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Schweizer kehren den Landeskirchen den Rücken – ist das schlimm?
Aus Forum vom 05.12.2019.
abspielen. Laufzeit 56:42 Minuten.
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Diskussion im Forum Schweizer kehren den Landeskirchen den Rücken – ist das schlimm?

Schweizweit geben mittlerweile 25 Prozent der Menschen bei Umfragen an, sie gehörten keiner Religion an. Ist das schlimm? Oder einfach der Lauf der Dinge? Diskutieren Sie mit!

In der Schweiz leeren sich die Kirchen. Nirgendwo zeigt sich das so exemplarisch wie in der Stadt Basel. Hier ist bereits jeder Zweite konfessionslos.

Früher war es einfacher

Früher waren alle katholisch oder reformiert. Alle bezahlten Kirchensteuern. Fast alle besuchten Gottesdienste und in der Schule den Religionsunterricht. Bis in die 1970er-Jahre hinein.

Heute sind nur noch sechs von zehn Einwohnerinnen und Einwohnern katholisch oder reformiert. Die Konfessionslosen, die den einst mächtigen Landeskirchen den Rücken gekehrt haben, machen schon einen Viertel aus. 7,5 Prozent sind in Freikirchen, jüdischen Glaubens, buddhistisch oder hinduistisch. 5 Prozent sind Muslime.

Kuchendiagramm mit Erklärungen.
Legende: Religionszugehörigkeit der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren. Bundesamt für Statistik BfS

Reformierte Kirchen leiden mehr unter Austritten

Vorab in den grossen, traditionell reformierten Städten sieht es für die Kirchgemeinden bitter aus. In der Stadt Bern zum Beispiel ist die Zahl der Reformierten allein in den letzten 30 Jahren um über einen Drittel geschrumpft, von gut 84'000 auf knapp 52'000.

Aber auch die römisch-katholische Kirche kämpft mit Austritten. Auf einen Eintritt kommen in der römisch-katholischen Kirche zwanzig Austritte. Die Katholiken sind in der Schweiz mit 36 Prozent die grösste Religionsgruppe. Ein wichtiger Grund dafür ist die Zuwanderung aus katholischen Ländern wie Italien, Portugal, Lateinamerika oder Kroatien.

Austritte wegen Papst

Zu vermehrten Austritten kommt es häufig nach Skandalen in der Kirche. Ein Beispiel sind die umstrittenen Äusserungen von Papst Franziskus vor einem Jahr. Während der Generalaudienz stellte der Papst Abtreibung mit Auftragsmord gleich. Darauf traten sechs prominente Schweizer Frauen aus Protest aus der Katholischen Kirche aus.

Konfessionslos heisst nicht gottlos

Oftmals wenden sich die Menschen, die aus der Kirche austreten, nicht anderen Religionen zu, sondern werden konfessionslos. Bei Konfessionslosen handelt es sich oft um Agnostiker, Atheisten oder Humanisten. Konfessionslose sind nicht notwendigerweise ungläubig, ebenso wenig wie Angehörige des Christentums zwingend gläubig sind.

Diskutieren Sie im «Forum» mit

Ist das Christentum in der Schweiz auf dem Rückzug? Und ist das zu beklagen oder einfach der Lauf der Dinge? In der Sendung «Forum» diskutierten die folgenden Gäste:

  • Nada Peratovic, Freidenker-Vereinigung Schweiz. Die Feministin ist Autorin des Kinderbuchs «Humanismus für Kinder»
  • Michel Müller, Pfarrer und Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich
  • Sibylle Lehmann, Kirchenrätin katholische Kirchgemeinde Stadt Luzern

33 Kommentare

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  • Kommentar von Horst Baumgartner  (Coira)
    Jemand schreibt hier: was mich hält sind die Menschen hier z.B. kath. Frauenbund. Als ob es nirgendwo anders Menschen gäbe! Jemand schreibt, welche Werte bleiben denn übrig? Ja welche Wert hat denn die Kirche? Warum wohl treten denn so viele aus? Weil die Werte der Kirchen, Wert haben? Na, dann studiert mal Welt- und Religionsgeschichte! Jemand anders schreibt: in einer Freikirche kann man so viel spenden wie man will. Es wird mindestens 10% erwartet vom Chefbuch und deren Klerikern erwartet!
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  • Kommentar von Simone Curau-Aepli  (CurauAepli)
    Das Bedürnis der Menschen nach Zugehörigkeit ist unvermindert gross. Es ist aber mein bewusster Entscheid, welchen Hut ich aufsetze und wem ich meinen Zehnten heute abgebe.
    Ich bin noch katholisch, obwohl ich mich weder mit den Strukturen noch mit vielen Dogmen identifizieren kann. Was mich hält sind die Menschen, in der Pfarrei, im Freundinnenkreis und im SKF Schweizerischer Katholischer Frauenbund. Wir sind Kirche und kämpfen für mehr Glaubwürdigkeit, leider oft gegen Windmühlen.
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  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Die Frage ist, was kommt nach dem Christentum? Welche Werte bleiben übrig? Ist die Welt dann besser? Wie funktioniert eine Gesellschaft, in welcher die Menschen keinen Grundkompass mehr haben, nach dem sie sich richten können? Es wird schwieriger und die Gefahr des Extremismus steigt. Extremismus kann gewaltverherrlichende Ideologie sein, aber auch subtilere Formen: Was ist altes Leben noch Wert? Bezahlte Leihmutterschaft? Bagatelisierung von Mord und Totschlag (Er war halt unter Drogen). Etc.
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