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Legende: Eine psychische Krankheit kann jeden treffen. unsplash
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Psychische Gesundheit Psychisch krank – es kann jeden treffen

Die Autorin Silvia Aeschbach hatte mehr als 300 Panikattacken. Der Komiker René Rindlisbacher litt unter einer Depression.

Angststörungen: Silvia Aeschbach

Was gibt es Schöneres? Sommer, Sonne und Meer. Es waren die ersten Ferien ohne Eltern. Und plötzlich hat die damals 17-jährige Silvia Aeschbach am Strand aus dem Nichts heraus Todesangst.

Ich dachte, ich sterbe.
Autor: Silvia AeschbachJournalistin und Autorin

An die erste Panikattacke erinnern sich alle, sagt die heute 59-jährige. «Die erste ist die schlimmste.» Und dann bleibt da immer auch die Angst vor der nächsten Attacke.

Ohnmächtig im Interview mit Leonardo diCaprio

Auch an die spektakulärste Panikattacke erinnert sie sich: Mitten im Interview mit Leonardo DiCaprio wird Aeschbach ohnmächtig. «Als ich wieder aufwachte, dachte ich, ich sei im Himmel. Gestorben, tot und nun auferstanden. Dabei sah ich in ein paar wunderschöne blaue Augen.» Leonardo DiCaprio beugte sich über sie und fragte auf Deutsch, ob alles in Ordnung sei.

Rückblickend mag das eine lustige Episode sein. Eine Panikattacke ist für den Betroffenen die Hölle. Über 300 Mal hatte Silvia Aeschbach bereits solche Attacken: 300 Mal Todesangst, 300 Mal Panik, 300 Mal Zittern.

Fliegen, einkaufen, durch einen Tunnel fahren, einen Platz überqueren – nichts ging mehr. Die Attacken machten sie fast ein bisschen einsam. Panikattacken verhindern. «Hat man eine Attacke beim Einkaufen, traut man sich nicht mehr in den selben Laden.»

Psychotherapie und Medikamente halfen

In den 70er und 80er-Jahren wusste man noch wenig über Panikattacken. Erst eine Psychotherapie, die Aeschbach Anfang der 90er-Jahre machte, brachte die erhoffte Wende. Und auch Antidepressiva halfen ihr.

«Warum habe ich diese Attacken?», dies fragte sich Aeschbach oft. Vielleicht waren ihre relativ alten Eltern mit ein Grund. Ihre Mutter war 47 Jahre alt, als Aeschbach geboren wurde. Die Eltern stürzten sich auf ihr zweitgeborenes Kind: Silvia. Ihre neun Jahre ältere Schwester reagierte eifersüchtig und habe ihr oft gedroht: Wenn du nicht brav bist, stirbt das Mami.

Die Angst vor dem Tod der Mutter

Aeschbach hatte Angst vor dem Tod der Mutter. Als diese dann hochbetagt starb, war das für Silvia Aeschbach viel weniger schlimm, als sie es sich in ihren kühnsten Träumen ausgemalt hatte.

Ich glaubte immer, wenn meine Mutter stirbt, wird das wie eine Panikattacke sein, die tödlich endet.
Autor: Silvia AeschbachAutorin und Journalistin

Mittlerweile hat Silvia Aeschbach noch etwa zwei Panikattacken pro Jahr. Sie ist mit dem Leben und ihren Lieben versöhnt. Ihre Angststörung hat sie auch in ihrem Buch «Leonardo DiCaprio trifft keine Schuld» verarbeitet.

Depressionen: René Rindlisbacher

Im Moment ist er mit seiner Tochter Laura als «s’Rindlisbachers» unterwegs. Premiere, Aufführungen, alles läuft wie geplant. Das war 2006 ganz anders. René Rindlisbacher, der Komiker und Kabarettist war mit seinem Duo Edelmais – an seiner Seite Sven Furrer – bereit für die Premiere, der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. In der Garderobe dann: «Sven, ich kann da nicht raus.» René macht einen Witz, dachte sein Umfeld. Aber Rindlisbacher konnte nicht raus, er sass nur da, wie ein Häufchen Elend. Die Premiere fiel ins Wasser, die Tournee wurde auf Eis gelegt.

Diagnose Depression

«Zuerst dachte ich, ich muss mal nachschlafen, das geht dann wieder». Aber schon am nächsten Tag wusste der Komiker, daraus wird nichts. Er vertraute sich seinem Hausarzt, der zugleich ein Freund ist, an. Bald stand die Diagnose fest: Depression. Einen stationären Aufenthalt in einer Klinik lehnte Rindlisbacher ab. Auch Antidepressiva wollte er nicht nehmen. «Ich muss mit meiner medizinischen Vorgeschichte sowieso schon viele Medikamente nehmen».

Rindlisbacher wurde mit einem Herzfehler geboren und erlitt mit 20 Jahren einen Herzinfarkt. Zwei Operationen am Herzen waren die Folge. Epileptische Anfälle zogen eine Hirnoperation nach sich. Schultern, Knie und ein Tinnitus kam dazu. Es gibt kaum etwas, das Rindlisbacher nicht durchgemacht hat. Und nun die Depression. Auf dem Therapieplan stand: Reden, reden und nochmals reden, mit seiner Frau, seinem Hausarzt, mit Freunden und Betroffenen. «Das tat manchmal ganz schön weh», erinnert sich der Komiker.

Zurück ins Leben

Nach anderthalb Jahren Pause ging Rindlisbacher zurück auf die Bühne. Die Depression ist bis heute eine einmalige Episode geblieben. Heute ist er überzeugt, dass er einer neuen Depression aus dem Weg gehen könnte. Er ist auf der Hut. Er beobachtet sich und seinen seinen Körper genau, sagt er.

Die Depression hat mich nachdenklicher gemacht.
Autor: René RindlisbacherKabarettist und Komiker

Rindlisbacher erzählt munter und man merkt, dass er Sorge zu sich trägt. Sein Körper sei sein Kapital, sagt er. Und zu diesem gehört auch seine Psyche. Er achtet darauf, dass es beiden gut geht. Man kommt nicht umhin dabei an den viel zitierten traurigen Clown zu denken.

Haben Sie selber oder Ihr Umfeld psychische Probleme? Zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen. Hilfsangebote finden Sie zum Beispiel über Pro Mente Sana.

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