«Persönlich» aus dem Thurgauer Ekkharthof

In seiner Jugend hatte Jürg Bregenzer lange Haare und lief im Militärmantel herum, Priska Sieber lebte ein Jahr in einer Lehmhütte in Kenia. Heute arbeiten sie beide in der Bildung und sind bei Anita Richner zu Gast im «Persönlich» aus dem Thurgauer Ekkharthof.

«Persönlich»-Gastgeberin Anita Richner (rechts) mit Priska Sieber und Jürg Bregenzer auf einer Hängebrücke. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Persönlich»-Gastgeberin Anita Richner (rechts) mit Priska Sieber und Jürg Bregenzer. SRF

Jürg Bregenzer

Jürg Bregenzer vor einem Haus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jürg Bregenzer. SRF

Man gäbe sie ihm nicht, die «schwere Pubertät», wenn man ihn heute sieht. Jürg Bregenzer ist dezent stilvoll angezogen, er trägt ein gestreiftes Hemd und Sakko. «Ich hatte lange Haare und lief in einem Militärmantel herum», erzählt er. Das Töffli gehörte natürlich auch dazu.

Zuerst war dem jungen Jürg Bregenzer nicht genau klar, in welche Richtung es beruflich gehen sollte. Er absolvierte eine Schreinerlehre und machte anschliessend die Ausbildung zum Werklehrer. Mit den Händen gearbeitet habe er immer gern, das erste Haus in Weinfelden hat er fast alleine renoviert.

Heute leitet Jürg Bregenzer den Ekkharthof. Es ist ein Ort, wo Menschen mit einer geistigen Behinderung wohnen, arbeiten oder in die Schule gehen. Sie sollen dort aber nicht nur betreut, sondern vor allem auch befähigt werden, ihr Leben so selbstständig wie möglich zu gestalten. «Hier wird viel gelacht», sagt Jürg Bregenzer. Auch bei den wöchentlichen Proben der Schulband, die er leitet. Jürg Bregenzer spielt seit seiner Jugend Klavier, zusammen mit einem Kollegen macht er auch Tanzmusik. Dass er definitiv eine musische Ader hat, wird einem klar, wenn er erzählt, dass er in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne Gedichte schreibt.

Priska Sieber

Porträt Priska Sieber. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Priska Sieber. zvg

Priska Sieber ist mit drei Brüdern aufgewachsen. Dieser Umstand hat sie geprägt. «Weil mein älterer Bruder ein Austauschjahr gemacht hatte, wollte ich das selbstverständlich auch», erzählt sie. Zuhause ging man davon aus, dass die 16-Jährige auch nach Amerika gehen würde. Sie hatte allerdings auf dem Anmeldeformular etwas anderes angekreuzt: Afrika.

Daheim sei man deshalb etwas erstaunt gewesen, als das Foto der zukünftigen Gastfamilie aus Mombasa eintraf. Doch Priska Sieber zog ihren Vorsatz durch, sie lebte ein Jahr in einer Lehmhütte mit 11 Geschwistern. Noch heute hat sie Kontakt zur Familie in Kenia.

Die Neugier, immer neue Dinge zu entdecken, hat Priska Sieber auch beruflich angetrieben. Dass sie Lehrerin werden wollte, war ihr schon früh klar. Doch nach der Matura absolvierte sie zuerst eine Kaufmännische Ausbildung an der Kaderschule Zürich und arbeitete anschliessend als Kreditsachbearbeiterin bei einer Bank. «Die meisten Sekschüler machen nachher ein KV, ich wollte wissen, was sie da erwartet», sagt Priska Sieber. Parallel dazu machte sie die Ausbildung zur Sekundarlehrerin, später studierte sie Pädagogik und schloss ihre Dissertation mit «summa cum laude» ab.

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