Die gefühlte Temperatur in Innenräumen lässt sich um 1 bis 3 Grad senken, auch ohne Klimaanlage. Die Hochschule Luzern hat hierzu in einem Pflegeheim mit hochbetagten Menschen eine experimentelle Studie durchgeführt.
Designforscherin und Innenarchitektin Ute Ziegler hat die Studie mitgeleitet, und gibt fünf praktische Tipps, wie man Hitzestress im Alltag reduzieren kann.
1. Die Macht der Düfte: Menthol, Minze, Zitrone und Rosmarin
Gerüche spielen eine überraschend grosse Rolle für unser thermisches Wohlbefinden. Im Rahmen der Studie wurden verschiedene Düfte wie Menthol, Minze, Zitrone und Rosmarin über professionelle Diffuser in die Räume gebracht.
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Bild 1 von 3. Ätherisches Pfefferminzöl enthält natürliches Menthol, das sich bei Hitze für den Raumzerstäuber eignet. Die Geruchs-Forschung hat gezeigt, dass künstliche Menthol-Düfte die Rezeptoren im Gehirn stimulieren, die für die Wahrnehmung von Kälte zuständig sind. Bildquelle: IMAGO/Panthermedia.
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Bild 2 von 3. Zitrone ist ein ätherisches Öl, das ebenfalls zu den bewährten Düften für ein kühlendes Gefühl gehört. Bildquelle: IMAGO/imagebroker.
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Bild 3 von 3. Temperaturstimulierend ist ebenfalls Rosmarinöl. Bildquelle: IMAGO/imagebroker.
Die Studie zeigt, dass diese Düfte einen erheblichen Einfluss auf den sogenannten thermischen Komfort haben.
Menthol aktiviert etwa Kälterezeptoren auf der Haut, was ein pseudokühlendes Gefühl erzeugt: Es wird ein Gefühl der Kühlung wahrgenommen, ohne dass sich die Temperatur tatsächlich verändert. Forscherin Ute Ziegler selbst nutzt Rosmarin und will Zitrone mit Menthol mischen, um eine noch stärkere Kühlwirkung zu erzielen.
2. Glatte Bettwäsche: Baumwoll-Satin für angenehme Nächte
Die Wahl der Bettwäsche kann einen grossen Unterschied machen. Eine sehr glatte Baumwoll-Satin-Bettwäsche, idealerweise in grünlich-bläulichen Tönen, hat sich als besonders effektiv erwiesen.
Der glatte Stoff kann Wärme besser ableiten als dicker Flanell. Das glatte Material in Kombination mit den Düften war in der Studie ein «Renner» und trug massgeblich zum besseren Wohlbefinden der Probanden bei, erklärt Ute Ziegler.
3. Kühlende Sounds
Auch Klänge und Sounds haben einen Einfluss auf die Thermoregulation. Das geschieht nicht physikalisch, sondern über psychologische und neuronale Prozesse. Unser Gehirn kombiniert ständig Informationen aus verschiedenen Sinneskanälen. Geräusche können dabei Erwartungen und Emotionen auslösen, die wiederum unser Temperaturempfinden verändern.
So können Geräusche wie Wasser oder Naturklänge zu einer erhöhten Hitzetoleranz beitragen.
4. Farbliche Akzente: Blau und türkis
Es gibt viele Studien aus der Grundlagenforschung, die den Einfluss von Farben auf die menschliche Psyche und das Wohlbefinden belegen. Durch die gezielte Anwendung dieser Erkenntnisse in der Innenraumgestaltung lässt sich ein kühleres Ambiente schaffen.
Die Thermoregulation kann beispielsweise durch eine entsprechende Wandfarbe oder Licht beeinflusst werden. Bei bläulichem, kaltweissem Licht schätzten die Probandinnen und Probanden die Raumtemperatur signifikant niedriger ein als bei warmweissem Licht.
5. Smarte Lüftung: Nachtauskühlung und Querlüftung
Eine effektive Lüftungsstrategie ist entscheidend, um die Hitze draussen zu halten. Ute Ziegler empfiehlt, die Nachtauskühlung zu nutzen, solange die Aussentemperaturen dies zulassen. Querlüftung, also das Öffnen von gegenüberliegenden Fenstern, sorgt für einen schnellen Luftaustausch. Morgens, am besten um sieben Uhr, sollten dann alle Fenster geschlossen und Jalousien heruntergelassen werden, um die Hitze des Tages gar nicht erst in die Räume zu lassen.
Ute Ziegler betont, dass es wichtig sei, zu experimentieren, um herauszufinden, was persönlich am besten passt.