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Radio SRF 1 Haben Sie noch Vertrauen in die Volksschule?

Privatschulen in der Schweiz haben Zulauf. Woher kommt die Entwicklung? Und was hat sie für Auswirkungen auf unsere Gesellschaft? Machen auch Sie sich Sorgen, dass Kinder in der Volksschule nicht auf ihre Rechnung kommen? In der Livesendung «Forum» diskutierten Experten und Hörer.

Legende: Audio ««Forum»: Die Sendung zum Nachhören» abspielen. Laufzeit 56 Minuten.
56 min, aus Forum vom 29.06.2017.

Im Kanton Zürich zum Beispiel ist die Zahl der Privatschulen in den letzten Jahren um 20 Prozent gestiegen. In manchen Gemeinden der Kantone Zürich und Zug besucht heute fast jedes vierte Kind eine Privatschule. Schweizweit ist es rund jedes zwanzigste Kind. Warum entscheiden sich viele Eltern, ihre Kinder in eine Privatschule zu schicken?

In der Sendung «Forum» diskutierten

  • Carl Bossard, Lehrer und Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule Zug
  • Peter Frey, Privatschul-Rektor und Co-Präsident des Verbands Zürcher Privatschulen (VZP)
  • Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogik beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH)

Carl Bossard, Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule Zug, ist über den Trend besorgt: «Öffentliche Schulen mussten in den letzten Jahren viele Aufgaben zusätzlich übernehmen, etwa die Integration und Frühsprachen. Das alles fordert, und vielleicht überfordert es die Schulen», sagt er. «Wir haben Zeichen, dass die Volksschule ihren Auftrag nicht mehr in dem Masse erfüllen kann, wie sie es auch schon getan hat.»

Privatschulen profitieren

Die Privatschulen hingegen sind im Aufwind. Peter Frey vom Verband Zürcher Privatschulen meint, dass viele Eltern unwohl seien mit der Volksschule. Das erlebe er in den zahlreichen Aufnahmegesprächen. «Sie wollen, dass ihr Kind etwas erreicht im Leben», sagt Frey, selber Rektor der Freien evangelischen Schule in Zürich. Der gute Ruf und ein gewaltfreies Umfeld seien Gründe, warum sich Eltern für sein Angebot entscheiden würden.

Volksschule muss reagieren

Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogik des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, hat Verständnis für die allgemeine Verunsicherung. «Die Ansprüche der Eltern an die Schule sind gestiegen», sagt Brühlmann. «Die Schule steht heute unter einem enormen Druck.» Doch um all die Ansprüche zu erfüllen, die die Gesellschaft an die Volksschule heranträgt, brauche sie genügend Raum, um sich zu entwickeln, Austausch mit anderen Schulen – und wohl auch mehr finanzielle Ressourcen.

48 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Hess (Glücksschule)
    Ich wünsche mir sehr, dass die öffentliche Schule sich immer mehr zu einem Ort entwickelt, an dem die einzelnen Lernenden ihr gesamtes Potential entwicklen können und lernen in ihren ureigenen Fähigkeiten und Talente zu vertrauen. Dafür braucht es aber auch auch Strukturen, welche die Beziehung von Lehrpersonen und Lernenden stärken und die es auch den Lehrpersonen ermöglichen ihr Potential ganz zu entfalten! Schule sollte für Lernende, Lehrpersonen, Schulleitung und Eltern Glücksschule sein!
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  • Kommentar von Barbara Omoruyi (Barbara Omoruyi)
    Die öffentlichen Schulen brauchen Privatschulen- als Hoffnung und Alternative. Als Mutter von vier Kindern, Schulleiterin und langjährige Primarlehrperson stelle ich fest, dass es Fälle gibt, in denen ein Kind im öffentlichen Schulsystem 'strandet' und keine Antworten auf spezifische Herausforderungen gefunden werden können. Diese Situation kann unerwartet eintreten und einen hohen Leidensdruck erzeugen. Die freie Schulwahl wäre ein faires System zur Prävention von solchen Notsituationen.
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    1. Antwort von Franziska Widmer (FW)
      Wunderschön geschrieben, Barbara Omoruyi! Wir haben 2 von 3 Jungs, die in diesem Schulsystem zwischen Stühle und Bänke standen und in diesem Schulsystem mehr schlecht als recht zurechtgekommen sind. Wir sind froh, war Homeschooling für uns nach jahrelangen Schulfrusten eine mögliche Option. Handwerklich begabte Kids haben Mühe, stundenlang still auf dem Stuhl zu sitzen und mit Papier und Bleistift beschäftigt zu sein. D. ist nun bereits Landschaftsgärtner EFZ, L. Möbelschreiner EFZ.
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  • Kommentar von Marie-Theres Hugentobler (MTH)
    Privatschulen geben vielen Kindern wieder ihr Selbstwertgefühl zurück. Es ist schön zu sehen, wie das Kind wieder aufblüht und mitmacht, interessiert ist und wieder leben lernt. Es ist einfach wunderbar, dass es Privatschulen gibt, welche bei solchen Situationen helfen. Der Lehrplan wird eingehalten. Und die Kinder lernen einander zu achten und Mobbing ist kein Thema mehr. Leider müssen solche Schulen ohne die finanzielle Unterstützung der Kantone auskommen.
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