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Luft holen: Das Potenzial des Atems
Aus Input vom 07.04.2021.
abspielen. Laufzeit 45:53 Minuten.
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Tauchen ohne Flasche Freitaucherin: «Wir sind zur Entspannung verdammt»

In unserer schnellen Zeit entsteht immer häufiger das Bedürfnis auf die Bremse zu stehen. Bewusste Atmung im Yoga oder autogenes Training sind deshalb beliebt. Aber auch das Apnoetauchen verzeichnet Zulauf. Nur wer völlig entspannt, kommt unter Wasser weiter. Manou Maier ist Freitaucherin und spricht über ihre Erfahrungen unter Wasser.

Manou Maier

Manou Maier

Freitauchlehrerin

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Manou Maier ist leidenschaftliche Freitaucherin und Freitauchlehrerin. Ausserdem ist sie Yogalehrerin und begleitet Menschen als Coach auf ihrem Weg zur persönlichen Entfaltung. Atmung und Körperarbeit spielen in allen Bereichen eine zentrale Rolle. In ihren Yogaqua-Kursen fliessen ihre Interessen aus Freitauchen und Yoga zusammen: Schwerelosigkeit, Achtsamkeit und Entspannung im Wasser.

SRF: Kannst du mir das Gefühl beschreiben, welches du beim Freitauchen empfindest?

Manou Maier: Es ist ein Gefühl von Freiheit.

Ich habe schon beim ersten Freitauchgang gemerkt, dass mir nur 30 Sekunden ohne Atem mehr Freiheit vermitteln als eine Stunde tauchen mit Flasche.
Autor: Manou MaierFreitaucherin

Die Zeit dehnt sich aus, man wird leicht, schwerelos, es entsteht ein starker Kontakt nach Innen, mit sich selbst. Und gleichzeitig wird daraus eine Verbundenheit mit der Natur, man fühlt sich als Teil des Wassers, womöglich weil unser Körper zu grossen Teilen aus Wasser besteht.

Normalerweise holen wir alles 4 bis 5 Sekunden Luft. Was passiert im Körper, wenn man das nicht tut?

Der CO2-Spiegel im Blut steigt. CO2 hat eine entspannende Wirkung, löst aber auch den Atemreflex aus, mein Körper will Luft holen. Dafür wird das Zwerchfell in Bewegung gesetzt, was zu Kontraktionen führt. Die sind unangenehm. Wir lernen aber sie auszuhalten, das ist eine Frage der Übung.

Wie üben Sie das?

Ein Teil davon ist Wissen über die Vorgänge im Körper. Es hilft zu verstehen, dass die Kontraktionen nicht von einem fehlenden Sauerstoffanteil kommen, sondern eben vom erhöhten CO2. Und natürlich hilft das Training. Technisches Druckausgleichstraining, Atemübungen, Krafttraining oder Stretching gehören häufig dazu. Jeder trainiert nach seinem Gusto, aber etwas haben wir alle gemeinsam: Wir müssen uns entspannen. Uns vertrauen. Unsere mentalen und körperlichen Grenzen sehr genau kennen.

Man hört immer wieder von Todesfällen. Wie kann das passieren?

Beim Freitauchen gerät man häufig in eine Art Flow, der süchtig machen kann.
Autor: Manou MaierFreitaucherin

Wenn man in die Tiefe taucht, erreicht man ab einem bestimmten Punkt den Freien Fall. Man muss sich nicht mehr bewegen, kann sich einfach fallen lassen, den Körper völlig loslassen und das ist wunderschön. Da kann es kritisch werden. Deshalb setzen wir vorgängig die Tiefe fest. Tauche nie alleine. Das soll man übrigens auch in der Badewanne nicht tun! Gefährlich wird es, wenn wir überheblich werden. Die Kontroll- und Sicherheitsabläufe müssen immer Priorität haben.

Du hast durchs Apnoetauchen zum Atem und seinem Potenzial gefunden. Wie hat sich dein Leben dadurch verändert?

Ich habe begriffen, dass ich die Atmung lenken kann. Dass ich meine Lunge, meine Atemmuskeln trainieren kann. Es geht weniger um die Luftmenge, die da reinpasst, sondern um die Art der Atmung.

Tief und fein zu atmen ist wichtig, das bestehende Volumen effizient zu nutzen.

Durch das Apnoe-Training atme ich auch im Alltag bewusster, tiefer und kann schneller wieder entspannen.
Autor: Manou MaierFreitaucherin

Wenn ich gestresst bin sag ich mir, beim Freitauchen kann ich es ja auch. Der Fokus auf die Atmung hat mich auch zur Yogalehrerin gemacht. Die Yogis sagen da übrigens etwas Cleveres dazu: Wir haben eine bestimmte Anzahl Atemzüge auf den Weg bekommen. Sind die verbraucht, ist das Leben zu Ende. Es lohnt sich also bewusst zu atmen.

