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Politik und Fussball - passt das zusammen?
Aus Forum vom 24.06.2021.
abspielen. Laufzeit 55:03 Minuten.
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Politische Gesten und Symbole Die Fussball-EM ist auch Politik: Ist das gut oder schlecht?

Ein Stadion soll in Regenbogenfarben leuchten. Spieler knien vor dem Anpfiff nieder. Auf einem Trikot prangt ein patriotischer Spruch. Sollen im Fussball politische und gesellschaftliche Fragen thematisiert werden oder nicht? Oder anders gefragt: Wie politisch ist Fussball?

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Beispiel 1: Die Regenbogenbinde

Der deutsche Torhüter Manuel Neuer wirbt an der Fussball-EM mit der regenbogenfarbenen Kapitänsbinde am Arm für Toleranz und Vielfalt. Die UEFA will zuerst ermitteln, stellt diese aber wieder ein. Es sei für einen «guten Zweck».

Manuel Neuer, Kapitän der deutschen Fussball-Nationalmannschaft, trägt eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben.
Legende: Manuel Neuer, Kapitän der deutschen Fussball-Nationalmannschaft, trägt eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben. Keystone

In diesen Farben sollte das Münchner Fussballstadion rund um das Spiel gegen Ungarn leuchten. Eine indirekte Kritik an Ungarn. Das Land hat die Rechte von Schwulen, Lesben-, Bisexuellen- und Transgender eben eingeschränkt.

Der ungarische Aussenminister ermahnte die Deutschen, Sport und Politik nicht zu vermischen. Die UEFA verbietet den Farbenwechsel mit der Begründung auf das «einheitliche Stadiondesign».

Allianz-Arena in München: Das Stadion hätte in Regenbogenfarben leuchten sollen, der Fussballverband UEFA verbot dies.
Legende: Allianz-Arena in München: Das Stadion hätte in Regenbogenfarben leuchten sollen, der Fussballverband UEFA verbot dies. Keystone

Beispiel 2: Black Lives Matter

Alle belgischen Spieler sowie das Schiedsrichter-Team gehen vor dem Anpfiff des Spiels zwischen Russland und Belgien auf die Knie. Das Niederknien gilt als Solidarisierung mit der «Black Lives Matter»-Bewegung. Diese richtet sich gegen Polizeigewalt und Rassismus im Allgemeinen.

Vor dem Spiel gegen Russland knien die belgische Mannschaft und die Schiedsrichter nieder.
Legende: Vor dem Spiel gegen Russland knien die belgische Mannschaft und die Schiedsrichter nieder. Keystone

Die Spieler Russlands bleiben stehen, die russischen Fans pfeifen die Geste lautstark aus. Das Argument der Gegner: Das Niederknien sei eine politische Geste, die im Fussball verboten sei.

Beispiel 3: Die Trikotfrage

Das Trikot der ukrainischen Mannschaft zeigt die Landesgrenzen samt Krim. Der russische Verband beschwert sich bei der UEFA. Die Karte der Ukraine samt Krim, die von Russland völkerrechtswidrig annektierten Halbinsel, darf bleiben. Hingegen der Spruch «Ruhm unseren Helden» auf dem Kragen muss weichen. Das sei «eindeutig politischer Natur», findet die UEFA.

Skandale der Sportgeschichte

Ein Blick in die Geschichte des Sports zeigt, dass die strikte Trennung von Sport und Politik lange nicht immer gelingt. Sei dies wegen des individuellen Engagements einzelner Athletinnen oder Athleten, oder wegen politischer Aktionen beteiligter Nationen.

6. September 1995 in Göteborg, Schweden: Die Schweizer Nati zeigt ein Protest-Transparent.
Legende: 6. September 1995 in Göteborg, Schweden: Die Schweizer Nati zeigt ein Protest-Transparent. Keystone

1995 spielte das Schweizer Team von Coach Roy Hodgson in Schweden um die Qualifikation zur EM 1996 in England. In Erinnerung bleibt bis heute weniger das 0:0 als die Ereignisse während der Nationalhymne. Die Mannschaft rollte ein Leintuch aus. Darauf stand: «STOP IT CHIRAC». Dieser Protest gegen die Atomtests von Frankreich im Südpazifik sorgte weltweit für Aufsehen.

Die Mannschaft entging einer Bestrafung. Die UEFA machte im Nachgang aber ihre Mitgliedverbände darauf aufmerksam, dass in ­Zukunft politische Aktionen auf dem Spielfeld streng bestraft werden würden.

Gäste in der Sendung «Forum» auf Radio SRF 1

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  • Lior Etter, ehemaliger Fussballprofi FC Luzern, spielte in der U-17-Nationalmannschaft. Beendete seine Karriere mit 20 Jahren und gründete die gemeinnützige Organisation «Wasser für Wasser».
  • Roland Büchel, Sportmanager, ehemaliger Fifa-Mitarbeiter, Organisator Afrikameisterschaften Mali und SVP-Nationalrat St. Gallen.

Radio SRF 1, Sendung «Forum», 24.6.2021, 20 Uhr

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93 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Weber  (Markus Weber)
    Schwierig wird es dann, wenn Gruppendruck aufgebaut wird, wie es mit dem z.B. Niederknieen vor den Spielen geschieht. Was passiert, wenn sich ein Spieler nicht hinknieen will, weil er sich mit dieser Bewegung nicht identifiziert? Was, wenn ein Sportler z.B. aus religiösen Gründen gegen die "Ehe für Alle" ist und sich durch die Regebogen-Armbinde des Captains - der ja für das Team steht - in seinen Meinungsfreiheit eingeschränkt fühlt.
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  • Kommentar von Haruni Bekim  (Bekim)
    Lustig. Die Regierung von München meinte selber es sein ein politisches Zeichen gegen Ungarn. Und das ist laut den Statuten der UEFA offiziell verboten. Ungarn hat sich wie alle anderen Mannschaften sportlich fair für dieses Tunier qualifiziert. Hat das gleiche Recht auf Respekt verdient wie alle anderen Teams. es geht hier nicht um Politik. Ganz Ungarn sollte damit diffamiert werden.
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  • Kommentar von CHRISTIAN LOOSER  (chrigel66)
    "Sport" ist LEIDER schon viele Jahre lang kein Sport mehr sondern ein Milliardengeschäft.
    Deshalb spielt auch dieses "Theater" keine faktische Rolle mehr.
    Ich sehe nur eine Lösung zur zumindest teilweisen Rettung des Sports:
    Den Sport als Zuschauer versuchsweise mal zwei Jahre lang strikte meiden.
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