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Parasportlerin der Weltspitze Manuela Schär schrieb Sportgeschichte auf Rädern

Sie hat Sportgeschichte geschrieben und im Verlauf ihres Lebens auch dunkle Seiten kennengelernt. Begegnung mit einer aussergewöhnlichen Rollstuhlsportlerin, der es an Disziplin und Ehrgeiz nicht mangelt.

Wer genau hinschaut, erkennt auf dem linken Unterarm von Manuela Schär ein kleines dezentes Tattoo: 6 MM. MM steht für Major Marathon. New York, Boston, Chicago, Tokio, Berlin und London – Manuela Schär hat alle sechs Marathons in Serie gewonnen, was 2018/2019 ein Novum war.

Manuela Schär hat eine beeindruckende Karriere hingelegt. Mit eisernem Willen kämpfte sie sich an die Weltspitze, sammelte Paralympics-Medaillen und Weltrekorde und schrieb Sportgeschichte.

Ein Geburtstagsfest, das in einer Tragödie endete

Der Weg dahin war nicht einfach: Ein Schaukelunfall an einem Geburtstagsfest veränderte schlagartig das Leben der damals 8-Jährigen. «Ich schaute nach oben und sah, dass sich die Balken der Schaukel und der Himmel bewegen.» Kurz darauf lagen die Holzbalken auf ihr, erinnert sich die heute 41-jährige Luzernerin. Sie habe am Unfallort gemerkt, das etwas Schlimmes passiert sei. Was aber eine Rückenmarkverletzung bedeutet, konnte sie als Kind nicht einordnen.

Manuela Schär ist seither von der Hüfte abwärts gelähmt. Die ersten drei Monate durfte sie nur liegen – eine schwierige Zeit für das lebhafte und aktive Kind.

Rückblickend bedauert Manuela Schär, dass psychologische Betreuung damals noch nicht Teil der Rehabilitation war. Das Trauma hat sie im späteren Leben immer wieder eingeholt. Wiederholt sei sie in ein tiefes Loch gefallen. Erst vor kurzer Zeit habe sie eine Traumatherapie gemacht, die ihr sehr geholfen habe.

Vom Greenhorn zur Spitzenathletin

Die Begeisterung für den Sport, die Manuela Schär schon vor dem Unfall hatte, wurde im Schweizer Paraplegiker-Zentrum früh erkannt und gefördert. Bereits mit zehn Jahren wurde sie in den Rennrollstuhlsport eingeführt.

2004 war die Luzernerin erstmals an den Paralympics in Athen am Start und fuhr gleich Silber und Bronze ein. Die jugendliche Unbeschwertheit wünscht sie sich manchmal zurück, sagt die Ausnahmeathletin.

Wenn es nicht rund läuft

Um sich für die Paralympics 2012 in London zu qualifizieren, hatte Manuela Schär viel investiert. Doch der Medaillenreigen blieb aus und sie kämpfte mit gesundheitlichen Problemen, die sie nach ihrer Rückkehr für mehrere Wochen ins Spital brachten.

Hart trainieren allein reicht nicht – es muss sehr viel mehr passen.
Autor: Manuela Schär Paraathletik

Die Erfahrung in London habe sie gelehrt, Veränderungen nicht zu fürchten, sondern als Chance zu sehen. Danach wechselte sie nicht nur ihren Trainer, sondern auch die Disziplin und fokussierte auf Langdistanzen.

Der «Dopamin-Kick» als Motor

«Das Neue ist spannend und aufregend», sagt Manuela Schär. Dabei wird Dopamin ausgeschüttet und dieser Kick mache es ihr möglich, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben.

Als sich bei ihr alles nur um Leistung und Sport drehte, habe sie gemerkt, was ihr fehlt: «etwas Weiches, etwas fürs Herz». So wurde Hund Lui Teil ihres Lebens.

Frau im Rollstuhl mit zwei Hunden.
Legende: Neben dem Boston Terrier Lui ist vor zwei Jahren noch Tewi, ein Tierschutzhund aus Griechenland, bei ihr eingezogen. Die beiden stellen den Alltag von Manuela Schär regelmässig auf den Kopf. zVg Manuela Schär

«Wir sind eine Chaostruppe», sagt Schär. Nach Lui zog zudem Tewi, ein Tierschutzhund aus Kreta, ein. «Er bringt sehr viel Action in meinen Alltag». Mit ihren Hunden macht Manuela Schär Mantrailing (Personensuche) und Hundezugsport.

Manuela Schär ist dankbar für die vielen schönen Momente, Erinnerungen und Begegnungen in ihrer Karriere. Sie weiss, dass man Erfolge nicht alleine erreicht, sondern ein unterstützendes Umfeld, viel Glück und Gesundheit dazugehören. «Hart trainieren allein reicht nicht – es muss sehr viel mehr passen», sagt sie.

Radio SRF 1, 08.03.2025, 10:00 Uhr ; 

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