Persönlich: «Der Schauspieler und der Theatermuffel»

Bei «Persönlich»-Gastgeberin Katharina Kilchenmann treffen sich der Schweizer Schauspieler und Wahlberliner Stefan Kurt und Giuseppina Barone, die an der Schule für Blindenführhunde in Allschwil arbeitet und selber als Blinde mit ihrem ausgebildeten Hund Zorrino lebt.

Stefan Kurt und Giuseppina Barone mit Führhund im Porträt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Bühne ist Stefan Kurts Leben, während Giuseppina Barone nie ins Theater geht. Keystone / zVg (Bildmontage)

Stefan Kurt in der Akte Grüninger

2:39 min, aus Kulturplatz vom 6.3.2013

In Bern Bümpliz ist er aufgewachsen, seit bald 30 Jahren lebt er in Deutschland und spielt derzeit im Schauspielhaus Zürich, der Schauspieler Stefan Kurt (55). Sein Name ist hierzulande weniger bekannt als sein Gesicht. In Schweizer Filmen ist er oft zu sehen, etwa als Grüninger in «Akte Grüninger» oder als jähzorniger Vater in «Der Verdingbub», als schrulliger Sohn in «Lovely Louise» oder als Eigenbrötler in «Der letzte Weynfeldt».

«  Wenn ich irgendwo in den Schweizer Bergen am Wandern bin, erkennt mich schon ab und zu jemand, was mich auch freut, aber ich bin einfach nicht der Typ, der ein Restaurant betritt und gleich Applaus erwartet. »

Er sei mehr der «Reagierer» sagt Stefan Kurt, einer der aufmerksam dabei ist und erst in zweiter Linie ins Geschehen eingreift und er betont: «Das wird oft als Bescheidenheit interpretiert, ist es aber gar nicht, ich bin einfach dieser Typ Mensch.»

Stefan Kurt - auf deutschen Bühnen ein Star

Ruhig und mit offenem Blick erzählt er von seiner Karriere am Theater. «Ich hatte oft einfach auch Glück und habe die richtigen Menschen im richtigen Moment getroffen.» So hat ihn der Regisseur Jürgen Flimm nach Hamburg geholt, wo er in vielen verschiedenen Rollen als Schauspieler reifen konnte. Aber so richtig zum Blühen kam und kommt sein Talent in Inszenierungen von Robert Wilson, einem der bedeutendsten Theatermacher unserer Zeit. So spielt er seit sieben Jahren den Gangsterboss Mackie Messer in Wilsons Version von Brechts «Dreigroschenoper». Seit sieben Jahren dasselbe Stück? «Ja», sagt er «die Abläufe sind in Fleisch und Blut, aber noch immer macht mir die Rolle und das Stück grossen Spass. Ich bin nun mal ein Wilson-Schauspieler!»

Der Hund ist immer dabei

Porträt der blinden Giuseppina Barone mit dunkler Brille. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Giuseppina Barone ist seit Geburt blind. zVg

Giuseppina Barone (48) ist blind und lebt mit ihrem ebenfalls blinden Partner in einer schönen Wohnung in Basel. Wir sitzen in der Küche und besprechen die Sendung. Die Wände sind leer bis auf einen Kalender, den sie abhängt und mir zum Tasten hinlegt. Es ist ein Relief-Kalender und meine Fingerkuppen gleiten über die Schrift und fühlen die Umrisse der Blumen. «Im Wohnzimmer hängt auch ein gosses Bild», sagt Giuseppina Barone «aber ich weiss gar nicht mehr so genau, was darauf zu sehen ist. Trotzdem schätzen wir es und wir haben schliesslich auch Freunde, die nicht blind sind und die sollen sich hier ebenfalls wohl fühlen.»

Ihren Alltag bestreitet die Baslerin mit italienischen Wurzeln fast immer in Begleitung ihres Führhundes.

«  Er ist immer dabei, wenn ich zur Arbeit gehe, einkaufe oder einen Spaziergang mache. »

Die gelernte Telefonistin und Blindenschriftlehrerin ist heute in der Öffentlichkeitsarbeit in der Blindenführhundeschule in Allschwil tätig. «Von all den Jobs, die ich je hatte, ist das der Spannendste. Ich habe hier meinen Platz gefunden und das ist sehr wertvoll!»

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