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Wanderung des Monats Januar Winterwanderung für die Seele: Stille und Weitsicht im Appenzell

Winterwanderung rund um Schönengrund AR – ein Tag zwischen Nebel, Schnee und Silvesterkläusen.

Verteckt im Appenzeller Hinterland liegt das Dorf Schönengrund, das an winterlichen Morgen oft noch in Nebel gehüllt ist. Eine gemütliche und wenig überlaufene Region für eine aussichtsreiche Winterwanderung. Ausser am 13. Januar, dann ziehen die Silvesterkläuse durch die Gegend. Der winterliche Wandertipp zum Jahresbeginn von SRF-Outdoor-Reporter Marcel Hähni.

Marcel Hähni

SRF-1-Outdoor-Reporter

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Marcel Hähni, Jahrgang 1970, ist Redaktor und Produzent bei Radio SRF 1 und ausgebildeter Wander- und Schneeschuh-Wanderleiter. Regelmässig berichtet er auf srf1.ch und am Radio über seine neusten Abenteuer und verrät Tipps und Tricks für die Outdoorwelt.

Das Appenzeller Hinterland lockt durch seine typisch hügelige voralpine Landschaft. Eine glitzernde Schneedecke und das Knirschen unter den Schuhen begleiten mich auf dem Weg zum Dorf hinaus und hinauf zum Oberen Wittenberg. Ab hier lichtet sich der Nebel, und plötzlich öffnet sich die Sicht auf das verschneite Appenzellerland und die Hügelzüge des Toggenburgs mit dem Blick zum Säntis, dem Höhepunkt im Ring der Ostschweizer Gipfel.

Nach knapp zwei Stunden geht der Weg den Hügel hinab und überquert die Hauptstrasse, die von Schönengrund nach Waldstatt führt. Auf der Karte ist diese Abzweigung mit dem Flurnamen «Säntisblick» etwas oberhalb der Strasse gekennzeichnet. Von hier geht es zum Winkfeld mit dem gleichnamigen Restaurant.

Gestärkt geht es weiter, mal hinauf und dann wieder hinunter über verschneite Wiesen und kleine Streusiedlungen mit den bekannten Appenzeller Bauernhäusern. Bei vielen davon werde ich von einem «Bläss», einem Appenzeller Sennenhund, begrüsst.

So verhalten Sie sich bei Hundebegegnungen richtig

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Hund auf schneebedecktem Boden, Blick nach links.
Legende: Der Appenzeller Sennenhund ist eine der vier Schweizer Sennenhundrassen: Es gibt noch den Berner, den Entlebucher und den Grossen Schweizer. IMAGO / Depositphotos

Begegnet man unterwegs Herden- und Hofhunden, sollte man sich bewusst sein: Die machen eigentlich nur ihren Job, verteidigen ihr Revier oder ihre Herde und reagieren lautstark auf alles, was sie als Bedrohung empfinden.

Der grösste Fehler in so einer Situation: dem Hund direkt in die Augen zu schauen. «Das sollte man ohnehin nie machen», betont Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft: «Drehen Sie sich stattdessen leicht ab und schauen Sie den Hund aus den Augenwinkeln an.» Das zeigt dem Tier, dass man von ihm gar nichts will. Ausserdem verringert es die Angriffsfläche.

Jedes Mal beäugen mich die Hunde erst etwas skeptisch, sie bellen und wedeln dann beim Näherkommen freundlich mit dem Schwanz.

Auf kleinen Strässchen und Wanderpfaden geht es nun über den Ettenberg hinunter Richtung Beldschwendi: durch eine stille, kaum berührte Gegend – ideal, um die typische Appenzeller Winteridylle zu geniessen. Von Beldschwendi ist der Ausgangs- und Zielort Schönengrund praktisch in Wurf nahe.

Auch wenn Schönengrund auf nur rund 900 Meter über dem Meer liegt, bezeichnen die anwesenden Langläufer die Gegend als relativ schneesicher. Zum Abschluss der Wanderung, bevor es mit dem Postauto mit Umsteigen in Herisau nach St. Gallen oder Brunnadern-Neckertal geht, lohnt sich ein Abstecher ins Hinterdorf. Hier findet man mit dem «Schäfle» ein urig gemütliches Gasthaus, in dem die Zeit stehengeblieben scheint.

Das hat es mit Silvesterchlausen auf sich

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«Schöne» Silvesterchlaus unterwegs mit buntem Gewand und Kopfbedeckung.
Legende: Ein «schöner» Silvesterchlaus ist unterwegs. SRF/ Marcel Hähni

Im Appenzellerland wird gleich zwei Mal Silvester gefeiert: nach dem gregorianischen Kalender am 31. Dezember und nach dem julianischen Kalender am 13. Januar. An beiden Daten sind die Silvesterchläuse unterwegs. Dabei unterscheidet man zwischen schönen, wüeschten und schö-wüeschten Chläusen. Letztere sind auch als Naturchläuse bekannt.

Die Schönen tragen kunstvoll gestaltete Kopfbedeckungen mit Szenen aus dem bäuerlichen Leben. Die Wüeschten und Schö-Wüeschten bestechen durch kunstvolle, wild geschmückte Hüte, Hauben und Masken und sind zum Teil mit Tannenzweigen bekleidet.

Vom frühen Morgen an sind die Silvesterchläuse mit ihren Schellen und Glocken unterwegs, ziehen von Haus zu Haus und wünschen mit andächtigem Gesang und lüpfigen Zäuerli allen «es guets Neus». Am Abend sind sie dann bis Mitternacht in den Wirtschaften unterwegs.

Wer die Wanderung am 13. Januar, dem sogenannten Alten Silvester, unternimmt, darf sich auf ein besonderes Erlebnis freuen: In den Dörfern und Höfen der Umgebung ziehen an diesem Tag die Silvesterkläuse umher.

Radio SRF 1, 6.1.2025, 11:40 Uhr ; 

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