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1960er-Jahre bis heute Schweizer TV-Serien im Wandel der Zeit

Seit den frühen 1960er-Jahren hat das Schweizer Fernsehen über 20 TV-Serien produziert. Aktuell sorgt die dritte Staffel der Krimiserie «Wilder» für Schlagzeilen. Eine Reise durch knapp sechs Jahrzehnte zeigt: Alle TV-Serien beleuchten auf ihre Weise ein Stück Schweiz – und verraten etwas über die Zeit, in der sie entstanden.

1960er-Jahre: Kleinbürgerliche und ländliche Schweiz

Gestartet war man 1963 mit der Krimiserie «Polizischt Wäckerli». Die Geschichte spielt in der kleinbürgerlichen, engen Schweiz der 1960er-Jahre. Hauptdarsteller ist Schaggi Streuli, wie bereits ein paar Jahre zuvor im gleichnamigen Film und in der Hörspielserie.

Filmstill aus der SRF-TV-Serie «Polizischt Wäckerli».
Legende: «Polizischt Wäckerli» TV-Serie 1963-1964 (Aufnahme von 1962); von links: Schaggi Streuli als Polizischt Wäckerli, Paul Bühlmann als Gauner, Jörg Schneider als Gauner Hügü Vögeli (Hüftgürtelvertreter). SRF

1968 folgte das Heimatdrama «Die sechs Kummerbuben», eine Serie um den Familienzusammenhalt in ländlichem Idyll von Franz Schnyder. Die 13-teilige Serie war erfolgreich – in der Schweiz und in den USA. Kritisiert wurde sie allerdings auch: Sie passe nicht in den Zeitgeist der 68er-Jahre mit den Studentenunruhen.

Das neue Leben (Staffel 1, Folge 13)
Aus Die 6 Kummerbuben vom 06.01.2021.

1970er-Jahre: Mehr Zeitgeist, mehr Abwechslung

Mit etwas Verspätung atmet 1971 die dramatische TV-Serie «Pop Schwiiz» doch noch den Zeitgeist der 1960er-Jahre: Drei Hippies («The Minstrels») bringen eine gutbürgerliche Familie aus dem Takt. In den 1970er-Jahren wagt sich das Schweizer Fernsehen auch an eine Doku-Fictionserie: «Die Lawinenpatrouille», gespielt von Lawinenrettern und Schauspielern.

Ruedi Walter mit vielen farbigen Ballons in einem Raum.
Legende: «Ein Fall für Männdli» In der TV-Serie spielt Ruedi Walter die Rolle des Kommissars Max Männdli. SRF

Ein Experiment ist 1973 ausserdem «Ein Fall für Männdli» mit Ruedi Walter in der Rolle des Kommissars. Es war der Versuch, einen Kriminalfall in nur 25 Minuten zu erzählen. Diese Krimiserie blieb damals die vorläufig letzte. Erst 2013 wurde das Genre mit «Der Bestatter» wieder in die Schweizer TV-Serienproduktion aufgenommen.

1980er-Jahre: «Motel» zeigt den Schweizer Alltag

«Motel» ist in den 1980er-Jahren die einzige Schweizer TV-Serie. Sie zeigt 40 Episoden lang den Schweizer Alltag und die Schweizer Durchschnittlichkeit. Schauplatz ist ein fiktives Motel an der Autobahn irgendwo im Mittelland.

Die Serie lässt einen in 80er-Alltagsromantik schwelgen. Den einen war sie damals zu langweilig, den anderen zu gesellschaftskritisch. In der Motelküche trafen die Kulturen aufeinander, der Rassismus kam zum Vorschein. Skandalträchtig war ausserdem ein Kuss zwischen zwei Männern – allerdings hochaktuell, war in dieser Zeit doch Aids aufgekommen.

Video
Die «Kuss-Szene» aus «Motel»
Aus Kultur Extras vom 08.04.2014.
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1990er-Jahre: Sitcom «Fascht e Familie»

1994 wagte sich das Schweizer Fernsehen an die erste Sitcom. Die Familien-Comedie-Serie «Tobias» zeigte die Probleme einer ganz normalen Schweizer Familie.

Dann folgte die Sitcom «Fascht e Familie», die bisher erfolgreichste aller Schweizer TV-Serien. Der Immobilienhändler Rolf Aebersold versucht immer wieder, das Haus seiner Tante Martha ohne ihr Wissen zu verkaufen. Die hat ihr Haus aber unterdessen in eine Wohngemeinschaft verwandelt. Andauernd passerien Verwechslungen und es werden originelle Ideen kreiert. Hauptschauplatz von «Fascht e Familie» ist die Gemeinschaftsküche.

Video
Gaunereien
Aus Fascht e Familie vom 03.01.2021.
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«Lüthi und Blanc», eine Seifenoper (fast) ohne Ende

1999 startete mit «Lüthi und Blanc» die erste und bis heute einzige Soap des Schweizer Fernsehens SRF. Acht Jahre oder 288 Folgen lang drehten sich Geschichten um das Schicksal der Familien rund um den eigensinnigen Schokoladenfabrik-Patron Jean-Jacques Blanc. Gedreht wurde zu 80 Prozent in einem Studio. Die Aussenaufnahmen wurden aber in der ganzen Schweiz gedreht.

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20 Jahre Lüthi & Blanc
Aus G&G Flash vom 10.10.2019.
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Ab 2013: Mehr Krimis und komplexere Erzählstrukturen

Seit 2013 machten und machen die beiden Krimiserien «Der Bestatter» und aktuell «Wilder» Schlagzeilen. Was beide Serien auszeichnet, ist eine im Vergleich zu vielen früheren Serien komplexere Erzählstruktur. Gestiegen ist auch der finanzielle Aufwand für eine Serie, schliesslich muss man in Sachen Storytelling mit der Konkurrenz aus dem Ausland mithalten können.

Video
Jesch (Staffel 3, Folge 1)
Aus Wilder vom 05.01.2021.
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Radio SRF 1, Treffpunkt vom 12.1.2021, 10:03 Uhr

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Pascal Schärer  (Pascal1511)
    Am besten gefallen haben mir eigentlich die Serien zwischen 1994 und 2006 wie Fascht e Familie, Fertig Lustig (beide von Charles Lewinsky), Schöni Uussichte und am allerbesten Mannezimmer. Einfache, lustige Unterhaltung für die durchschnitts Schweizer Familie bei der es für alle etwas dabei hatte. Diese provozierten auch nie in irgend einer Form was gut ist. Immer habe ich mich als Kind auf den Freitagabend gefreut wenn wieder eine Folge ausgestrahlt wurde. Sitcoms wie diese fehlen heute leider.
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