Zum Inhalt springen

Radio SRF 1 Milena Moser: «Ich habe mir Langeweile gewünscht – und viel Zeit»

«Hinter diesen blauen Bergen» ist wieder ein ganz persönliches Buch von Milena Moser. Sie vertraut ihren Lesern und Leserinnen, lässt sie nahe an sich ran und teilt mit ihnen ihr neues Leben in Santa Fe. Aber ist das Buch auch lesenswert?

Milena Moser in ihrer Schreibwerkstatt in Aarau, mit blauem Pullover.
Legende: Milena Moser (53) in ihrer ehemaligen Schreibwerkstatt in Aarau. Keystone

Vor zwei Jahren hat die Schweizer Schriftstellerin ihre Heimat verlassen und ist in eine winzige «Casita» in Santa Fe gezogen. Hier will Milena Moser ihr Glück finden und sich von einer zünftigen Erschöpfung erholen. Über das Abschiednehmen und den Neuanfang hat sie in ihrem ersten autobiografischen Buch «Das Glück sieht immer anders aus» erzählt.

Moser zeigt auch in ihrem zweiten Buch ihr Innerstes, teilt Privates mit der Leserschaft. Sie habe dabei nur gute Erfahrungen gemacht: «Wenn man sich öffnet und authentisch ist, dann haut keiner drauf», sagt die Autorin.

Milena Moser mit Cowboyhut und einem braunen Pferd.
Legende: Aus dem Privatalbum: Milena Moser hoch zu Ross in ihrer neuen Heimat Santa Fe. ZVG

Im Buch «Hinter diesen blauen Bergen» erfährt man, wie sich Milena Moser in Santa Fe eingelebt hat. Sie schreibt: «Ich bin glücklich. Einfach so. Ohne, dass ich etwas dafür tun muss. Ohne, dass ich darüber nachdenke. Ich bin einfach hier, in dieser Landschaft, unter diesem Himmel, hier, im Sattel, auf dem Rücken von Twain».

Quälende Fragen

Und dann verliebt sich Milena Moser in einen Künstler, der in San Francisco wohnt. In einen mexikanischen Indianer, einen herzensguten, aber schwerkranken Mann.

Quälende Fragen tauchen auf: Wohin gehöre ich? Wo ist mein Zuhause? Habe ich in der Schweiz alles aufgegeben, um hier wieder einen Teil der neu gewonnen Freiheit aufzugeben? Sie muss sich entscheiden. Wo und wie kann sie glücklich werden?

Die neue Milena Moser

Ihren Erfolg verdankt Milena Moser den meist leichten und heiteren Geschichten, die sie mit einem humorvollen Augenzwinkern erzählt. Ihre Romanheldinnen sind liebenswert, aber auch leicht schusselig und chaotisch.

Im neuen autobiografischen Buch lernt man eine ernsthafte und verletzliche Frau kennen. Eine Frau, die nach ihrem 50. Geburtstag herausfinden will, was sie mit ihrem restlichen Leben noch anfangen möchte. Ihr nächstes Buch werde aber wieder ein Roman sein, sagt die Schweizer Autorin, sie habe sich darauf gefreut, sich wieder mal in andere Figuren zu versetzen.

Ein schöner Satz im Buch

«Es ist ein ganz einfaches, vielleicht ein bisschen langweiliges Leben, das ich hier führe. Aber das ist es genau, was ich mir gewünscht habe. Langeweile haben, viel Zeit.»

Ein zufälliger Blick auf Seite 57

«Siebzehn Tage? Putzt denn da niemand, denkt sich die Schweizerin als Erstes.»

, Link öffnet in einem neuen FensterDas meint die Literatur-Redaktorin

Sogenannte Ego-Literatur ist im Trend und wird gern gelesen. Das ist auch mir so gegangen mit Milena Mosers «Hinter den blauen Bergen».

Es hat mich interessiert, was dieses schreibende «Ich» mir erzählt, was in diesem Leben passiert und was diese Frau beschäftigt. Es gibt ja immer etwas, das ich auch kenne und gleichwohl ist es total anders. Ich finde Milena Mosers Offenheit mutig und sie wird auch mit diesem Buch einen Bestseller landen.

Das Buch

Milena Moser: Hinter diesen blauen Bergen. 256 Seiten. Nagel & Kimche, 2017.

Die Autorin

Milena Moser, 1963 in Zürich geboren, lernte Buchhändlerin. Seit 2015 lebt sie in Santa Fe, New Mexico. Ihre Bücher sind regelmässig Bestseller. Sie schrieb unter anderem «Die Putzfraueninsel» und «Schlampenyoga». 2015 erschien ihr erstes autobiografisches Buch «Das Glück sieht immer anders aus».

1 Kommentar

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Ich lese Milena Moser gerne. Was im heutigen Interview bei SRF 1 jedoch äusserst schwach und regelrecht blamabel von Milena Moser war, war, wie sie die Wahl von Trump dramatisiert hat. Milena Moser hat es nicht nötig bei der Anti-Trump Hetze mitzumachen und soll stattdessen das grosszügige Gastrecht der USA geniessen. Denn dieses fremdgesteuerte Bashing ist absolut daneben. By the way: Gerade New Mexico und Santa Fé als Künstlerstadt können von Trump als Präsident gehörig profitieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen