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Neues Jahr, neue Vorsätze «Scheitern hat auch einen Wert»

Wieso fassen wir Vorsätze und scheitern doch immer wieder daran? Veronika Brandstätter-Morawietz, Professorin für Motivationspsychologie, weiss es.

Prof. Dr. Veronika Brandstätter-Morawietz

Prof. Dr. Veronika Brandstätter-Morawietz

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Professorin am Psychologischen Institut der Universität Zürich. Lehrstuhlinhaberin für Allgemeine Psychologie mit Schwerpunkt Motivation und Emotion. Sie forscht zu den Themen Selbstmanagement und erfolgreiches Zielstreben, motivationale Prozesse in Paarbeziehungen, Zivilcourage.

SRF: Nehmen Sie sich Vorsätze fürs neue Jahr?

Veronika Brandstätter-Morawietz: Ich habe ganz klare Vorsätze. Ich möchte beispielsweise jeden Tag mindestens eine Viertelstunde französisches Vokabular lernen und Grammatik üben. Und ich möchte mein Sportprogramm im neuen Jahr fortführen.

Ein guter Vorsatz ist konkret, angesichts möglicher Hürden realistisch und angenehm im Tun.

Warum fassen Leute sich gerade aufs neue Jahr Vorsätze?

In der Motivationsforschung sehen wir, dass sich Menschen Dinge oft für den ersten Tag eines Monats, den Geburtstag oder eben den Jahresbeginn vornehmen. Man hat das Gefühl eines frischen Beginns. Das Scheitern in der Vergangenheit kann man hinter sich lassen und mit neuem Mut und Elan beginnen.

Wieso scheitern wir trotz so viel Anfangs-Elan?

Wir haben die Stolpersteine auf dem Weg zu unserem Ziel oft zu wenig vor Augen und schwelgen in Gedanken an die Zielerreichung. Oft ist der Weg zum Ziel aber anstrengend und unangenehm. Wir haben viel zu tun und denken nicht an unseren Vorsatz. Wenn wir auf derartige Schwierigkeiten nicht vorbereitet sind, geben wir leicht auf.

Was ist ein guter Vorsatz?

Er muss konkret, auch angesichts möglicher Hürden realistisch sein und vor allem soll das Tun auch angenehme Seiten haben.

Eine gewisse Toleranz sich selbst gegenüber tut gut.

Wenn man mit den gleichen Vorsätzen schon mehrmals gescheitert ist: Soll man einen weiteren Versuch starten oder erst gar nicht mehr probieren?

Wenn man denkt, es sei ein realistisches und persönlich wichtiges Ziel und die Verwirklichung liege in der eigenen Kontrolle, dann sollte man es wieder probieren, sich aber auf die Hürden vorbereiten.

Die Professorin Dr. Gabriele Oettingen hat dazu geforscht. Ihre Studien ergeben: Wenn man einen Vorsatz fasst, soll man sich am besten auch die Stolpersteine und mögliche Strategien zu ihrer Überwindung vorstellen. Das verringert das Risiko, mit seinem Vorsatz zu scheitern.

Falls es doch nicht gelingt?

Scheitern ist auch positiv. Es ist eine Rückmeldung, die eigenen Vorsätze und Strategien zu hinterfragen und zu verbessern. Wichtig ist hier vor allem die Frage: Wie definieren wir scheitern?

Es kommt auf die Ansprüche an, welche wir an uns selbst stellen. Das Alles-oder-Nichts-Prinzip führt bei vielen dazu, dass sie einen einmaligen Rückschlag als Scheitern definieren und dann aufgeben.

Was wäre die bessere Strategie?

Dass man nicht zu hohe Ansprüche hat an sich selbst. Oder erwartet, immer alles umzusetzen, was man sich vornimmt. Eine gewisse Toleranz gegenüber sich selbst tut gut.

Scheitern ist eine Chance: Aufstehen, Vorgehen hinterfragen und neu angehen.

Häufige Vorsätze sind gesunde Ernährung, mehr Sport, mehr soziale Kontakte – Themen, welche eine Verhaltensänderung bedingen. Die Forschung zeigt, dass es mehrere Monate dauert, bis dies Menschen gelingt. Es ist schwierig und braucht Geduld.

Scheitern ist ja auch eine Chance für Persönlichkeitsentwicklung. Abgedroschen oder wahr?

Scheitern ist eine Chance, wenn Leute das Scheitern erkennen und sich fragen: Passte das geplante Vorhaben gar nicht zu mir? Oder waren Fähigkeiten oder Interesse nicht gross genug? Es kann ein Anstoss zur Neuorientierung sein.

Wie geht man damit um, dass wir etwas nicht erreichen?

Scheitern – so schmerzlich es auch ist – kann letztlich die heilsame Ablösung von einem unerreichbaren Ziel bewirken, uns damit vor immer neuen Rückschlägen bewahren und Energie freisetzen für neue Vorhaben. Dabei hilft, sich zu überlegen, was unsere Persönlichkeit ausmacht, was uns sonst noch wichtig ist. Dann finden wir Mut für neue Vorsätze.

Das Gespräch führte Anna Wepfer.

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