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Psychische Erkrankungen im Job Arbeiten wir uns krank?

Die Zahlen sind beunruhigend: Seit 2012 nahm die Zahl der Krankheitsfälle von Berufstätigen um fast 20 Prozent zu. Auffällig: Es sind vor allem psychische Erkrankungen. Sind Stress und Druck am Arbeitsplatz zu gross geworden? Die Diskussion zum Thema.

Legende: Audio Arbeiten wir uns krank? abspielen. Laufzeit 57:14 Minuten.
57:14 min, aus Forum vom 26.04.2018.

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Die Arbeitswelt verändert sich stetig: Unternehmen kämpfen um ihre Existenz oder um mehr Rendite. Arbeitnehmer stehen häufiger unter Druck. Die Sorge um Stellenabbau wächst. Die Anforderungen steigen, die Flexibilisierung der Arbeit schreitet voran. Und auch die Digitalisierung. Die ständige Erreichbarkeit oder der Einbezug neuer Technologien verlangen Erwerbstätigen viel ab. Mitunter auf Kosten der Gesundheit.

Neue Zahlen lassen aufhorchen: Eine Analyse der Krankenversicherung Swica zeigt, dass die Zahl der krankheitsbedingten Absenzen von Berufstätigen seit 2012 um rund 20 Prozent gestiegen ist. Die psychischen Erkrankungen haben dabei am meisten zugenommen – um 35 Prozent.

Über die Ursachen wird gestritten

Wo liegen die Gründe für den Anstieg? Früher hätten Betroffene Diagnosen von psychischen Krankheiten möglichst umgangen, sagen die einen Fachleute. «Heute stelle ich in der Gesellschaft eine Sensibilisierung für psychische Probleme fest», sagt Niklas Bär von der Psychiatrie Baselland.

Angestellten-Vertreter sehen in den Veränderungen in der Berufswelt eine Ursache der zunehmenden Krankheitsfälle. «Die ständige Erreichbarkeit kann dazu führen, dass es einem Mitarbeiter irgendeinmal über den Kopf wächst», sagt Gabriel Fischer von «Travail Suisse». Viele Angestellte hätten Probleme mit dem steigenden Arbeitsdruck.

Aus Sicht der Arbeitgeber sind die häufigeren psychischen Erkrankungen in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext zu sehen. «Die Belastungen im Leben sind zahlreich – der Druck am Arbeitsplatz ist da nur ein Teil davon», sagt Daniella Lützelschwab vom Schweizerischen Arbeitgeberverband. Die Probleme vieler Leute würden nicht zuletzt deshalb am Arbeitsplatz sichtbar, weil man dort viel Zeit verbringe. Viele Mitarbeitende würden ausserdem hohe Erwartungen an sich selber stellen.

Macht uns der Job krank?

In der Sendung «Forum» diskutieren am Donnerstagabend folgende Gäste mit Hörerinnen und Hörern:

  • Daniella Lützelschwab, Schweizerischer Arbeitgeberverband
  • Gabriel Fischer, Arbeitnehmer-Dachverband «Travail Suisse»

34 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Ein grosses Problem ist die IV: die nimmt heute kaum jemanden mehr auf da sie mit "das kann ich hier nicht schreiben" überfüllt ist, Leuten die nur kurz oder nie einbezahlt haben und trotzdem Leistungen beziehen. So kann keine Versicherung funktionieren. Am Meisten bekommen es die Schweizer zu spüren. Viele psychisch und körperlich kranke werden irgendwelche "Integrationsprogramme" aufgedrückt, die sie für ein paar Monate beschäftigen. Danach kommt dann das Sozialamt, kein fester Job!
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Nebst dem "Arbeitsstress" gibt es noch den "Stress allen und allem gerecht werden zu wollen" und dann noch der "Freizeitstress sich zu beweisen"! Etwas viel "Stress" für einen "normalen" Menschen?
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  • Kommentar von Enrique Wintsch (Enrique)
    Menschliche Bedürfnisse und Sehnsüchte unterscheiden sich wesentlich von den zunehmenden, kalten Anforderungen und Regeln unseres Systems, an dem wir fleissig arbeiten. Wir mögen uns optimieren, um den Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Der Sinn für das Menschliche aber, der sich nur durch den Körper manifestiert, ist eine vernachlässigte Grösse. Nicht Halligalli oder Medizin tut not, sondern ein grundsätzliches Überdenken unserer gesellschaftlichen, privaten und spirituellen Kultur.
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    1. Antwort von Tom Duran (Tom Duran)
      Nein, wir müssen eigentlich nicht viel tun: etwas mehr Solidarität und Nächstenliebe wäre ein guter Anfang. Man kommt sich so verloren vor wenn mal was ist. Niemand hilft wirklich, die Behörden machen ja auch noch Druck und die Kollegen sind meist selber am Rande des Burnouts und retten lieber sich selber. In so einer Atmosphäre kann man sich nicht kurieren. Weiter müssen mehr gutbezahlte Jobs für Schweizer angeboten werden. Auch mit Behinderung und über 50! Das Geld muss umverteilt werden!
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