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Fabrikarbeiter an Nagelmaschinen 1913
Legende: Fabrikarbeiter Fabrikarbeiter an Nagelmaschinen im Jahr 1913. Ihre Arbeitszeit betrug bis zu 65 Stunden pro Woche. Keystone
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Arbeitszeit in der Schweiz Heute arbeiten wir 41 Stunden pro Woche – einst waren es 90

Heute arbeiten wir in der Schweiz bei einem Vollzeitpensum durchschnittlich 41 Stunden pro Woche. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Zu Beginn der Industrialisierung vor 200 Jahren wurde nicht selten bis zu 15 Stunden pro Tag gearbeitet, und das an sechs Tagen die Woche.

Düstere Vergangenheit

Im 19. Jahrhundert waren die Arbeitsbedingungen in Fabriken katastrophal. Männer, Frauen und Kinder leisteten bis zu 90 Arbeitsstunden pro Woche. Sie litten unter Abgasen, Staub und Lärm. Viele Arbeiter starben vor dem 40. Lebensjahr. In dieser Zeit bestimmten die Patrons die Regeln in den Fabriken. In der Schweiz galten, wenn überhaupt, kantonale Bestimmungen.

Ein entscheidendes Signal setzten die Glarner. Sie wollten einheitliche Regelungen. An der Landsgemeinde von 1864 wurde dem Volk ein «Fabrikgesetz» vorgelegt. Normalerweise wird über so ein Traktandum lange debattiert, nicht beim «Fabrikgesetz». Nach nur zwei Rednern wurde dem Vorschlag zugestimmt. Eine aussergewöhnlich rasche Entscheidung, meint der Historiker und Berufschullehrer Rolf Kamm in der Sendung «Doppelpunkt».

Audio
Glarner Landsgemeinde 1864 mit Signalwirkung
aus Audio SRF 1 vom 19.12.2019.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 11 Sekunden.

Schulunterricht und Mutterschaftsurlaub

Im revidierten Glarner Fabrikgesetzt wurde unter anderem festgelegt, dass Kinder in die Schule und nicht in die Fabrik gehören. Frauen erhielten unbezahlten Mutterschaftsurlaub, sechs Wochen vor und sechs Wochen nach der Geburt. Und die Arbeitszeiten wurden auf maximal 12 Stunden pro Tag, an 6 Tagen in der Woche, beschränkt.

Mit der Bundesverfassung von 1874 erhielt der Bund die Kompetenzen, um endlich ein nationales Fabrikgesetz zu erstellen. Dieses wurde an der Urne knapp gutgeheissen und trat 1878 in Kraft.

Landesstreik brachte Verbesserung

Am 1. Januar 1920 änderten sich die Arbeitszeiten für viele Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeiter in der Schweiz erneut. Die gesetzlich erlaubte Höchstarbeitszeit wurde von 59 auf 48 Stunden pro Woche reduziert. Die 48-Stunden-Woche war eine zentrale Forderung der Gewerkschaften im Landesstreik 1918 gewesen.

Video
Historie Die Entwicklung der Arbeitnehmerrechte
Aus Kassensturz vom 02.05.2017.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 8 Sekunden.

Die Revision wurde ab 1920 in den verschiedenen Branchen verankert. Neben verkürzten Arbeitszeiten verbesserte man auch die Arbeitsbedingungen für Frauen, und die Fabrikpatrons begannen sich vermehrt um das leibliche Wohl der Belgschaft zu kümmern. So wurden zum Beispiel Kantinen eingeführt. Gearbeitet wurde weiterhin von Montag bis Samstag.

1964 wurde das Fabrikgesetz vom Arbeitsgesetz abgelöst. Nach seinen 1998 revidierten Bestimmungen arbeiten wir noch heute.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Die Produktivität und geleistete Arbeit ist bei 42 Stunden nicht besser als bei 38. Dennoch ist bei vielen Betrieben in der Schweiz nach wie vor 42h das Mass aller Dinge. Dabei ist das Festhalten an solch hoher Arbeitszeit einfach nur unsinnig. Es wäre an der Zeit eine Höchstarbeitszeit von 38h bei 100% einzuführen. Der Gesundheit der Menschen zuliebe.
  • Kommentar von Dominik Kessler  (dominikk)
    Und die gesteigert Produktivität der letzten 50 Jahre haben wir lediglich in zusätzlichen Konsum umgemünzt. Dabei könnte man auch weniger arbeiten, dafür weniger haben und glücklicher sein.
  • Kommentar von Felix Schwaibold  (Felix Schwaibold)
    im welchen Jahr ist das forbfoto mit die frau mit den Modernen pc Computer?