Sabine Dahinden: «Es war ein farbiger und emotionaler Tag»

In der Stiftung Sonnenhalde leben 32 Menschen mit Mehrfachbehinderung. Da gibt es viel zu tun. «Helden des Alltags»-Botschafterin Sabine Dahinden ist mit dem freiwilligen Helfer Christian Peter unterwegs und packt selber mit an. Hier gibt es den bewegenden Tag in Ton und Bild.

In den frühen Morgenstunden geht es für die «Helden des Alltags»-Botschafterin los. Es gibt viel zu tun. 115 Mitarbeitende teilen sich 85 Vollzeitstellen. Daneben arbeiten zehn Freiwillige regelmässig im Heim mit. Sabine Dahinden ist für einen Tag eine davon. Sie bezeichnet sich als blutige Anfängerin. Aber die Moderatorin geht beherzt ans Werk.

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Stiftung Sonnenhalde

Stiftung Sonnenhalde

Die Stiftung Sonnenhalde in Münchwilen (TG) bietet 32 Menschen mit einer Mehrfachbehinderung ein Zuhause. Hinzu kommen 16 Tagesplätze und eine Ferienentlastungsgruppe mit sechs Plätzen.

Erste Begegnung mit den Bewohnern

Tagwache bei Ertan Karabayir. Seit Tagen haben die Betreuer den geistig und körperlich behinderten Bewohner auf den Besuch von Sabine Dahinden vorbereitet. Er scheint sich auf die Freiwillige zu freuen. Das Zähneputzen, eine intime Angelegenheit, geht singend über die Bühne.

Ab in die Werkstatt

Die Bewohner in der Sonnenhalde brauchen einen klar strukturierten Tagesablauf. Zwischen 9 und 10 Uhr geht es an die Arbeit. Sabine Dahinden geht diesmal Matthias Ellert zur Hand. Seine Aufgabe ist es, Korkzapfen abzulängen. Sabine Dahinden sorgt dafür, dass immer genügend Kork in der Maschine ist.

Ab ins Wasser zur Hydrotherapie

Noch vor dem Mittagessen steht ein Besuch im Hallenbad an. Geri Hermle kann die Hydrotherapie kaum erwarten. «Für Menschen, die an den Rollstuhl gefesselt sind, bedeutet der Aufenthalt im Wasser Freiheit», erklärt Christian Peter, der seit Jahren als Freiwilliger in der Sonnenhalde tätig ist. Für Sabine Dahinden ist die Begegnung mit Geri Hermle ein besonders emotionaler Moment.

Mit dem Kopf den Ton angeben

Remo Wüst kann nicht sprechen. Ein Computer hilft ihm dabei, sich zu verständigen. Sabine Dahinden ist beeindruckt von dieser Art der Kommunikation. Dank dem Sprachcomputer kann Remo Wüst alles sagen – nur dauert es sehr lange. Geduld ist angesagt, und diese Eigenschaft brauchen hier alle.

Hundefachliteraur statt Donald Duck

Auf dem Programm steht nach dem Mittagessen das Vorlesen. Ertan Karabayir liebt Donald Duck, aber als Sabine Dahinden ihn besuchen will, muss das Programm kurzfristig umgestellt werden. Ertan hat keine Lust. So kommt Rahel Rohner in den Genuss. Ihr Thema ist nicht Donald Duck – sie bevorzugt die Hundefachzeitschrift.

Hoch zu Pferd in den Nachmittag

Ertan (33) ist wieder bereit, sich auf das weitere Programm einzulassen. Bei ihm steht die Hypotherapie an. Diese fördert beim schwerbehinderten Mann das Gleichgewicht. Sabine Dahinden hat bemerkt, dass sich auf dem Pferd die Verkrampfung bei Ertan löst.

Christian Peters Geschichte

Als Christian Peters Bruder vor über zwei Jahrzehnten an den Folgen eines Autounfalls starb, wusste der IT-Fachmann: Wäre sein Bruder am Leben geblieben, wäre er schwerstbehindert gewesen.

Christian Peter im Gespräch mit einer Reporterin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Christian Peter. SRF

In der Folge spendete Christian Peter jedes Jahr der Stiftung Sonnenhalde etwas Geld. Später halfen er und seine Frau beim jährlichen Basar im Heim mit. Seit drei Jahren ist er jeden dritten Samstag als Freiwilliger im Einsatz. Er gibt den Bewohnern Essen ein und greift auch einmal zu Staubsauger und Putzlappen.

Christian Peter arbeitet 100 Prozent im IT-Bereich einer Versicherungsgesellschaft. In der Stiftung Sonnenhalde wird er mit einer völlig anderen Welt konfrontiert. «Im Umgang mit den mehrfachbehinderten Menschen zählen plötzlich Begriffe wie Effizienz und Tempo nichts mehr», sagt er. «Hier merke ich, dass es im Leben noch andere Werte gibt als die, die meinen hektischen Alltag bestimmen.»