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Weniger ist mehr – Leben im Tiny House
Aus Input Story vom 08.01.2020.
abspielen. Laufzeit 26:51 Minuten.
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Tiny Houses und Co. «Der Schritt raus aus der grossen Wohnung war befreiend»

Im Schnitt braucht jeder Schweizer 46 Quadratmeter Wohnraum – Tendenz steigend. Doch es gibt auch Menschen, die ihre Wohnfläche bewusst reduzieren. 3 Parteien erzählen, was sie dazu bewegt hat.

Die Freigeister im Tiny House

Jenny Stanway und Luki Prettenthaler leben seit mehreren Jahren auf einem Campingplatz in Lenzerheide. Dort bieten sie Mountainbike-Touren an, arbeiten in einer Bar und geben im Winter Snowboard-Unterricht.

Nach einigen durchfrorenen Wintern in einem alten Wohnmobil suchten sie eine neue Lösung. «Wir in einer Wohnung, das kam nicht in Frage», so Jenny Stanway. Von sozialen Medien inspiriert, bauten sie gemeinsam mit Freunden kurzerhand ihr eigenes Tiny House. Darin leben sie nun schon seit über zwei Jahren auf für sie luxuriösen 14 Quadratmetern plus einem halbhohen Schlafbereich, den man per Leiter erklimmt.

Tiny Houses: Schwierige Bewilligung

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Ihre Wurzeln hat die Tiny-House-Bewegung in den USA. Meist haben die Häuschen Räder und sind recht einfach zu verschieben. Eine fixe Grössenangabe gibt es nicht, ab 40 Quadratmetern wird jedoch häufig vom Mini House gesprochen, nicht mehr vom Tiny House.

Auch dank stilvollen Bildern in den Sozialen Medien sind die kleinen Häuser auf Rädern seit einigen Jahren auch in der Schweiz beliebt. Die Nachfrage sei gross, heisst es auf Anfrage bei Herstellern von Fertig-Häuschen.

Eine grosse Herausforderung ist die Bewilligung. Meist wissen die Gemeinden gar nicht, wie sie die Häuschen auf Rädern einordnen sollen. Viele Bewohner von Tiny Houses leben daher versteckt und ohne Bewilligung.

Der Schritt aus normalen Wohnungen heraus beschreibt Luki Prettenthaler als befreiend. Unabhängigkeit und Freiheit sei ihnen wichtig, betont seine Partnerin. Frei sein auch dank niedriger Lebenshaltungskosten. Die beiden zahlen für Miete, Strom und Gas pro Jahr 5000 Franken.

Der Mieter im Micro Apartment

Seit Oktober lebt der 30-jährige Frank Bakker in einem Micro Apartment. Im Gegensatz zu Tiny Houses sind Micro Apartments Kleinstwohnungen, meist möbliert. Bakkers Einzimmerwohnung kommt mit Bad auf 38 Quadratmeter. Eigene Möbel musste er kaum mitbringen, denn die Wohnung zeichnet sich durch verschiebbare Elemente aus.

Im rund 3 Meter hohen Raum ist eine Art Kubus integriert, in dem Küche, Kleiderschrank, Büro und Schlafzimmer versteckt sind. Per Knopfdruck kann man den Zugang zu den unterschiedlichen Bereichen verkleinern oder vergrössern.

Die Sendungen zum Thema

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Die SRF 3-Hintergrundsendung «Input» quetscht sich am Sonntag, 12. Januar mit den Porträtierten in ihre engen vier Wände. Wir fragen: Was treibt diese Menschen an? Und springen wir bald alle auf, auf den Mini-Zug?

In der SRF 1-Hintergrundsendung «Doppelpunkt» am Dienstag, 14. Januar zeigen die Porträtierten ihr Zuhause. Mit einer Expertin gehen wir den Frage nach: Wie viel Platz braucht ein Mensch? Und auf wie viel Platz werden wir in der Zukunft leben?

