinderdachzelt der Familie Armin und Ruth Koch, 1993. Bildquelle: zVg Armin Koch.
Der Arzt mit Fähigkeitszeugnis in Traditioneller Chinesischer Medizin und einer Passion für Akupunktur arbeitete viel mit Nadeln. Auch wenn alle Nadeln nach einer Behandlung entfernt werden, konnte es sein, dass während der Unterhaltung mit den Patientinnen und Patienten eine unterging. Einige kamen beim Putzen der Praxisräumlichkeiten wieder zutage.
Vergessene Nadeln
Armin Koch erzählt von einer Patientin, die nach einem Termin bei ihm eine Coiffeuse erschreckte: «Auf dem behaarten Schädel der Frau stiess die Coiffeuse auf eine vergessene Nadel. Auf dem Kopf befindet sich ein Punkt, der praktisch bei jeder Behandlung akupunktiert wird, da er die Menschen beruhigt», so Koch.
Ein Arzt auf Umwegen
Armin Koch begab sich über Umwege in die Fussstapfen des Vaters. Nach der Schule zog es ihn erstmal auf die Piste. Während einer Saison war er Skilehrer, hatte aber bald genug von den Après-Ski-Partys mit den Gästen.
Danach liess er sich zum Sekundarlehrer ausbilden. Als sein Vater einen Hirnschlag erlitt, gelähmt war und nicht mehr sprechen konnte, entschied er sich doch noch für ein Medizinstudium.
Die erste Stelle nach dem Staatsexamen hat Armin Koch gekündigt, noch bevor er angefangen habe. «Ein Studienkollege berichtete mir von einer Klinik in Sri Lanka, wo man innerhalb eines Monats Akupunktur lernen kann».
Die Neugier zog ihn in die Ferne. Er erhielt einen Ausbildungsplatz und fuhr mit Frau und Kind nach Colombo, wo schlussendlich auch seine Frau Ruth in die Ausbildung einstieg.
«Unser Sohn Balzli musste ab und zu herhalten und war ein Demonstrationsprojekt für das Setzen von Nadeln. Davon gibts auch noch ein Foto», sagt Koch. Bei der Fontanelle am Kopf darf man bei Kindern aber keine Nadeln setzen, da der Schädel noch offen sei, erklärt Armin Koch.
Traditionelle Chinesische Medizin versus Schulmedizin
«In der Akupunktur bin ich frei und kann mich entfalten», sagt Koch, «Was ich brauche, ist ein klarer mentaler Fokus und dann lasse ich mich inspirieren.» Das sei etwas anderes als in der Schulmedizin, wo es Richtlinien und Diagnosen gibt, denen Laborwerte und Röntgenaufnahmen zugrunde liegen. «In der Akupunktur muss ich das Denken der Schulmedizin verlassen.»
Besuch beim Knochenleser, dem Hexendoktor
Als das zweite Kind da war, zog es Armin Koch mit der ganzen Familie wieder ins Ausland. In Südafrika, an der Grenze zu Simbabwe, leistete Armin Koch als Arzt einen Einsatz im ehemaligen Schweizer Missionsspital Elim in Gazankulu.
Armin Koch blieb der Akupunktur treu: «Es sind innere Kräfte, die den Menschen heilen.»
Als Arzt könne er den Weg dafür ebnen. «Das gilt für die Schulmedizin wie für die Akupunktur. Bei einem Knochenbruch, einer schulmedizinischen Sache, muss man optimale Voraussetzungen schaffen, damit die Heilung stattfinden kann», sagt Koch. In der Akupunktur gehe es bezüglich Heilungsprozess darum, die Energien optimal fliessen zu lassen.
Letztlich sei es für ihn dasselbe, nur aus verschiedenen Perspektiven.