Heilige Berufe in Schweizer Gotteshäusern

Hinter den Türen von Schweizer Klöstern gehören fast vergessene Arbeiten zum Alltag. Berufe, die ausserhalb der Gotteshäuser kaum ausgeübt werden. Die Reportage zeigt die Arbeit im Kloster St.Gallenberg in Oberbüren, der Huggler Holzbildhauerei in Brienz und dem Kloster Fahr bei Unterengstringen.

Schwester Bernadette sitzt seit 53 Jahren am Webstuhl. Sie sieht die Arbeit wie einen Gottesdienst. «Die Arbeit passt deshalb gut in meinen Alltag und bereitet mir grosse Freude.», erzählt die 81-Jährige.

Aus den einzelnen Fäden in verschiedensten Farben, weben die Schwestern über sieben Meter lange Stoffe. Die selbst gewobenen Stoffe verarbeiten sie dann im unteren Stockwerk im hauseigenen Nähatelier weiter zu Gewändern. In der Bildergalerie oben, tauchen Sie in den Arbeitsalltag von Schwester Bernadette ein.

Von der Orgel zum Webstuhl

Das Kloster Fahr ist ein Frauenkloster, welches zum Kloster Einsiedeln gehört und als das Zentrum für sakrale Textilien bekannt ist. In der grossen Werkstatt fertigen sie diverse liturgische Gewänder an. Von Erstkommunions- und Messgewänder über die Tunika bis hin zu den Talaren, um nur ein paar zu nennen.

Die Schwestern des Klosters werden von externen Fachfrauen unterstützt. Mit ihnen können sie wertvolles Wissen teilen und austauschen.

Da die Schwestern immer wieder Gebetszeiten haben, sind sie froh um die Unterstützung der Externen, da sie somit viel effizienter arbeiten können.

Beim Weben braucht man nicht nur die Hände, sondern man muss auch Fussarbeit leisten. Schwester Veronika sieht hier einen Zusammenhang zur Orgel: «Ich habe früher Orgel gespielt und denke beim Weben immer an die Ähnlichkeit mit den Orgelpedalen.»

Holzbildhauerei: ein filigranes Handwerk

«Ich schnitze lieber die Maria als den Josef», erklärt uns Ruth Fischer lachend. Dabei arbeitet sie mit den Schnitzwerkzeugen gekonnt an einer Maria-Figur. Auch wenn Ostern vor der Türe steht, beschäftigt sich die Huggler Holzbildhauerei in Brienz mit Krippenfiguren. «In unserem Betrieb herrscht das ganze Jahr Weihnachten.», sagt Heinz Linder, Chef der Holzbildhauerei.

Gewisse Modelle fertigen die Mitarbeiter der Holzbildhauerei immer wieder an, was die Arbeit erleichtert. Gewisse Motive entwerfen sie jedoch frisch, bringen ihre Ideen mit einer Skizze auf Papier und entwickeln weitere Änderungen während dem Schnitzen.

Höchste Konzentration ist bei der Arbeit mit Holz gefordert, denn nur beim kleinsten Verschnitzer, kann die Figur kaputt gehen. Vor allem die Gesichtspartien zählen zu den heikelsten Stellen und verlangen viel Feingefühl.

Hostienbäckerei – von Mehl, Wasser und heissem Eisen

Sobald das Hostieneisen heiss genug ist, geben die Schwestern Scholastika und Petra das Gemisch aus Mehl und Wasser auf die Platte und pressen den Teig während zwei Minuten. Schwester Scholastika erklärt, wie sie diese Zeit nutzt: «Ich bete mit dem Rosenkranz, lese ein Buch oder ich bin einfach.» Die Bildergalerie zeigt den Prozess vom Pressen des Teiges über das Schneiden der Ränder des Hostienblattes bis zum Ausstechen der kleinen und grossen Hostien.

Nicht selten besuchen Schulklassen die beiden Schwestern beim Hostienbacken, wobei sich Schüler und Schwestern austauschen können. Dies wird als spannende Erfahrung angesehen, da die Schüler viele Fragen stellen, welche oftmals auch zum Schmunzeln sind. «Eine häufig gestellte Frage ist, ob wir den Schleier auch beim Schlafen tragen oder was für Kleidung wir im Bett tragen», erzählt Schwester Petra. «Vor allem für 3. Klässler ist es meistens unvorstellbar, dass wir keinen Mann haben.»

Restaurierung sakraler Gegenstände: Jede Figur hat ihre Geschichte

«Die abgetragene Farbe am heiligen Antonius lassen wir so, als Zeugnis der Anbetung.», erklärt Silvia Fontana. Sie leitet beim grossen Familienbetrieb Fontana & Fontana in Rapperswil-Jona die Abteilung Restaurierung, Konservierung und Vergolderei. Der Atelierraum der Firma ist eine Kombination von Werkstatt und Museum mit Gemälden, Figuren und Kerzenständer.

Risse ausbessern, Wurmlöcher untersuchen und Bemalungen auffrischen – in der Werkstatt warten viele Figuren darauf, restauriert und repariert zu werden.

«Ich schaue mit einer gewissen Ehrfurcht auf die Figuren und denke oft darüber nach, was eine solche Figur bereits erlebt hat», sagt Silvia Fontana beim Anblick der Antonius Figur. «Es ist nicht bloss Alltag, obwohl wir jeden Tag solche Figuren machen, denn jede Figur hat ihr Leben und deshalb einen enormen Wert.»