40 Jahre Frauenzeitschrift «Emma»

Noch vor der ersten «Emma»-Ausgabe am 26. Januar 1977 hagelte es Kritik: «Im Januar sollen 200'000 Frauen penetriert werden», schrieb eine feministische Zeitschrift. «Emma» provozierte. So forderte sie zum Beispiel nach dem Absturz einer «Germanwings»-Maschine eine «Frauenquote fürs Cockpit».

Die Skandale

Die wichtigste feministische Zeitschrift im deutschsprachigen Raum feiert Jubiläum: 40 Jahre ist es her, als die erste «Emma» erschien. Empörung gab es schon 1977: Frauenzentren riefen zum Boykott auf, eine Lesbenorganisation prophezeite, dass mit «Emma» nur die «Heterosexualität und patriarchale Kleinfamilie stabilisiert» werden solle.

Shitstorm-erprobt

Zusatzinhalt überspringen

Die Frau hinter «Emma»

Alice Schwarzer.

Alice Schwarzer (74) ist eine der bekanntesten Vertreterinnen der deutschen Frauenbewegung. Keystone

Hinter der Zeitschrift «Emma» steht die Gründerin und Herausgeberin Alice Schwarzer (74). Sie versteht sich als Feministin. Der Zeitschriftenname «Emma» leitet sich ab von «Emanzipation». Alice Schwarzer ist – mit einem kurzen Unterbruch – seit 40 Jahren die Chefredaktorin der Zeitschrift. Ans Aufhören denkt sie nicht.

Die Redaktion der «Emma» weiss, wie man polarisiert. Sie zähle sich darum auch zu den shitstorm-erprobtesten Redaktionen, heisst es in der aktuellen Jubiläumsausgabe der «Emma». Gründe gibt es genug: beispielsweise, als die Frauenzeitschrift einen Artikel über islamische Fundamentalisten veröffentlichte – übrigens ein Thema, das Alice Schwarzer immer wieder aufs Tapet bringt.

Über ein Dutzend Frauen aus der linksradikalen Szene stürmten daraufhin die Redaktionsräume der «Emma», schnitten Telefonkabel durch und kippten mitgebrachten Mist auf die Schreibtische. Sie sprayten Sprüche an die Wand wie «Schluss mit Rassismus!» oder «Emma verrecke!».

«Ekelhaft!»

Erneute Aufmerksamkeit erhielt die «Emma» kurz nachdem ein Pilot der Fluggesellschaft «Germanwings» Selbstmord beging und die Maschine zum Absturz brachte. Die «Emma» forderte eine «Frauenquote im Cockpit». Grund: Die Selbstmordquote bei Männern sei viermal so hoch.

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Im Netz hagelte es Kritik: «ekelhaft!», «fanatisch!». In der «Basler Zeitung» meldete sich Walter Hollenstein zu Wort. Der emeritierte Professor für politische Soziologie in Basel warf der Zeitschrift «Selbst Tote für die Quote» vor.

«Emma» auch für Männer?

Die Zeitschrift für Frauen macht also auch Politik. So erscheinen immer wieder Artikel, die sich gegen die Pornoindustrie und gegen deren «Ausbeutung der Frau» richten. Diese politische Note im Heft schätzen auch die Leserinnen: Laut eigener Aussage ist fast jede vierte «Emma»-Leserin politisch organisiert.

«Emma» – ein Frauenheft durch und durch also. Selbst am Redaktionstisch sitzen ausschliesslich Frauen. Lediglich im Juli 1988 luden die Redakteurinnen sechs Journalisten ein, um an der Hälfte des Heftes mitzuarbeiten. Die «Emma» erschien dann in einer Ausgabe mit doppeltem Titel: Vorne hiess sie «Emma», hinten «Herbert». Für einige Leserinnen war das zu viel: Sie kündigten ihr Abonnement. Dass die Auflage von 200'000 auf mittlerweile 36'000 Exemplare geschrumpft ist, dürfte auch noch andere Ursachen haben.