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Radio SRF 1 Kontroverse im «Forum»: Atomausstieg ja, aber wann?

Der Atomausstieg ist beschlossene Sache. Wann die Schweizer Kernkraftwerke vom Netz sollen, darüber ist man sich nicht einig. Der Nationalrat plädiert für eine maximale Betriebszeit von 60 Jahren. Die Energiekommission des Ständerats will keine Laufzeitbeschränkungen. Brauchen AKWs ein Ablaufdatum?

Legende: Audio Brauchen AKWs ein Ablaufdatum? abspielen. Laufzeit 53:31 Minuten.
53:31 min, aus Forum vom 20.08.2015.

40 Prozent des Stroms, den wir aus der Steckdose beziehen, ist Atomstrom. Das sei kein Grund, die Kernkraftwerke weiterlaufen zu lassen, sagen die AKW-Kritiker. Mit erneuerbaren Energien und Zukäufen aus dem Ausland hätte man genug Strom. Ausserdem gelte es in Zukunft sowieso, sparsamer mit Energie umzugehen.

«Wollen wir uns so vom Ausland abhängig machen und den fehlenden Strom in Europa einkaufen?» fragen die Befürworter der Kernenergie. Kernenergie sei eine saubere Energie. Zudem seien AKWs sicher und würden genau kontrolliert.

Porträt von Beat Bechtold.
Legende: Beat Bechtold. zVg

Im «Forum» diskutierten ein Atom-Kritiker und ein Atom-Befürworter mit Hörerinnen und Hörern. In die Diskussion eingeflossen sind auch die Kommentare aus der Online-Diskussion. Die Meinungen zum Nachlesen gibt es hier.

Auf der einen Seite AKW-Befürworter Beat Bechtold vom Nuklearforum Schweiz. Seine Haltung: «Atomkraftwerke sollte man gar nicht ausschalten. Ausser die Sicherheit wäre nicht mehr gewährleistet oder der Betreiber würde aus wirtschaftlichen Gründen entscheiden, nicht mehr in ein AKW zu investieren.»

Porträt von Felix Nipkow.
Legende: AKW-Kritiker Felix Nipkow, Schweizerische Energie-Stiftung «AKWs müssen abgeschaltet werden. Die Zukunft liegt in der erneuerbaren Energie.» zVg

Anderer Meinung ist AKW-Kritiker Felix Nipkow von der Schweizerischen Energie-Stiftung. Er sagt: ««AKWs müssen abgeschaltet werden. Die Zukunft liegt in der erneuerbaren Energie.»

Schweizer AKWs produzieren keinen Strom

Zündstoff bekommt die AKW-Debatte dieser Tage, weil alle fünf Schweizer AKWs zwecks Revisionsarbeiten und Kontrollen temporär vom Netz genommen wurden.
«Geht doch», sagen die Atomkritiker, «die Stromversorgung in der Schweiz ist nicht zusammengebrochen». Die Befürworter der Kernenergie entgegnen: «Im Sommer sind die Stauseen voll. Natürlich kommt es da nicht zu Versorgungslücken.»

Ebenfalls aktuell: 15 Anwohner und Umweltschützer haben Klage eingereicht. Sie fordern, dass das AKW Beznau vom Netz genommen wird. Die Vorwürfe: Der Atommeiler sei nur noch am Netz, weil die Behörden die Strahlenschutz-Grenzwerte falsch anwendeten. Zudem würde das Atomkraftwerk einem schweren Erdbeben nicht standhalten. Zum Artikel

Dieser Tage gibt auch Beznau 1 zu reden, das älteste AKW, das noch in Betrieb ist. Bei Ultraschallprüfungen der Stahlwände des Reaktordruckbehälters wurden «Unregelmässigkeiten» festgestellt. Zudem fehlen Dokumente, die den Bau der Stahlwände dokumentieren. Bis man Klarheit darüber hat, um was für Mängel es sich bei den «Unregelmässigkeiten» handelt, bleibt Beznau 1 abgeschaltet.

Wer sagt, wann ein AKW definitiv vom Netz genommen wird? Die Betreiber eines Kernkraftwerkes? Die Behörden? Oder die Politiker, indem sie ein Ablaufdatum festlegen?

107 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    Die Frage „Atomausstieg-wann“ ist aufgrund der vielen Toten durch die Atomunfälle der AKW, Brennelementproduktion, Wideraufbereitungsanlagen, Uranminen zynisch. Die Frage stellt sich, warum die CH per Volksabstimmung am 24.11.1957 überhaupt auf die Idee kam AKW zu bauen, obwohl bis heute 161 Staaten aus guten Gründen keine AKW bauten. Paul Scherrer/ETH, BBC, Sulzer u. a. wussten doch, dass es keine Lösung für Atommüll gibt. Man hat den Müll ins Meer versenkt! Endlager auf CH Boden ist verboten.
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  • Kommentar von cecile Heijmerink, 4054 Basel
    Meine Idee, ist den Stromverbrauch lernen ein zu dämmen damit AKW nicht mehr notwendig sind.Der Strom die die schweiz selber erzeugt muss genügend sein. Das ist eine Bewustsein und CivileVerantwortungs - Frage. z. B.in den Schulen Stromverbrauch thematisieren, Bürger sensibilisieren sein Stormverbrauch kürzen zu lernen. Bereitschaft ist nötig etwas von unser Bequemlichkeit auf zu geben: AKW sind vernichtend. Bei einer Katastrofe sind wir allen Verseucht! Wer denkt schon daran. Cecile Heijmerink
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  • Kommentar von Barbara Haener, Baar
    Die KKW sollen abgeschaltet werden. Sie werden aus meiner Sicht nicht optimal genutzt: Ich habe noch nie gehört, dass die Wärme aus einem Abklingbecken oder der Abluft eines Zwischenlagers (Kastoren werden über 100 Grad Celsius warm) genutzt wird. Zudem ist der Uranabbau sehr umweltschädigend (bis man schon nur einen Yellowcake hat) und eine problemlose Endlagerung von hochradioaktivem Material ist bis heute nicht möglich. Ferner vermisse ich die Diskussion zur Nutzung freier Energie.
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