Apnoetauchen verzeichnet Zulauf. Auch sonst boomen Angebote rund um den Atem. Warum? Haben wir verlernt zu atmen?

Das stimmt, es ist eine richtige Modeströmung, es gibt extrem viele Bücher und viele Inhalte auf Social Media dazu. Ich denke, dass tatsächlich viele nicht mehr wissen, wie sie gesund atmen können. Weil sie dauernd unter Anspannung und Stress stehen.

Einige müssen leider zuerst ausbrennen, um wieder lernen zu entspannen. Wir sollten das Potential des Atems wieder besser nutzen, um zu entschleunigen. Feitauchen hat mir dieses Bewusstsein gebracht.

Den Atem unter Wasser anzuhalten bedeutet einen kompletten Unterbruch des Alltags. Ein paar Sekunden fühlen sich dort an wie eine Ewigkeit.
Autor: Manou MaierFreitaucherin

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Silvia Grossenbacher  (Siku)
    "Der CO2-Spiegel im Blut steigt. CO2 hat eine entspannende Wirkung..."
    "Beim Freitauchen gerät man häufig in eine Art Flow, der süchtig machen kann"
    Dieser "Flow" entsteht durch den erhöhten CO2 Spiegel und ist nichts weiter als ein langsames Vergasen, führt schlussendlich zur Bewusstlosigkeit und damit zum Tod. Rein körperlich ist es genau so als würde man sich einen Plastiksack über den Kopf stülpen! Zudem ist Sauerstoffmangel extrem schädlich für unsere Hirnzellen. Übung ändert das nicht!
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    1. Antwort von Renato Troxler  (Renato Troxler)
      Rein von der Logik her korrekt argumentiert. Interessant ist aber das Apnoetaucher kaum Hirnschäden davontragen, zumindest wenn sich keine Unfälle ereignen. Das Hirn ist sehr gut gegen Sauerstoffmangel geschützt. Schwimmen sie mal ein paar Längen unter Wasser, sie werden merken wie ihre Muskulatur sofort der Sauerstoffunterversorgt wird und sie sehr schnell übersäuern. So reagiert ihr Körper auf eine mög Sauerstoffunterversorgung des Hirn...
    2. Antwort von Silvia Grossenbacher  (Siku)
      Renato Troxler die Auswirkungen von übersätigung durch co2 und sauerstoffmangel kenne ich (leider) nur zu gut.
      Der angesprochene Flow finde ich nicht erstrebenswert, aber es gibt ja auch Leute denen es Lust beschert, wenn sie gewürgt werden...... auch das wäre nicht meins ;-)
      Tatsachen ist aber, dass bei ungenügender Sauerstoffsättigung alle Organe beeinträchtigt werden und Hirnzellen vermehrt absterben - kein Hirnschaden, aber ein kontinuierlicher Abbau der Hirnzellen mit allen Konsequenzen
    3. Antwort von Dino Kaltbrunner  (Apnoetaucher)
      Sie zitieren hier wissenschaftliche Fakten und ziehen extreme Vergleiche ohne eine wirkliche Relation zum Apnoetauchsport und fundierter Kenntnis von eben dieser Aktivität. Könnten sie bitte auf konkrete Studien im Zusammenhang mit dem von ihnen erwähnten "kontinuierlichen Abbau der Hirnzellen mit allen Konsequenzen" spezifisch bei Apnoetauchern verweisen?
  • Kommentar von Chruti Da Goya  (Νικος)
    Das muss Mensch wohl nicht verstehen... oder geht das unter die Kategorie:
    "no risk no ....relaxing"?
    https://www.youtube.com/watch?v=qmtKmQXkM2w
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Matt Reimann  (Matts)
      Man muss längst nicht alles im Leben verstehen. Wer sich im Wasser weder wohlfühlt noch auskennt, wird Apnoetauchen niemals auch nur annähernd begreifen.
    2. Antwort von Chruti Da Goya  (Νικος)
      @ Matts
      Ich arbeite Sommers am und auch oft im - sowie unter Wasser, mit Flasche auf dem Rücken, und fühle mich sehr wohl dabei, kann aber Apnoetauchen trotzdem nicht begreifen. ;-)
    3. Antwort von Dino Kaltbrunner  (Apnoetaucher)
      Hast du dir denn das zitierte Video überhaupt angeschaut? Falls ja, hättest du festgestellt, dass es sich bei 2 von den 3 erwähnten Personenunfällen um Gerätetauchunfälle handelt. Der erste Personenunfall ist tatsächlich beim Apnoetauchen passiert, allerdings bei der absolut extremsten Form davon, welche durchaus und ganz im Gegensatz zum "normalen" Apnoetauchen (d.h. regulären Disziplinen wie Tieftauchen mit konstantem Gewicht), als Extremsport mit erhöhtem Risiko gewertet werden kann.