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Radio SRF 1 Bei der Entwicklungshilfe sparen – macht das Sinn?

Wie viel soll die Schweiz ab nächstem Jahr bis 2020 für die Entwicklungshilfe ausgeben? Der Nationalrat debattierte am Donnerstag darüber. Derweil einige für radikales Sparen sind, fordern 75 Organisationen in einem «Weckruf» mehr Geld, um die Not der Ärmsten zu bekämpfen. Die Diskussion im «Forum».

Legende: Audio «Forum»: Die ganze Sendung zum Nachhören abspielen. Laufzeit 56:00 Minuten.
56 min, aus Forum vom 02.06.2016.

Wie können wir die Flüchtlingskrise in den Griff bekommen? Wie schafft man Bedingungen, damit die Menschen gar nicht erst ihre Länder verlassen? «Hilfe vor Ort» scheint das Zauberwort der Stunde zu sein. Doch diese Hilfe kostet.

11 Milliarden Franken für die Entwicklungshilfe

11 Milliarden Franken beantragt der Bundesrat in seiner Botschaft zur Internationalen Zusammenarbeit 2017 bis 2020 beim Parlament. Das sind 0,48 Prozent des Bruttonationaleinkommens.

Legende: Video Debatte um Schweizer Entwicklungshilfe abspielen. Laufzeit 1:47 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 02.06.2016.

Die Botschaft des Bundesrates zur Entwicklungshilfe der nächsten vier Jahre wurde im Nationalrat kritisiert. Letztlich ist der Nationalrat aber auf den Rahmenkredit eingetreten. Damit stützt die Grosse Kammer den Kurs des Bundesrates, die Mittel für die Internationale Zusammenarbeit (IZA) stabil zu halten. Der Ständerat wird sich erst noch mit dem Geschäft befassen.

11 Milliarden seien zu wenig, finden derweil 75 Organisationen, darunter viele Hilfswerke. Sie beziehen sich dabei auf die UNO-Empfehlungen, wonach 0,7 Prozent des Nationaleinkommens in die Entwicklungshilfe und die Internationale Zusammenarbeit gehören.

Viel Kritik an der westlichen Entwicklungshilfe

Internationale Kritiker stellen die Entwicklungshilfe-Politik der westlichen Länder in vielerlei Hinsicht in Frage. Zum Beispiel: Viel Geld bedeute noch nicht viel Hilfe. Es führe zu einer «Bettlermentalität». Arme Länder müssten mehr Eigenverantwortung übernehmen.

Eigenverantwortung sei gut und recht, sagen andere. In der Zwischenzeit würden jedoch abertausende von Menschen vor Bürgerkrieg, Klimakatastrophen und Armut in den Norden flüchten.

Wieder andere kritisieren die Geldvergabe an Länder mit korrupten Regimes. Und manche Kritiker möchten eine engere Zusammenarbeit mit wenigen Ländern anstatt mit über 100, wie es beispielsweise die Schweiz tut.

«Forum» auf Radio SRF 1

Wie lässt sich die Not in der Welt lindern? Wie viel soll die Schweiz für die Entwicklungshilfe ausgeben und an wen soll die Hilfe gehen? Darüber diskutierten am Donnerstag folgende Gäste mit Hörerinnen und Hörern:

Porträt von Lucy Koechlin.
Legende: . zvg
Es braucht mehr Mut und politische Vision in der Entwicklungs- Zusammenarbeit.
Autor: Lucy KoechlinPolitikwissenschaftlerin und Dozentin, Centre for African Studies Basel
Porträt von Roland Büchel.
Legende: . Keystone
Immer mehr Geld für die Entwicklungshilfe geht nicht. Das müssen wir in den Griff kriegen.
Autor: Roland Rino BüchelPräsident der Aussenpolitischen Kommission, Nationalrat SVP
Porträt von Melchior Lengsfeld.
Legende: . Keystone
Es ist den Menschen nicht gleichgültig, was in ärmeren Ländern passiert – dass etwa alle fünf Sekunden ein Kind an Armut stirbt.
Autor: Melchior LengsfeldPräsident Alliance Sud, Geschäftsleiter Helvetas

41 Kommentare

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  • Kommentar von MAXIMILIAN EISEN, 6340 Baar
    Frau Köchlin aus Basel hat vorhin einen Denkfehler gemacht. Sie meinte, die lokale Bevölkerung solle von der regierenden Klasse mehr Rechenschaft einfordern. Die meisten Empfängerländer sind in Stämmen organisiert und stellen die Klientel der Behörden dar. Sie erhalten Almosen von oben und halten den Mund, sonst kriegen sie nichts mehr. Jene, die nicht den regierenden Stämmen angehören, haben absolut keine Chance, Rechenschaft einzufordern, sie würden höchstens ausgelacht oder verfolgt.
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  • Kommentar von christoph helfenstein, Basel
    Den Menschen ihren Stolz und die Würde zurückgeben. Nicht wie bisher Almosen, welche sich die Korrupten unter den Nagel reissen, sondern die Möglichkeit ein Teil der Wirtschaft zu sein. Die Produkte direkt beim Produzenten, dem Erbringer der Dienstleistung, bezahlen. Nicht über IG, Genossenschaften. Ca 1970 wurde zu Spenden aufgerufen, "Hilfe zur Selbsthilfe". Ziel: Bis 1985- 1990 braucht Afrika keine Unterstützung mehr. Diese Politik ist gescheitert. Benutzer: ch.helfenstein
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  • Kommentar von Walter Beeli, Amden
    Für mich macht Entwicklungshilfe in denjenigen Ländern Sinn, in welchen mit der Schweiz gut zusammengearbeitet wird. Dagegen kann man die Entwicklungshilfe in Ländern, die sich weigern abgewiesene Asylbewerber zurückzunehmen, als Druckmittel rigoros streichen!
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