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Radio SRF 1 Pflege zu Hause – fühlen Sie sich allein gelassen?

In der Schweiz pflegen rund 330'000 Menschen einen Angehörigen. Diese Arbeit ist anspruchsvoll und kräftezehrend. Die Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege wird zur Herausforderung. Brauchen pflegende Angehörige mehr Unterstützung?

Legende: Audio «Forum»: Die ganze Sendung zum Nachhören abspielen.
55 min, aus Forum vom 27.10.2016.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege gehört zu den grossen Aufgaben, welche unser Land in Zukunft lösen muss. Eine Umfrage der Careum-Forschung bei verschiedenen Betrieben zeigt, dass bereits jetzt 26 Prozent der befragten Mitarbeiter in die Pflege von Angehörigen involviert sind. Diese Zahl wird in Zukunft noch steigen. Hintergrund sind verschiedene Faktoren wie die Alterung der Gesellschaft oder die Tendenz zu ambulanten Strukturen in der Gesundheitsversorgung.

Spagat zwischen Verantwortung und Beruf

Peter Niggli posiert mit seiner Frau.
Legende: Peter Niggli pflegt seine Frau. zVg

Wer einen Angehörigen pflegt, kommt oft an sein Limit. Peter Niggli betreut seine Frau seit 6 Jahren. Sie ist mit 51 Jahren an Alzheimer erkrankt und braucht eine 24 Stunden Betreuung.

Mit dem Krankheitsverlauf seiner Frau passte er sein Arbeitspensum stufenweise an: Immer weniger Verantwortung, immer weniger Anstellungsprozente. Vor wenigen Monaten liess er sich frühpensionieren. Niggli hatte einen sehr flexiblen Arbeitgeber, was er sehr schätzte. Er hätte es sich nicht leisten können, früher aus dem Arbeitsprozess auszusteigen.

Neue Modelle braucht das Land

Porträt von Iren Bischofberger.
Legende: Iren Bischofberger. zVg

Solche Modelle braucht es dringend, ist die Expertin für Angehörigenpflege, Iren Bischofberger überzeugt. Sie leitet das Forschungsprogramm «Work + Care» bei Careum Forschung, dem Forschungsinstitut der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit in Zürich.

Erwerbstätig sein und sich um Angehörige kümmern ist nicht apriori ein Problem. Beide Engagements können einander befruchten und helfen, Abstand zum jeweils anderen zu gewinnen.

Ausserdem berge es grosse finanzielle Risiken, wenn Menschen aus dem Arbeitsprozess aussteigen. Zur Diskussion stehen zum Beispiel bezahlte Betreuungsurlaube.

Die Vereinbarkeit von Pflegearbeit und Erwerbsarbeit sei wünschenswert, findet auch Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband. Es brauche aber keine neuen gesetzlichen Regelungen.

Porträt Daniella Lützelschwab.
Legende: Daniella Lützelschwab, Arbeitgeberverband. zVg
Mit den bestehenden Möglichkeiten lassen sich auf individueller Ebene bereits gute Lösungen finden.

Die drei Gäste diskutierten in der Sendung «Forum» mit Hörerinnen und Hörern.

Was denken Sie? Ist es jedem selber überlassen, ob und wie er seine Angehörigen pflegt? Oder braucht es mehr Unterstützung von Arbeitgebern und Behörden?

Hier geht es zur Online-Diskussion.

Legende: Video Online-Hilfe für Privatpflegende abspielen. Laufzeit 5:37 Minuten.
Aus 10vor10 vom 24.10.2016.

Info «Work + Care»

Sie sind berufstätig und fragen sich, wie Sie Ihre Angehörigen am besten unterstützen können? Auf der neuen nationalen Plattform für Angehörige gibt es Antworten.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Valérie Borioli Sandoz (ValerieBorioliSandoz)
    Die Forschung hat es gezeigt: Wenn man nur mit individueller Flexibilität das Problem der Vereinbarkeit zwischen Erwerbstätigkeit und Care-Arbeit lösen will, gibt es ein grosses Risiko, eine Ungleichbehandlung unter Einzelpersonen zu produzieren. In diesem Bereich soll der Vorrang der Leistung am Arbeitsplatz nicht die Antwort sein. Anders gesagt: darf man früher vom Arbeitsplatz weggehen (um sein Mutter zu pflegen) nur wenn man eine gute Beziehung mit dem Chef hat?
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Frage ist doch, hat ein Familienmitglied keinen Job sowie ZEIT und MUMM zu Pflegen.. dann wohlan, aber selbst da braucht es Unterstuetzung.. je nach Schwere des Pflegebeduerftigen! Pflegeheime, sind nicht bezahlbar... Nun, man hat viel Geld zuhanden fuer illegale Einwanderer etc.. aber fuer unsere Pflegebeduerftigen.. was hat es da??? DAS ist die andere Frage!
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Kein Thema zu fern als dass man nicht Zugewanderten die Schuld geben könnte. Gehen Sie mal in ein Altersheim schauen, wer da pflegt. Sowohl in der ambulanten wie in der stationären Pflege sind weit über die Hälfte nicht Schweizerinnen (Schweizer hat es ja sowieso praktisch keine). Ohne zugewanderte von nah und fern wäre unser Gesundheitssystem längst zusammengebrochen.
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    2. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Schlecht aufgestanden heute Herr Nanni? Bevor sie gegen Immigranten vom Leder ziehen, sehen Sie sich gelegentlich mal in einem Schweizer Spital oder in einer Altersresidenz um. Die geschmähten Immigranten pflegen unsere Angehörigen. Zuviel emotionale Nähe kann ein grosses Problem bei der täglichen Pflege eines Angehörigen sein, speziell bei intimen Dingen, aber auch bei Veränderungen von Geist und Persönlichkeit ist es sehr schwer. Das kann nicht jeder leisten, selbst wenn er will.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Pflege hat eine gesellschaftliche Dimension. Last auf auf Arbeitskollegen zu übertragen ist trotzdem unangebracht. Im Unternehmen werden primär Erwartungen an Leistung gestellt und diese müssen gleich für alle gelten. Viel mehr sollte der Staat entweder diese Tätigkeit in einem Ausmass würdigen, dass diese Arbeitnehmer sich ein reduziertes Pensum erlauben können, oder Pflege durch externe müsste subventioniert werden. Zudem sollte "Nichtpflegenden" kein schlechtes Gewissen eingejagt werden.
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    1. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Und wer putzt den Kinderlosen den Po?
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