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Radio SRF 1 Bananenfrau trifft auf Mundart-Experten

«Persönlich»-Gastgeberin Katharina Kilchenmann begrüsst in Frauenfeld (TG) Aennie Rotzler und den Sprachwissenschaftler Martin Hannes Graf.

«Persönlich»-Gastgeberin Katharina Kilchenmann.
Legende: «Persönlich»-Gastgeberin Katharina Kilchenmann. SRF

Martin Hannes Graf

Martin Hannes Graf.
Legende: Martin Hannes Graf. zvg

Ein Sprachpolizist sei er absout nicht, sagt Martin Hannes Graf. Sprache sei ständig im Wandel und gerade deshalb so spannend. Er erachtet es als seine Aufgabe, die Veränderungen zu dokumentieren, die Herkunft und Bedeutung aufzuzeigen und nicht zu urteilen, was in der Mundart richtig oder falsch sei. Als Redaktor beim Schweizerdeutschen Lexikon «Idiotikon» verfasst er Artikel zu einzelnen Begriffen und bringt so dem Durchschnittssprecher die Mundarten näher. Und wenn er erläutert, warum das Wort «Füdli» in diesem Lexikon nicht unter «F» sondern unter «L» wie «Loch» zu finden ist, dann entbehrt das auch nicht einer gewissen Komik. Auch privat ist Graf eine schillernde Figur. Er spricht leise und gewählt, rührt aber als Tambour lautstark die Trommel. Er ist sanft und zurückhaltend, fährt aber einen Alfa Romeo. Martin Hannes Graf ist, wie die Sprache, letztlich unergründbar.

Aennie Rotzler

Aennie Rotzler.
Legende: Aennie Rotzler. zvg

Aennie Rotzler ist eine der Bananenfrauen der ersten Stunde. Wenn man der 77-Jährigen begegnet, ist sofort klar: Der Kampf für fairen Bananenhandel war nicht ihr einziger und auch nicht ihr letzter Kampf. «Ungerechtigkeiten wie diese kann ich nicht einfach stehen lassen», sagt sie. Schon als Kind sei ihr klar gewesen, dass es sich lohnen würde, zu kämpfen.

Aufgewachsen im Pfarrhaus in einem Dorf nah an der deutschen Grenze, hat sie den Krieg miterlebt. Später lebte sie mit ihrem Mann und den Kindern einige Jahre in Kinshaza in der Demokratischen Republik Kongo und zog nach der Rückkehr in die Schweiz ins Elternhaus in Frauenfeld. «Ich war überfordert», erzählt sie, «plötzlich hatte ich beim Einkaufen sechs Sorten Kaffee zur Auswahl, das war eindeutig zu viel!» Sie brauchte einige Zeit, bis sie wieder an die helvetische Lebensweise gewöhnt war. Auch Ihre Nachbarn mussten sich daran gewöhnen, dass im Hause Rotzler keine Vorhänge den Blick versperrten, und dass Aennie ihre Meinung auch ungefragt kundtat.

2 Kommentare

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  • Kommentar von fabienne wenger, bern
    "Mundart kann mündig machen gegen Bevormundung*, sagte ein Professor aus Bayern. In der Tat lieben Diktatoren die Mundart nicht. Wie Goethe feststellte, widerspiegelt sie die Eigenständigkeit und Charakteristika einer Region. Viva la Mund-Art!
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    1. Antwort von Hans Peter Roth, Frauenfeld
      Grüezi Frau Wenger, Wir sehen, dass sich die Mundart hier bei uns sehr gut und sympathisch behaupten kann. Heute sprechen ja auch sehr gut gebildete, interessante Akademiker gerne und gut Dialekt.. Anders die Situation in Deutschland. Hier gilt beispielsweise ein Schwabe, der "schwäbelt" als Hinterwäldler. Sind wir froh, dass wir's in dieser Hinsicht besser haben. Liebe Grüsse aus Frauenfeld
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