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Radio SRF 1 Darf man Dreijährige in den Deutschunterricht schicken?

Spricht ein Kindergartenkind kein Deutsch, versteht es nicht, was die Kindergärtnerin verlangt oder das Gspändli erzählt. Schlechte Startbedingungen. Deshalb sollen fremdsprachige Kinder schon vor dem Kindergarten Deutschkurse besuchen.

Legende: Audio ««Forum» – Die ganze Sendung hören» abspielen. Laufzeit 54 Minuten.
54 min, aus Forum vom 21.04.2016.

Wenn fremdsprachige Kinder im Kindergarten noch kein Deutsch sprechen, haben sie einen erschwerten Schulstart. Der Zürcher Kantonsrat will nun handeln und hat letzte Woche beschlossen, dass ein Gesetz zur Frühförderung ausgearbeitet werden soll. Kinder, die zu wenig gut Deutsch sprechen, sollen schon vor dem Kindergarten Deutschkurse besuchen.

Darf Deutschunterricht obligatorisch sein?

Der Kanton Basel-Stadt kennt dieses Modell bereits seit 2013. Dreijährige Kinder, die ungenügend Deutsch sprechen, müssen an zwei Halbtagen eine Spielgruppe oder eine Tagesschule besuchen, in der sie in Deutsch unterrichtet werden.

Solche Massnahmen darf man nicht als obligatorisch erklären, meint Verena Herzog, Nationalrätin und ehemalige Kindergärtnerin aus dem Kanton Thurgau. Grundsätzlich liege die Integration der Kinder in der Verantwortung der Familie. Diese müsse die bereits vorhandenen Angebote besser nutzen, meint sie.

Deutschunterricht – je früher, desto besser

Frühförderung sei wichtig, sagt Andrea Lanfranchi, Professor an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik. Aber eigentlich müsste man bereits nach der Geburt der Kinder anfangen und nicht erst mit drei Jahren. Je früher ein Kind die Sprache hört, desto grösser sei der messbare Effekt, sagt der Wissenschaftler.

Porträt von Andrea Lanfranchi.
Legende: Andrea Lanfranchi, Leiter Forschung und Entwicklung an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik. zVg
Im Kindergarten Deutsch lernen ist zu spät. Wir müssen bereits am Wickeltisch ansetzen, das zeigt unsere Forschung.
Porträt Mustafa Atici.
Legende: Mustafa Atici, Kantonsrat SP (BS). Keystone
Die fremdsprachigen Eltern in Basel sind sehr dankbar, dass ihre Kinder bereits vor dem Kindergarten in Deutsch gefördert werden.
Porträt Verena Herzog.
Legende: Verena Herzog, Nationalrätin SVP (TG). Keystone
Der Staat darf nicht 3-jährige Kinder zu Deutschkursen zwingen. Es sind die Eltern, die in der Pflicht stehen.

Was bringen solche Kurse bei Kleinkindern? Sollen Eltern, die zu wenig für die sprachliche Integration der Kinder unternehmen, an den Kosten beteiligt werden dürfen? Im «Forum» diskutierten Experten mit Hörerinnen und Hörer diese Fragen.

Experten im «Forum» sind:

  • Mustafa Atici, Kantonsrat SP (BS)
  • Vena Herzog, Nationalrätin SVP (TG), ehemalige Kindergärtnerin
  • Andrea Lanfranchi, Leiter Forschung und Entwicklung an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik

60 Kommentare

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  • Kommentar von L.Leuenberger, Zürich
    Seitdem ich erfahren habe, dass die Gemeinden 2 mal pro Woche kostenlosen Deutschunterricht für die Kindergärtner anbieten, bin ich gespannt auf die nächsten Steuererhöhungen. Noch krasser fand ich die Suche nach Dolmetschern, die bulgarisch, rumänisch, polnisch etc (alles Sprachen der Neuen-EU-Länder) sprechen, die den Eltern während der Schulzeit beistehen können. Diese neuen Integrationsprogramme ruinieren unsere Gemeindekassen und vernichten die Eigenverantwortung der Eltern Falsche Signale
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Zur Integration gehört - jedenfalls in der Deutsch-CH - mE auch Dialekt. In meiner Umgebung beobachte ich aber, dass, weil hier noch keine Kindipflicht besteht, gewisse Ausländerkinder von Anfang an von unsern Kindern ferngehalten, erst zur oblig.Schule geschickt werden, um so lange wie möglich den Einfluss westl.Kultur von ihnen fernzuhalten. Ausländerkinder sollten schon in Sandkasten, Spielgruppen+Kindi mit CHer Kindern zusammenkommen, darauf kann man aufbauen. Eltern stehen in der Pflicht.
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  • Kommentar von A.Eberli, Zürich
    Die Schweiz hat schlichtweg ein Einwanderungsproblem. Sie lässt die Türen offen für jeden dahergelaufenen "Spinner". Auch solche die nicht bereit sind eine Landessprache zu lernen geschweigen den seinen Kindern beizubringen. Grundsätzlich sollte über längere Zeit nur jemand im Land leben dürfen, der eine der Landessprachen beherrscht. Wer nach 2-3 Jahren es immer noch nicht geschafft hat von sich aus eine der Sprachen zu erlernen, soll das Land wieder verlassen müssen. Egal woher er stammt!
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