Schädlicher Süssstoff: Muss man Zucker besteuern?

Fast jeder zweite Erwachsene und jedes fünfte Kind sind übergewichtig, die Zahl an Zuckerkranken nimmt stetig zu. Deshalb werden in vielen nordischen Ländern und neu auch in England Süssgetränke besteuert. Ist Zucker so schädlich wie Alkohol und Tabak oder ist das Panikmache? Das «Forum» zum Thema.

30 Würfelzucker isst jeder Schweizer im Durchschnitt pro Tag. Damit sind wir beim Zuckerkonsum an der Weltspitze. Vor allem Süssgetränke und Frühstücksflocken, aber auch Fertigpizzas, Ketchup oder Joghurts sind regelrechte Zuckerbomben.

Gemäss Weltgesundheitsorganisation WHO verspeisen wir doppelt bis vier Mal so viel Zucker wie empfohlen. Das Problem: Viele Experten machen den Zucker für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Gicht, Krebs oder Übergewicht verantwortlich. Das belaste auch unser Gesundheitswesen zunehmend.

Zuckersteuer auch in der Schweiz – ja oder nein?

In Ländern wie Frankreich, Belgien, Finnland, Ungarn, Dänemark, Mexiko und neuerdings auch England wird deshalb auf Süssgetränke eine Steuer erhoben, um sie markant zu verteuern. Das eingenommene Geld soll für Aufklärungs- und Gesundheitskampagnen in Schulen verwendet werden. Präventionsexperten fordern diese Massnahme auch für die Schweiz. Und immer wieder wird auch über eine generelle Zuckersteuer nachgedacht.

Die Steuer soll Jugendliche schützen

Befürworter einer solchen Steuer sagen: Besonders Jugendliche würden von der Zuckerindustrie regelrecht angefixt und an ein gewisses Süsse-Niveau gewöhnt. «In unserer Wohlstandsgesellschaft gewöhnen wir uns bereits im Säuglingsalter an gezuckerte Lebensmittel, dadurch verkümmert unser Geschmackssinn», so Alt-Nationalrätin Yvonne Gilli. Deshalb müssten diese flüssigen Kalorienbomben teurer werden.

Gegner warnen vor Bevormundung

Die Gegner sehen hingegen nicht ein, weshalb der Bürger auch noch beim Zucker bevormundet werden soll. Es könne ja jeder selber lesen, wie viel Zucker in einem Produkt enthalten sei, so das Argument. Zudem sei eine Besteuerung von gezuckerten Getränken unfair, warnt die Soft-Drink-Branche: Solche Vorstösse würden vor allem einkommensschwächere Haushalte belasten, ohne die öffentliche Gesundheit zu verbessern.

Diese Gäste diskutieren im Studio

  • Yvonne Gilli, Fachärztin für Innere Medizin und Alt Nationalrätin Grüne
  • Marcel Kreber, Direktor Verband Schweizerischer Softdrink-Produzenten
  • Heinrich von Grünigen, Präsident Schweizerische Adipositas-Stiftung
  • Guido Stäger, CEO Schweizer Zucker AG

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