Sozialhilfe: Wird zu viel verteilt? Diskutieren Sie mit!

In der Schweiz beziehen rund 250‘000 Menschen Sozialhilfe, Tendenz steigend. Sie werde von vielen missbraucht, sagen die Kritiker. Ist die Sozialhilfe auf Kurs oder braucht es strengere Richtlinien? Im «Forum» diskutieren am Donnerstag Experten und Hörer. Diskutieren Sie jetzt schon online mit.

In der Schweiz beziehen rund 250‘000 Menschen Sozialhilfe. Sie ist das letzte Auffangnetz für Menschen, die in Not geraten und nicht mehr in der Lage sind, für sich selber zu sorgen. Dieses Netz sei eine bequeme Hängematte, monieren die Kritiker. Nun hat die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) reagiert. Sie will ihre Richtlinien für die Sozialhilfe revidieren.

Die geplante Sozialhilfe-Revision der SKOS

Basis der Reform ist ein umfassender Fragekatalog, den die SKOS an ihre 900 Mitglieder verschickt. Aufgrund der Antworten sollen anschliessend die Richtlinien revidiert werden. Man wolle auf jeden Kritikpunkt eingehen, erklärte die SKOS.

Folgende Fragen stehen im Zentrum der Mitglieder-Befragung: Wie hoch ist der Grundbedarf für den Lebensunterhalt? Was nützen Anreizsysteme, etwa eine Zulage für einen Bezüger, der arbeiten geht? Welche Möglichkeiten gibt es, um unkooperative Sozialhilfebezüger zu bestrafen?

Die Diskussion im «Forum»

In der Sendung Forum diskutieren am Donnerstagabend Experten, ehemalige Betroffene und Hörer über die Zukunft der Sozialhilfe (Radio SRF 1, 20 Uhr):

  • Jacqueline Bäumler, ehemalige Sozialhilfebezügerin
  • Martin Gfeller, Leiter Sozialberatung Winterthur
  • Annemarie Lanker, bis 2007 Leiterin der Sozialen Dienste Bern
  • Heinz Richner, ehemaliger Sozialhilfebezüger

Diskutieren Sie mit!

Braucht es strengere Richtlinien bei der Vergabe von Sozialhilfe? Schreiben Sie Ihre Meinung unten ins Kommentarfeld.

Annemarie Lanker: «Eine unpersönliche Sozialindustrie»

Von der angekündigten Reform der SKOS sei wenig zu erwarten, meint Annemarie Lanker. Sie war bis 2009 Leiterin der Sozialen Dienste in Bern. In der Sozialhilfe fehle das nötige Augenmass, sagt sie: «Sie ist eine unpersönliche Sozialindustrie geworden, in der die Klienten von einem Integrationsprogramm zum nächsten geschoben werden.» Niemand fühle sich für den Einzelnen verantwortlich.

Ausserdem habe sich bei vielen Klienten eine bedenkliche Anspruchshaltung entwickelt, sagt Lanker weiter. Sie sehe nicht ein, warum ein Sozialhilfebezüger ein Auto haben soll. Schärfere Richtlinien seien angebracht. Die SKOS habe zu spät auf die Kritik reagiert.

Martin Gfeller: «Schweizer Sozialhilfe ist auf Kurs»

Anders sieht es Martin Gfeller. Er leitet die Sozialberatung in Winterthur und ist Mitglied derjenigen Kommission in der SKOS, die die Richtlinien zur Ausgestaltung der Sozialhilfe erarbeitet. «Die Schweizer Sozialhilfe ist grundsätzlich auf Kurs», sagt er. «Eine Totalrevision des Systems ist nicht notwendig.»

Die Richtlinien der SKOS würden von den meisten Kantonen und Gemeinden geschätzt und seien ein hilfreiches Arbeitsmittel, sagt Gfeller weiter. «Die SKOS hat nicht zu spät auf die Kritik reagiert.» Es sei jetzt aber richtig, die einzelnen Richtlinien in einem Vernehmlassungs-Verfahren breit zu diskutieren.

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