Herbert Grönemeyer: «Ein Hühnerbein vor jedem Konzert»

Herbert Grönemeyer plaudert bei «Persönlich»-Gastgeberin Katharina Kilchenmann aus dem Nähkästchen. Der Musiker erzählt Anekdoten aus seiner Kindheit, verrät warum er vor jedem Konzert ein Hühnerbein isst und gibt zu, dass er manchmal den Text seiner Lieder selber nicht im Kopf hat.

Herbert Grönemeyer ist kein Frühaufsteher. Erst nach Mitternacht komme er richtig in Schwung, gehe selten vor zwei oder drei Uhr morgens ins Bett. Eine Angewohnheit, die er von seiner Mutter übernommen habe. Wenn er als Kind ins Bett gegangen sei, habe sie noch rumgewerkelt bis in die tiefe Nacht hinein.

Diese Geschichte erzählt Grönemeyer, bevor die «Persönlich»-Sendung überhaupt losgeht. Das Zürcher Theater am Hechtplatz ist voll – trotzdem ist es ganz ruhig. 200 Hörerinnen und Hörer haben einen Sitzplatz ergattert, wenn der Musiker eine volle Stunde aus seinem Leben erzählt.

Das Erzählen scheint dem Musiker leicht zu fallen. Herbert Grönemeyer spricht über seine Kindheit als jüngstes Kind in der Familie. Wie er als Junge bei Mahlzeiten nie das Hühnerbein bekommen hat und sich deshalb vorgenommen hat, dass er später Hühnerbeine essen werde, wenn er einmal Geld verdiene. Tatsächlich esse er heute vor jedem Konzert Reis mit Zitronengras und einem Hühnerbein.

Dass er mit seiner Musik Stadien füllt, das findet Herbert Grönemeyer noch immer merkwürdig. «Man glaubts ja selber nicht. Ich geh vor Konzerten oft in die Hallen wenn sie leer sind. Und man hält das nach wie vor nicht für möglich, dass so viele Menschen kommen und einem so euphorisch entgegentreten.»

«  Wenn ich nicht singen würde, wäre ich ein grosser Melancholiker »

Herbert Grönemeyer

Auch über den Tod seiner Frau spricht Herbert Grönemeyer. Wie er damals Angst hatte, dass er nicht mehr schreiben und singen können würde. Und wie ihn seine damals neunjährige Tochter mit einem Satz überraschte: «Du hörst nicht auf zu singen, sonst kommt keine andere Frau ins Haus», habe sie ihm gesagt.

Wenn immer er auf der Bühne stand, dann war für sie alles in Ordnung, erzählt er. Singen sei ein Schatz, den er mit sich rumtrage und vorsichtig behandle. «Wenn ich dann noch anderen eine Freude damit mache – schöner gehts gar nicht.»

Drei Live-Songs im «Persönlich»

Dreimal setzt sich Herbert Grönemeyer in der «Persönlich»-Sendung ans Klavier. Dabei zeigt er sich humorvoll und spontan. Singt live «Morgen» von seiner aktuellen Platte «Dauernd Jetzt» – und weiht das «Persönlich»-Publikum in sein «Bananen-Englisch ein».

«Bananen-Englisch» hat Herbert Grönemeyer aus der Not heraus erfunden. Wenn er Lieder mitsingen sollte, deren Text ihm nicht vollständig bekannt war. Die Sprache verwendet er noch heute, wenn er Lieder schreibt. Denn ein Lied entsteht bei ihm so, dass er erst die Musik schreibt – und erst dann den Text.

Nicht immer hat Herbert Grönemeyer seine Lieder selber geschrieben. Als Katharina Kilchenmann sein erstes Album «Grönemeyer» zückt, erzählt er, dass er die Lieder nur eingesungen hatte und überrascht war, als er die Platte in Berlin in einem Laden hängen sah. Konfrontiert mit einem seiner ersten Lieder lacht Herbert Grönemeyer herzhaft über sich selber. «Diese Platte muss man nicht haben. Aber immerhin ist seit damals eine Entwicklung erkennbar.»

Zum Abschluss setzt sich Grönemeyer ans Klavier und beweist sein Improvisationstalent. Mit einer humorvollen Einleitung präsentiert seine ganz persönliche Version von Goethes Gedicht «Einmal nur in unserm Leben».

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