Der Podcast «Input Story» gibt Einblick in die wachsende Szene der Tiny Houses. Wir besuchen Jenny Stanway und Luki Prettenthaler sowie Alesch Wenger und Tina Gojani. Beide Paare leben aus unterschiedlichen Motiven in selbstgebauten winzigen Häuschen auf Rädern.

Frank Bakker hat sich schnell an das System gewöhnt. Auch daran, dass er sehr ordentlich sein muss. Nur schon eine Socke, die im Weg liegt, blockiert das System aus Sicherheitsgründen. Eine Umstellung sei es schon gewesen, von einer 4-Zimmer-Wohnung ins Micro Apartment. «Man ist immer in einem Raum. Den kann man zwar nach Wunsch gestalten, aber es bleibt ein Raum», sagt er.

Ausschlaggebend war für ihn das Preis-Leistungs-Verhältnis. Zentrumsnah, teilmöbliert, moderner Ausbau inklusive Waschturm für 1390 Franken inklusive Nebenkosten. Etwas Vergleichbares habe er nicht gefunden.

Die Denker im Selbstversuch

Als Projekt verstehen Alesch Wenger und Tina Gojani ihr Leben im selbstgebauten Tiny House. Sie wollen herausfinden, wie man auf 15 Quadratmetern gemeinsam leben kann. Nach drei Jahren Planen und Bauen sind sie im Herbst 2018 eingezogen.

Auf einer Industriebrache in Zürich leben und arbeiten sie, mitten in einem kreativen Umfeld. Neben ihren Hauptjobs als Bauleiter und Projektmanagerin beraten der Architekt und die Betriebsökonomin Interessierte im Bereich Tiny Houses.

Dem Pärchen geht es beim Wohnprojekt vor allem um die Suffizienz. «Wir merkten, dass wir über unsere Verhältnisse lebten, und fragten uns, wie wir das anders machen könnten», erzählt Wenger.

In der Schweiz mache das Wohnen einen grossen Teil des Energieverbrauchs aus. Tatsächlich hätten sich ihr ökologischer Fussabdruck und ihre Lebenserhaltungskosten dank dem Umzug ins Tiny House halbiert. Und dies ohne eine Einbusse von Lebensqualität. Im Gegenteil: Da sie weniger Lohn brauchen, widmen sie sich eherenamtlichen Tätigkeiten.

Alesch Wenger zum Beispiel engagiert sich in einem Verein. Dieser setzt sich unter anderem für eine einheitliche und unkomplizierte Bewilligungspraxis für Kleinwohnformen ein.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Johannes Schuster  (Johannes Schuster)
    Der Hintergrund dürfte in der Refinanzierungskrise zu sehen sein. Höhere Mieten als Folge der Zinspolitik (Anlagenunwandlung). Weniger Wohnraum bedeutet auch Besitzreduktion und damit eine schleichende Enteignung an Privat - und auch Bildungsbesitz. Das Ende ist die Utopie wie in sozialistischen Staaten, wo es um die Verwahrung statt das Wohnen und Sein ankommt. Der Mensch ohne Platz, ohne Bücher, Instrumente, ohne Platz für Hobbies, ein reines Verfügungsobjekt. Das ist ein totlitärer Ansatz.
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  • Kommentar von Thom Pfister  (pizgloria)
    Das wirkt alles so konstruiert hipsterig. Um jeden Preis "anders" sein, zumindest für die Aussenwahrnehmung. Drinnen breitet sich die übliche Biederkeit aus: Ikea ohne Ende wie aus deren Möbelkatalog. Unter "Ausbrechen" verstehe ich was anderes.
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  • Kommentar von markus kohler  (nonickname)
    Die nächste Variante des Hipstertums. Ich lebte in Personalzmmern in einer Dachwohnung in einer WG und tat das aus wirtschaftlichen Gründen. Diese Leute machen das weil es ein Hype ist. Ich kann mit der bornierten urbanen Selbstdarstellern gar nichts mehr anfangen. Als Nächstes werden sie in Baumhütten wohnen, dann wieder in riesigen Lofts.
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