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Legende: Audio «Wenn man das einmal gesehen hat, lässt es einen nie mehr los» abspielen. Laufzeit 46:33 Minuten.
46:33 min, aus Doppelpunkt vom 16.04.2019.
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Drei Jahre danach Gefragte Schweizer Flüchtlingshilfe

Hebammen, die schwangere, geflüchtete Frauen in einem Lieferwagen betreuen, eine Organisation, die sich in Serbien um geflüchtete Kinder kümmert und ein Projekt, das medizinisches Mobiliar für zerstörte Spitäler in Syrien sammelt: Schweizer Engagement ist noch immer hochwillkommen.

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Mittelmeerraum haben zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer Einsätze geleistet. Sie fuhren nach Lesbos, Athen oder an die Balkanroute. Das war 2016. Inzwischen ist die Lage nicht mehr ganz so dramatisch, doch noch immer sind Millionen von Menschen auf der Flucht; die Hälfte davon sind Kinder unter 18 Jahren. Vor drei Jahren hat Reporterin Rebekka Haefeli verschiedene Schweizer Helferinnen und Helfer getroffen. Was hat sich inzwischen verändert? Was ist neu? Fazit: Schweizer Einsatz ist weiterhin gefragt; unter anderem in Athen, einem Schmelztiegel für Flüchtlinge.

Hebammen im Post-Bus

Die beiden Hebammen sitzen in der geöffneten Heckklappe des Lieferwagens, den sie mit zur bequemen und mobilen Beratungsstation für Mütter umgebaut haben.
Legende: Eli Reust und Laura Alemanno in ihrem umgebauten Lieferwagen. Damit besuchen die beiden Hebammen werdende Mütter in der Stadt Athen und in den Lagern für Geflüchtete. MAMbrella

In der griechischen Hauptstadt engagieren sich einige junge Schweizer Hebammen mit ihrem Projekt «Mambrella». In einem umgebauten Lieferwagen der Schweizer Post betreuen sie schwangere Flüchtlingsfrauen. Sie besuchen zudem Mütter, die eben erst ein Kind geboren haben, in den Flüchtlingslagern.

Die Frauen fühlen sich in ihrer besonderen Situation oft sehr allein.
Autor: Eli Reust

«Die Frauen fühlen sich in ihrer besonderen Situation oft sehr allein», sagt Eli Reust von «Mambrella». «Die ärztliche Betreuung ist zwar nicht schlecht, doch die Frauen werden kaum einmal gefragt, wie es ihnen geht.» Das Hebammenprojekt kam durch ein Crowdfunding zustande und wird weiterhin durch Spendengelder finanziert.

Zerbombte Spitäler in Syrien

Florenz Schaffner setzt sich seit mehreren Jahren für das Projekt «Volunteers for Humanity» ein. Die im Kanton Aargau gegründete Organisation hat sich auf die Hilfe in Syrien spezialisiert. Sie sammelt in der Schweiz ausgemustertes Spitalmobiliar, Geräte aus Arztpraxen und medizinisches Hilfsmaterial wie Verbände, OP-Tücher oder Damenbinden und schickt es nach Syrien. Dort wird es dringend benötigt. Zum Beispiel in teilweise zerbombten Spitälern, die wieder aufgebaut werden.

Florenz Schaffner steht, angelehnt an einen grossen Stapel Kartonkisten, in einer Lagerhalle.
Legende: Florenz Schaffner mit medizinischen Hilfsgütern. Vorher hat er Geflüchtete am Strand von Lesbos betreut, heute verteilt er unter anderem ausgemustertes Schweizer Spitalmobiliar an Spitäler in Syrien. ZVG / Volunteers for Humanity

Florenz Schaffners persönliches Engagement hat sich in den vergangenen drei Jahren stark verändert.

Wenn man das einmal gesehen hat, lässt es einen nie mehr los.
Autor: Florenz Schaffner

2016 war er nach Lesbos gereist, um am Ufer der griechischen Insel vollkommen erschöpfte Bootsflüchtlinge in Empfang zu nehmen. «Wenn man das einmal gesehen hat, lässt es einen nie mehr los», sagt er. Die Art, wie er heute Hilfe für Geflüchtete leistet, ist in seinen Augen aber nicht weniger effektiv.

Ein Lagerraum mit vielen, aufeinandergestapelten und aufgestellten Spitalbetten.
Legende: Die ausgemusterten Schweizer Spitalbetten werden nach Syrien transportiert. In den dortigen, teils vom Krieg beschädigten Spitälern, fehlt es oft an medizinischem Mobiliar. SRF / Rebekka Haefeli

Sein Einsatz löst hier in der Schweiz nicht bei allen ein positives Echo aus. Schaffner erzählt, manche Leute könnten nicht verstehen, warum er sich noch immer für Flüchtlinge einsetze. Seit das Thema nicht mehr täglich von den Medien aufgegriffen werde, sei das Bewusstsein für die Problematik leider deutlich kleiner geworden.

Ein Haus für minderjährige Flüchtlinge

Vanja Crnojevic verteilte 2016 Schlafsäcke und Lebensmittel im Flüchtlingslager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze. Heute unterstützt ihre Organisation, die «Borderfree Association», minderjährige Flüchtlinge in Serbien. Vor wenigen Wochen hat sie eine Unterkunft für Kinder und Jugendliche eröffnet, die allein auf der Flucht sind.

Ein Porträtfoto von Vanja Crnojevic, einer jungen Frau, mit braunen Haaren und schwarzem Pullover. Sie sitzt vor einem Zaun und blickt enschlossen in die Kamera.
Legende: Vanja Crnojevic arbeitet für die «Borderfree Association» in Serbien. Dort hat sie eine Unterkunft für Kinder und Jugendliche eröffnet, die allein auf der Flucht sind. ZVG / Borderfree Association

Die Schweizer Hilfsprojekte sind mittlerweile gut miteinander vernetzt. So haben «Volunteers for Humanity» auch schon mit der «Borderfree Association» von Vanja Crnojevic zusammengearbeitet.

1 Kommentar

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  • Kommentar von heinz gugelmann (henri)
    Diese Meldungen zeigen uns, dass ein Überfluss an Wohlstand auch seine positiven Seiten haben kann. Wie könnten wir sonst helfen? Ich danke auch den Menschen die sich physisch zur Verfügung stellen. Ich selber trage Materialien auch Spitalbetten bei Help Point zusammen. Diese Güter werden zweimal jährlich mit ca. 5 Containern in die Ostukraine geliefert. Fahrzeuge sowie die eigene Zeit mit Verpflegung und Unterkunft trägt jeder selber. Danke an ALLE die über den eigenen Tellerrand hinausschauen.
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