Wer genau hinschaut, erkennt auf dem linken Unterarm von Manuela Schär ein kleines dezentes Tattoo: 6 MM. MM steht für Major Marathon. New York, Boston, Chicago, Tokio, Berlin und London – Manuela Schär hat alle sechs Marathons in Serie gewonnen, was 2018/2019 ein Novum war.
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Bild 1 von 17. Einmal mehr hiess die Gewinnerin des New York Marathon 2019 Manuela Schär. Bildquelle: Keystone/Justin Lane.
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Bild 2 von 17. Schon vor dem Unfall war Manuela Schär ein aktives Mädchen. Turnen war ihr Lieblingsfach. Bildquelle: zVg Manuela Schär.
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Bild 3 von 17. Sportlich erfolgreich war Manuela Schär schon als Kind – vor dem schicksalshaften Unfall, der ein Leben im Rollstuhl bedeutete. Bildquelle: zVg Manuela Schär.
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Bild 4 von 17. Manuela Schär ist im luzernischen Altishofen mit ihren Eltern und ihrem drei Jahre älteren Bruder aufgewachsen. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 5 von 17. Bereits mit 16 Jahren durfte Manuela Schär die Autoprüfung machen, da ihre Wege mit dem ÖV schwierig zu bewältigen waren. Das Auto bedeutete für sie ein Stück Freiheit. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 6 von 17. Die KV-Lehre hat Manuela Schär bei Ottos Warenposten absolviert. Der Inhaber Otto Ineichen hat ihr bei einem frühen Rollstuhlrennen den Preis überreicht und gesagt, dass er ihr eine Lehrstelle anbieten würde. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 7 von 17. Otto Ineichen hielt Wort und Manuela Schär machte eine KV-Lehre in seinem Unternehmen. Inzwischen arbeitet sie in einem 20-Prozent-Pensum als Mitarbeiterin Inklusion beim Schweizerischen Turnverband. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 8 von 17. Hartes Training allein reiche nicht, sagt Manuela Schär. Ein gutes Umfeld, Glück und Gesundheit gehörten auch dazu. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 9 von 17. Heute trainiert Manuela Schär sechs Tage die Woche, ein bis zwei Einheiten pro Tag im Leistungssportzentrum in Nottwil LU. Bildquelle: Keystone/Christian Beutler.
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Bild 10 von 17. Am liebsten trainiert Manuela Schär in Gesellschaft – mit dem Trainer oder mit anderen Parasportlern. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 11 von 17. Beim Sportrollstuhl trägt Manuela Schär spezielle Handschuhe, mit denen sie die Räder antreibt. Die ganze Kraft, die sie für den Speed braucht, kommt aus den Armen. Bildquelle: Keystone/Eddy Risch.
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Bild 12 von 17. Einen Hund fürs Herz – das wollte Manuela Schär, als sie verbissen nur noch Sport machte. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 13 von 17. Mit Hunden macht Manuela Schär auch Sport: Neben Mantrailing (Personensuche) ist sie auch mit Jackson und Otto, zwei Schlittenhunde von einer Freundin, im Zughundesport unterwegs. Bildquelle: zVg.
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Bild 14 von 17. Wenn sie nicht mit den Hunden unterwegs ist oder der nächste Marathon ansteht, geht es auf dem E-Bike durch die Natur. Bildquelle: zVg.
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Bild 15 von 17. Im Winter geht die Luzernerin Langlaufen. Ein Leben ohne Sport ist für Manuela Schär undenkbar. Bildquelle: zVg Manuela Schär.
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Bild 16 von 17. Im April geht es wieder los ins Ausland: Zuerst an den Marathon in Boston und danach London. Bildquelle: zVg Manuela Schär.
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Bild 17 von 17. Nebst den vielen Medaillen erhielt Manuela Schär 2019 auch den Preis als Paralympische Sportlerin des Jahres an den Sports Awards. Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
Manuela Schär hat eine beeindruckende Karriere hingelegt. Mit eisernem Willen kämpfte sie sich an die Weltspitze, sammelte Paralympics-Medaillen und Weltrekorde und schrieb Sportgeschichte.
Ein Geburtstagsfest, das in einer Tragödie endete
Der Weg dahin war nicht einfach: Ein Schaukelunfall an einem Geburtstagsfest veränderte schlagartig das Leben der damals 8-Jährigen. «Ich schaute nach oben und sah, dass sich die Balken der Schaukel und der Himmel bewegen.» Kurz darauf lagen die Holzbalken auf ihr, erinnert sich die heute 41-jährige Luzernerin. Sie habe am Unfallort gemerkt, das etwas Schlimmes passiert sei. Was aber eine Rückenmarkverletzung bedeutet, konnte sie als Kind nicht einordnen.
Manuela Schär ist seither von der Hüfte abwärts gelähmt. Die ersten drei Monate durfte sie nur liegen – eine schwierige Zeit für das lebhafte und aktive Kind.
Rückblickend bedauert Manuela Schär, dass psychologische Betreuung damals noch nicht Teil der Rehabilitation war. Das Trauma hat sie im späteren Leben immer wieder eingeholt. Wiederholt sei sie in ein tiefes Loch gefallen. Erst vor kurzer Zeit habe sie eine Traumatherapie gemacht, die ihr sehr geholfen habe.
Vom Greenhorn zur Spitzenathletin
Die Begeisterung für den Sport, die Manuela Schär schon vor dem Unfall hatte, wurde im Schweizer Paraplegiker-Zentrum früh erkannt und gefördert. Bereits mit zehn Jahren wurde sie in den Rennrollstuhlsport eingeführt.
2004 war die Luzernerin erstmals an den Paralympics in Athen am Start und fuhr gleich Silber und Bronze ein. Die jugendliche Unbeschwertheit wünscht sie sich manchmal zurück, sagt die Ausnahmeathletin.
Wenn es nicht rund läuft
Um sich für die Paralympics 2012 in London zu qualifizieren, hatte Manuela Schär viel investiert. Doch der Medaillenreigen blieb aus und sie kämpfte mit gesundheitlichen Problemen, die sie nach ihrer Rückkehr für mehrere Wochen ins Spital brachten.
Hart trainieren allein reicht nicht – es muss sehr viel mehr passen.
Die Erfahrung in London habe sie gelehrt, Veränderungen nicht zu fürchten, sondern als Chance zu sehen. Danach wechselte sie nicht nur ihren Trainer, sondern auch die Disziplin und fokussierte auf Langdistanzen.
Der «Dopamin-Kick» als Motor
«Das Neue ist spannend und aufregend», sagt Manuela Schär. Dabei wird Dopamin ausgeschüttet und dieser Kick mache es ihr möglich, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben.
Als sich bei ihr alles nur um Leistung und Sport drehte, habe sie gemerkt, was ihr fehlt: «etwas Weiches, etwas fürs Herz». So wurde Hund Lui Teil ihres Lebens.
«Wir sind eine Chaostruppe», sagt Schär. Nach Lui zog zudem Tewi, ein Tierschutzhund aus Kreta, ein. «Er bringt sehr viel Action in meinen Alltag». Mit ihren Hunden macht Manuela Schär Mantrailing (Personensuche) und Hundezugsport.
Manuela Schär ist dankbar für die vielen schönen Momente, Erinnerungen und Begegnungen in ihrer Karriere. Sie weiss, dass man Erfolge nicht alleine erreicht, sondern ein unterstützendes Umfeld, viel Glück und Gesundheit dazugehören. «Hart trainieren allein reicht nicht – es muss sehr viel mehr passen», sagt sie.